Als ich vergangenen Juni während der Weißen Nächte Sankt Petersburg besuchte, hörte ich das Rascheln russischer Geldscheine nur ein einziges Mal. Das ist einerseits bedauerlich, sind ausländische Banknoten doch meist selbst aufregendes Neuland. Andererseits ist es mir auch nicht recht, wenn der Rubel zu sehr rollt.

Etwa wenn ein Taxler, der nur Cash nimmt, für die Fahrt vom Flughafen ins Zentrum Wucherpreise verlangt. Nach dieser Erfahrung bezahlte ich während des gesamten Aufenthalts nur mehr per Karte. Nicht weil eine Reise dadurch per se billiger wird, sondern schlicht, weil es möglich war.

Kein Papiergeld

Vom günstigen Erfrischungsgetränk Kwas am Kiosk bis hin zum Kühlschrankmagneten, der jede Kopeke wert ist (Motiv "Putin mit Welpe im Arm und der Aufschrift: All goes well") – in der alten russischen Hauptstadt kann schon fast alles bargeldlos bezahlt werden.

Die Russen zücken immer öfters das Handy, um zu bezahlen.
Foto: REUTERS/Maxim Zmeyev

Erst recht relevante Posten wie das Hotelzimmer, die Restaurantrechnung oder das Ticket für ein Ausflugsschiff auf der Newa. Dafür müssen Reisende kein Papiergeld mehr in die Hand nehmen. Die Petersburger selbst lassen sich zudem immer öfter dabei beobachten, wie sie in Supermärkten, auf Rooftop-Bars und in Designerläden dem Kassier kommentarlos ihre smarte Uhr oder ein Mobiltelefon entgegenstrecken.

Rollen und Rascheln

Schon mehr als zwei Drittel der Menschen in russischen Metropolregionen bezahlen regelmäßig mit elektronischen Brieftaschen à la Apple Pay, besagt eine Studie von Mediascope. In nur einem Jahr, von 2017 auf 2018, hat sich die Zahl der Nutzer solcher Bezahlsysteme in Russland fast vervierfacht.

Und dass der Rubel immer seltener physisch rollt, darf einen hierzulande durchaus wundern. Besagt doch eine erst wenige Tage alte Untersuchung der Direktbank ING, dass die Österreicher Rekordhalter im raschelnden Zahlungsverkehr sind: Nur zehn Prozent wollen sich vorstellen, auf Bargeld gänzlich zu verzichten.

Wegelagerei

Unter 15 untersuchten Ländern ist der Zuspruch zu Cash hier mit Abstand am höchsten, in der Türkei kann sich, zum Vergleich, fast die Hälfte der Befragten mit einer völlig bargeldlosen Zukunft anfreunden. Was bedeutet das für die Österreicher, die Nation mit dem zweithöchsten Reisebudget in Europa? Unter Umständen, dass sie unnötig viel ausgeben, wenn sie außerhalb der Eurozone an Geldscheinen festhalten.

Wer außerhalb der Eurozone mit Bargeld bezahlt, steigt meist schlechter aus.
Foto: APA/KEYSTONE/MARTIN RUETSCHI

Beheben Urlauber in Ländern, die nicht den Euro haben, Bargeld vom Bankomaten, sehen sie sich neuerdings mit einer interessanten Form der Wegelagerei konfrontiert. Egal ob in Kroatien, Dänemark oder Großbritannien – die Maschine fragt nunmehr nach, ob sie den Betrag, gleich in Euro umgerechnet, für einen abbuchen darf.

Ungünstiger Wechselkurs

Das klingt zunächst nach einer kleinen Aufmerksamkeit, will sich doch kaum jemand im Urlaub mit aktuellen Wechselkursen auseinandersetzen. Tatsächlich kostet einen diese Bequemlichkeit aber bis zu 14 Prozent der behobenen Summe. Der vorgeschlagene und meist nicht ersichtliche Wechselkurs ist in jedem Fall schlechter als bei der Bank daheim. Apropos Banken in der Heimat: Nimmt man bereits von dort Fremdwährungen mit, fallen häufig Spesen in der Höhe von bis zu drei Prozent an.

Wer dagegen im Nichteuroraum am Bankomaten abhebt, hat in der Regel nur Kosten von 0,75 Prozent plus einer kleinen Fixgebühr. Legt das also nahe, dass man in Urlaubsländern ohne Euro am besten bargeldlos bezahlt, sooft es geht? Eine aktuelle Untersuchung der Arbeiterkammer stützt die Vermutung.

Billiger ohne Bargeld

Die Kosten bei einer Behebung von 400 Euro mit Bankomatkarte liegen zwischen zwei Euro und 6,16 Euro. Bezahlt man dieselbe Summe mit Bankomatkarte im Geschäft auf einmal, fallen nur zwischen 1 Euro und 5,50 Euro Gebühren an, rechnet die Arbeiterkammer vor. Es steht also außer Frage, dass es im Schnitt vielfach günstiger ist, mit der Bankomatkarte bargeldlos zu bezahlen, als physisches Geld zu beheben.

Meistens ist es günstiger, bargeldlos mit Bankomatkarte zu bezahlen.
Foto: APA/HANS KLAUS TECHT

Jetzt kommen aber noch die Kreditkarten ins Spiel. Außerhalb der Eurozone wird für ihren Einsatz eine Manipulationsgebühr von 1,5 bis zwei Prozent verrechnet. Bei Bargeldbehebungen mit der Kreditkarte fallen generell recht fette Spesen bis zu 3,3 Prozent an. Es sei denn, man sieht sich nach einem der neuen hippen Anbieter um, die genauso virtuell sind wie das Rollen des Rubels in Sankt Petersburg. Fintechs wie N26 oder Revolut werben damit, dass der Einsatz ihrer Kreditkarten im Ausland überhaupt keine Gebühren mehr nach sich ziehen.

Die Krone verschwindet

Hier gilt es aber, ganz genau zu prüfen, welche Jahresgebühren für die Karten selbst fällig werden oder welche Schwierigkeiten es nach sich ziehen kann, wenn man im Problemfall nur mit einer Hotline in Kontakt treten kann.

Neben Banken ohne Bargeld gibt es auch immer mehr Länder, die ihre Scheine verschwinden lassen wollen. Der bekannteste Fall: Schweden (siehe Infokasten unten). Das skandinavische Land, in dem sogar schon der Klingelbeutel bargeldlos gefüllt werden kann, möchte bald die erste Gesellschaft ohne Bargeld sein.

Höhere Kosten

Angepeiltes Jahr für das Verschwinden der Krone ist 2030. Auch Australien oder Dänemark beteiligen sich am Rennen ums Ende vom Rascheln der Geldscheine. Bliebe noch zu klären: Ist es wahrscheinlich, dass die Österreicher deshalb die Kleine Meerjungfrau in Kopenhagen stürmen und dafür die große Begeisterung für die Meerzugänge der Oberen Adria aufgeben?

In bargeldaffinen Ländern wie Italien oder Griechenland steigt man mit Cash besser aus.
Foto: Getty Images/iStockphoto/georgeclerk

Wohl eher nicht, zumal für eine Eurobehebung in bargeldaffinen Ländern wie Italien, Spanien oder Griechenland nicht einmal Spesen anfallen und die allgemeinen Kosten eines Urlaubs in Schweden, Dänemark oder Australien höher sind.

Derselbe Wucher

Fassen wir die aktuelle Logik des Geldausgebens im Urlaub also zusammen: Als Sparefroh gilt heute, wer seinen Straußenlederhut in Australien mit der heimischen Bankomatkarte bezahlt. Wer nach Prag fährt, tschechische Kronen zum von einer Maschine vorgeschlagenen Eurokurs abhebt und damit ein Bier bezahlt, ist ein Krösus.

Andererseits: Hätte der Petersburger Taxler anstelle von Cash auch mein Smartphone als Geldbörse akzeptiert, der Wucher wäre derselbe geblieben. Jeder Urlaub hat eben seinen Preis – zusätzlich Spesen. (Sascha Aumüller, RONDO, 22.8.2019)