Die in Großbritannien 1974 geborene Alixandra Fazzina unternimmt seit Jahren den heroischen Versuch, mit ihren Fotos von oft abseits liegenden humanitären Katastrophen und von Flüchtlingsschicksalen eine kämpferische Praxis humanitärer Gesinnung einzufordern. Fazzina hat in Ländern wie Pakistan, Afghanistan und Jemen gearbeitet und 2010 auch die Reportage "A Million Shilling – Escape from Somalia" veröffentlicht. Ohne Wenn und Aber wird deutlich, dass der Mensch der globalen Gegenwart gleich allen anderen Dingen zu einer bloßen Sache geworden ist und der Mensch nur Mittel zum Zweck ist, um den Gewinn zu mehren.

Die "schönen Künste" dienen heute der Profitanlage und dem Konsum. Gerade Wien bietet dazu viele Belege. Haben die Päpste in Rom den Petersdom als Symbol vatikanischer Herrschaftsideologie mit dem Blut der Neuchristen errichtet und bezahlt, so bezahlen die als selbstlose Wohltäter der Stadt angebotenen Stifter ihre Kunstsammlungen als Symbole der "Zivilisation des Reichtums" mit dem aus Krieg, Ausbeutung und Sklaverei erpressten Profit.

Ein Symbolbild

Was für ein Künstler war zum Beispiel Picasso? Die Worte, die er nach der Befreiung Frankreichs von deutscher Vorherrschaft gesprochen hat, sind Richtung gebend: "In meiner eigenen Art habe ich immer zum Ausdruck gebracht, was ich als das Wahrhaftigste, Richtigste und Beste und damit das Schönste erachtete. Während der Periode der Unterdrückung und des Aufstandes fühlte ich jedoch, dass dies nicht genüge, dass ich nicht nur durch die Malerei, sondern mit meinem ganzen Sein zu kämpfen habe."

Ein jemenitischer Bub im Wrack eines von einem Luftschlag zerstörten Busses.
Foto: REUTERS/Naif Rahma

Die Fotokünstlerin Fazzina kämpft mit ihrem ganzen Sein. So hat sie kürzlich in einem von der "NZZ" gebrachten Fototableau die Zeichnung von Mohamed al Abid abgebildet, dem mit Frau und ungeborenem Kind irgendwie die Flucht aus seiner bombardierten Heimatstadt Taiz im Jemen in ein Lager bei Djibouti geglückt ist. An der Zeltwand hat er die von Fazzina fotografierten, Bomben abwerfenden Flugzeuge gezeichnet. Es ist das ein Symbolbild für Bilder von sich selbst überlassenen und traumatisierten Flüchtlingen, die im Europa der Waffenexporte nach Saudi-Arabien, im Europa des Wohlstandes, im Europa des Wegschauens und des Pilatus gleichen Händewaschens nicht erwünscht sind.

Fazzina hat sich als Fotokünstlerin in den Kampf unserer Epoche eingemischt, sie hat sich nicht zurückgezogen und der Vernichtung der Opfer mit Schweigen zugestimmt. Ihr Tun ist vorbildhaft im Kampf für Gerechtigkeit in unserer globalen Gesellschaft. (Gerhard Oberkofler, 18.7.2019)