Der Streit zwischen den USA und China hat die Landschaft für Unternehmer und ihre Chancen am Weltmarkt längst verändert.

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Der jüngste Eskalationsschritt im Handelskrieg zwischen den USA und China bleibt an den Finanzmärkten ein großes Thema, auch wenn die Börsen den ersten Schock über die Yuan-Abwertung vorerst großteils verdaut haben.

Für Unternehmen, die es bisher gewohnt waren, dass internationale Lieferketten und Dienstleistungen glatt laufen, ändert sich das Bild aber nachhaltig, je länger und schärfer der Streit zwischen den beiden großen Wirtschaftsmächten tobt. Aktuell etwa stellt sich der Autozulieferer Continental angesichts des anhaltenden Zollstreits zwischen den USA und China und möglicher Handelsbeschränkungen zwischen Amerika und der EU auch auf eine mögliche Verlagerung der Produktion in Exportmärkte ein. "Wir beobachten eine zunehmende Verlagerung von Exportvolumina aus Deutschland in die Nähe der Märkte der Kunden", sagt Finanzvorstand Wolfgang Schäfer zur Nachrichtenagentur Reuters. Die Autobauer seien angesichts der neuen Zolldiskussionen immer mehr veranlasst, ihre Standortstrategie zu überprüfen. "In der Folge würde das auch für uns gelten."

"Risse werden größer"

Diesen Aspekt unterstreicht auch Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank: "Unternehmer werden künftig noch genauer überlegen müssen, wo sie stehen und wie sie im sich ändernden Marktumfeld mitspielen können." Denn das Spiel der Zölle und die laufenden Drohungen hätten bereits tiefe Risse im bisherigen weltweiten Handelsnetz verursacht. "Diese Risse werden größer werden", sagt Kater im Gespräch mit dem STANDARD.

Die Frage vieler Unternehmer, wo ihre Absatzmärkte sind und wo ihre Produktionsstätten sind und ob aufgrund des aktuellen Umfelds eine Verlagerung sinnvoll ist, wird wohl in vielen Vorstandsetagen gerade großes Thema sein. Denn Firmen und Betriebe müssten im neuen Umfeld ihre Gewinnmöglichkeiten mitunter auch neu ausloten.

Im Aufbau der Weltwirtschaft sei laut Kater damit längst ein neues Kapitel aufgeschlagen worden, das weitergeführt wird, egal wie ein Handelsabkommen zwischen den USA und China aussehen werde. Denn in Summe seien die Gegensätze der beiden Länder enorm groß. Ein Handelsabkommen könnte insofern auch nur eine Beruhigungspille darstellen.

Trump bleibt bei Vorhaben

US-Präsident Donald Trump rückt von seinem Vorhaben, ein Handelsabkommen mit China zu erreichen, jedenfalls auch nach der Yuan-Abwertung nicht ab. Das sagte sein Wirtschaftsberater Larry Kudlow dem US-Fernsehsender CNBC. Trump wolle die Verhandlungen fortsetzen, "er möchte ein Abkommen schließen, aber es muss das richtige Abkommen für die USA sein".

Die letzte Verhandlungsrunde endete in der Vorwoche ergebnislos. Daraufhin kündigte Trump Strafzölle auf weitere Importe aus China im Wert von 300 Milliarden Dollar (268 Mrd. Euro) an. China hat daraufhin seine Währung nicht mehr gestützt. Experten werteten diesen Vorgang als klares politisches Signal der Chinesen Richtung Trump, dass das Reich der Mitte zumindest einen Teil der Zölle über die Währung ausgleichen kann.

Ein wenig gewirkt haben dürfte der Schritt Chinas doch. Denn Kudlow sagte auch, Trump sei offen für mögliche Änderungen an den neuen Zöllen auf chinesische Produkte, sollten die Gespräche mit China gut laufen. (Bettina Pfluger, 7.8.2019)