Geld für Bauern, die auf Bio umsteigen wollen, fehlt

Eine Initiative fordert die Parteien zum Überdenken der Agrarpolitik auf und will die Umweltförderungen verdoppeln

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Interessierte Neo-Biobauern gibt es genug. Doch das Geld fehlt.

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Wien – Ein lachendes Ferkel, Tomatenraritäten und Bauern mit Händen voller Erde: Wer die Werbung heimischer Supermärkte beobachtet, könnte meinen, Österreichs Landwirtschaft sei fest in Hand der Biobauern. Das ist aber bei weitem nicht der Fall: Nur rund ein Viertel der heimischen Äcker wird biologisch bewirtschaftet, der Anteil ist in den vergangenen Jahren kaum gestiegen.

Grund dafür ist nicht die fehlende Nachfrage: Laut Agrarmarkt Austria (AMA) steigen die Umsätze in dem Sektor seit Jahren konstant. Vielmehr ist der Umstieg auf Bio für Bauern, die bisher eine konventionelle Landwirtschaft betrieben haben, derzeit nur schwer möglich. Denn der Fördertopf für Neo-Biobauern ist ausgeschöpft, neues Geld dafür gibt erst wieder, wenn die neue Förderperiode der EU-Agrargelder anläuft, sagt Bio-Austria-Obfrau Gertraud Grabmann. Das sei frühestens 2021 der Fall.

Kein Neueinstieg möglich

Der Neueinstieg in die Bioförderung im Rahmen des ÖPUL, des österreichischen Programms für umweltgerechte Landwirtschaft, war 2015 und 2016 möglich, für 2017 gab es aufgrund der großen Nachfrage eine einmalige Verlängerung. Seit 2018 ist ein Neueinstieg laut Bio Austria nicht mehr möglich, lediglich die Möglichkeit einer niederwertigeren ÖPUL-Förderung sei gegeben.

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Das führe nicht nur dazu, dass der Bioflächenanteil in Österreich seit Jahren kaum mehr steigt, heißt es bei der Interessenvertretung: "Dadurch, dass Betriebe immer wieder warten müssen, bis sie in die Bioförderung einsteigen können, ist nach dem Einstieg oft eine recht große Menge von Biorohstoffen vorhanden." Das drücke wiederum die Preise. Der Verein fordert deshalb nicht nur eine Umverteilung der Fördermittel, sondern auch kontinuierliche Einstiegsmöglichkeiten. Bisher sei der weitere Ausbau der Biolandwirtschaft in Österreich am mangelnden politischen Willen gescheitert, kritisiert Obfrau Grabmann.

Umweltförderungen verdoppeln

Geht es nach der Interessenvertretung der Biobauern sowie der NGO Greenpeace und mehreren Wissenschaftern, soll der Bioanteil künftig kräftig gesteigert werden. In einer gemeinsamen Initiative fordern sie, dass die heimische Landwirtschaft auf den Kopf gestellt und klimafreundlicher gestaltet wird. Die Eckpunkte der Initiative wurden am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz vorgestellt.

Der Fünfpunkteplan sieht unter anderem die Verdoppelung der Agrar-Umweltförderungen vor. Demnach sollen 50 Prozent – statt bisher 25 Prozent – der verfügbaren Agrarfördermittel für Klima, Tierschutz und Schutz der Artenvielfalt zweckgebunden werden. Zudem wird die künftige Regierung dazu aufgefordert, einen Bioanteil von 35 Prozent der heimischen landwirtschaftlichen Fläche bis 2027 im Strategiepapier für die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP) festzulegen.

Ernährungssicherheit gefährdet

Das bisherige Agrarfördersystem gehöre grundlegend überdacht, heißt es auch bei der Umweltorganisation Greenpeace. Denn "mittelfristig ist unsere Ernährungssicherheit gefährdet", sagt Landwirtschaftssprecher Sebastian Theissing-Matei mit Verweis auf den vergangene Woche veröffentlichten Bericht des Weltklimarats. Dieser habe verdeutlicht, wie klimaschädlich die Art der Lebensmittelproduktion für den Planeten sei.

Der Hebel liege nun bei der künftigen Bundesregierung, so die Conclusio der Initiative. Diese könne nicht nur den Bioanteil in öffentlichen Einrichtungen erhöhen – die Forderung liegt bei einem Anteil von 60 Prozent in der Verpflegung. Auch die Ausrichtung der GAP-Reform, die derzeit ausgearbeitet wird, könne von der neuen Regierung maßgeblich beeinflusst werden. Der Forderungskatalog wurde jedenfalls noch am Dienstag an die Spitzen der österreichischen Parteien übermittelt. (lauf, 13.8.2019)

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