Alysia Montaño (links) bei einem Wettkampf in Sacramento im Juni 2017. Bei dem Rennen war sie im fünften Monat schwanger.

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Kinder und Karriere lassen sich in der Regel nicht leicht vereinbaren. Vor allem aber als Profisportlerin in den USA. Eine Schwangerschaft ist dort oft mit großen finanziellen Risiken verbunden – und kann gar das Ende einer Karriere bedeuten. Denn viele US-Spitzensportlerinnen sind stark von Sponsorengeldern abhängig.

Doch nicht nur das: Wie im Mai bekannt wurde, zahlen manche Hersteller, darunter Nike – ein Weltkonzern mit Milliardenumsatz – nur dann, wenn die Frauen an Wettkämpfen teilnehmen und entsprechende Leistung zeigen. Diese Ungerechtigkeit kritisierten die US-Leichtathletinnen Alysia Montaño und Kara Goucher sowie die Sprinterin Allyson Felix. Andere wie die 800-Meter-Läuferin Phoebe Wright schlossen sich an. Sie sagten, ihr Sponsor Nike bestrafe Frauen, die sich für die Geburt ihres Kindes eine Auszeit nehmen.

Die Rechnung von Nike geht scheinbar so: Eine Athletin, die schwanger ist, bestreitet weniger Wettkämpfe, steht weniger in der Öffentlichkeit und fällt möglicherweise länger als Werbebotschafterin aus – bekommt ergo weniger Geld. "Wenn wir Kinder bekommen, riskieren wir finanzielle Einbußen während der Schwangerschaft und danach. Es ist ein Beispiel für eine Sportindustrie, in der Regeln immer noch meistens für und von Männern gemacht werden", schrieb Allyson Felix, die mit sechs Gold- und drei Silbermedaillen erfolgreichste Leichtathletin bei den Olympischen Spielen, in der "New York Times".

Keine leistungsbedingten Kürzungen

Die 33-jährige Felix habe sich bewusst für eine Familie entschieden, obwohl sie mit Nike über einen Vertrag verhandelte. Doch ihr wurde nur ein 70 Prozent geringer dotierter Vertrag angeboten. Nike habe ebenfalls abgelehnt zu garantieren, dass sie nicht bestraft werde, wenn sie in den Monaten rund um die Geburt nicht ihre Topleistungen bringen könne.

Das setzt die Athletinnen unter Druck: Bereits im Juni 2014 hatte ihre Kollegin Montaño noch im achten Schwangerschaftsmonat an einem Wettkampf teilgenommen – auch weil sie auf das Geld des Sponsors angewiesen war. Und auch als Protest gegen die Kürzung der Gelder, wie sie ebenfalls in der "New York Times" schrieb.

Die Berichte führten zu Reaktionen im Netz und einem Shitstorm gegen Nike. Der Hersteller kündigte Verbesserungen und eine neue Richtlinie für den Umgang mit schwangeren Athletinnen an. Am Freitag war es scheinbar so weit: Felix postete das Bild einer E-Mail von John Slusher, Nikes Executive Vice President of Global Sports Marketing. In der Mail gibt Nike die überarbeitete Richtlinie bekannt: Ist eine Nike-Athletin schwanger, soll 18 Monate lang die Zahlung leistungsbedingt nicht verringert werden.

Der Instagram-Post von Allyson Felix, der die E-Mail von John Slusher, Nikes Executive Vice President of Global Sports Marketing, zeigt.

Wie Deutschlandfunk Nova berichtet, hat Adidas auf Nachfrage mitgeteilt, dass die Vertragsbedingungen mit Athletinnen während der gesamten Schwangerschaft einheitlich seien. Es bleibe unklar, ob und wie sich eine Schwangerschaft auf bestehende Sponsoringverträge auswirkt. Die Sportartikelhersteller Asics, New Balance und Under Armour geben an, ihre Zahlungen noch nie wegen Schwangerschaften reduziert zu haben, die Firmen Brooks und Burton etwa haben im Zuge der Debatte selbst den Mutterschutz in den Sponsoringverträgen laut eigener Aussage verbessert. (set, 21.8.2019)