Schauspieler Andy Serkis verkörpert hier mittels Motion Capture den Schimpansen Caesar in der Planet der Affen-Trilogie.

Foto: REUTERS/Weta/20th Century Fox/

Es gehörte zu den Gänsehautmomenten im Film "Rogue One: A Star Wars Story". Als gegen Ende des Films niemand geringere als die junge Carrie Fisher alias Prinzessin Leia die gestohlenen Todessternpläne übernahm und damit die Brücke zu "Episode IV: Eine Neue Hoffnung" legte. Freilich war die mittlerweile verstorbene Fischer zu diesem Zeitpunkt nicht mehr jung, sondern 50 Jahre alt. Mittels Motion Capture wurde sie jedoch als CGI-Animation (Computer Generated Imagery) auf die Leinwand gebracht.

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Noch keine Jobangst nötig

Solche digitalen Schauspieleinlagen sind heutzutage etabliert. Teilweise werden sie jedoch missbraucht. So beklagte sich US-Schauspielerin Scarlett Johansson Anfang des Jahres darüber, dass der Kampf gegen Deepfake-Pornos sinnlos sei. Dabei werden mithilfe künstlicher Intelligenz die Gesichter einzelner Personen täuschend echt mit einem anderen Körper kombiniert und auch die Mimik nachgeahmt.

Möglicherweise muss Johansson aber auch andere Folgen der aufkeimenden Deepfake-Technik fürchten. Denn es stellt sich die Frage, ob der technologische Fortschritt künftig überhaupt den Beruf des Schauspielers überflüssig macht und irgendwann nur noch lauter virtuelle Menschen auf der Leinwand herumhuschen werden.

"Das ist schon noch weit weg", sagt Darren Hendler dem "Guardian". Hendler leitet die Abteilung "Digital Human" der Special Effects-Firma "Digital Domain". Das US-Unternehmen steuerte Spezialeffekte unter anderem für "Star Trek: Nemisis" (2013) und Transformers bei. "Der Einsatz von künstlicher Intelligenz hat sich schnell verbreitet", sagt Hendler. "Aber die weitere Entwicklung ist schwer vorherzusehen".

Motion Capture

Bereits bisher strotzen Blockbuster von digitalen Effekten. In Filmen wie "Avengers: Endgame" wurde viele Schauplätze komplett digital hergestellt. Gut, ein erfundener Planet lässt sich anders auch schwer darstellen. Aber zumindest die Schauspieler standen für Authentizität. Schauspieler Josh Brolin verlieh dabei Film-Bösewicht Thanos Leben. Dabei wird der gesamte Bewegungsablauf und auch die Mimik und Gestik von Brolin mittels Motion Capture aufgezeichnet und dann am Computer auf Thanos übertragen.

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Hinter jedem digitalen Menschen stehe eine starke Performance eines realen Menschen, sagt Hendler. "Jemand muss etwa die Rolle der verstorbenen Person spielen. Jemand muss dessen Bewegungen wirklich studieren und Gesichtsausdrücke kennen". Denn diese Motion-Caption-Schauspieler hauchen ihren Figuren erst Leben ein. Handler beschreibt diesen Effekt als "digitale Prothese" – einen Anzug, den ein Mensch anziehen muss.

KI-Hilfe

Während solche digitale Figuren also von der Schauspielleistung abhängig sind, können sogenannte virtuelle Menschen autonomer agieren. Hier generiert die künstliche Intelligenz Sprache und Gesichtsausdrücke selbst, nachdem sie mit entsprechenden Daten beziehungsweise Vorlagen gefüttert wurde.

Das Virtual-Reality-Game zur BBC-Serie "Peaky Blinders" setzt auch auf solche KI-Charaktere. Ian Hambleton, CEO der Entwicklerfirma Maze Theory, erklärt eine positive Folge dieser Schöpfung, die nunmehr auf unterschiedliche Emotionen unterschiedlich reagiert: "Wenn der Spieler diesen KI-Charakteren aggressiv begegnet, ändern sie ihr Verhalten, auch die Körpersprache und Gesichtsausdrücke".

Stimme als Hürde

Dass Schauspieler aber bald komplett ersetzt werden, daran glaubt momentan niemand der Beteiligten. Auch nicht Arno Hartholt, Direktor der Forschungsabteilung des Instituts für kreative Technologie an der University of Southern California. Demnach sei eine der Schwierigkeiten, aus einer Sammlung von vergangenen Schauspielleistungen eines Darstellers eine komplett neue zu erstellen. Auch die Stimme sei schwer zu ersetzen. "Dafür braucht man viele Vorlagen. Wie klingt sie sauer, wie eine Kombination aus Wut und Verletzlichkeit und wie, wenn jemand aus der Puste ist?". Hier sei also die menschliche Komponente nach wie vor im Vorteil.

Hendler glaubt aber, dass diese Technologie mehr und mehr auch für die Normalverbraucher zugänglich wird. "Vielleicht haben Sie in zehn Jahren einen riesigen Bildschirm an der Wand hängen, wo sie mit einem virtuellen Assistenten interagieren können. Der begleitet Sie dann zu Bett oder zum Kühlschrank. Das klingt vielleicht creepy, ist aber im Kommen" (red, 4.1.2020)