Brasiliens rechter Präsident Jair Bolsonaro in der Kritik.

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Der französische G7-Gastgeber Emmanuel Macron klopft sich in Biarritz auf die Schulter: Der Druck habe gewirkt, der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro schicke die Armee los, um die verheerenden Brände im Amazonasgebiet zu bekämpfen. Ein Verdienst der G7 ist das allerdings kaum. Der Rechtspopulist aus Brasilía ließ sich von den deutlichen Worten Macrons ("Unser Haus brennt") nicht beeindrucken, sondern unterstellte ihm gar eine "koloniale Denkweise".

Nein, gewirkt hat der vereinte Druck der EU. Ihre Drohung, das Handelsabkommen mit dem südamerikanischen Mercosur-Markt nicht zu unterzeichnen, wenn der Regenwald weiter lichterloh brennt, alarmierte die brasilianische Agrarlobby, und sie intervenierte bei Bolsonaro. Seine neue "Nulltoleranz" gegenüber den Brandstiftern muss sich erst noch bewahrheiten; über das Wochenende sind in Amazonien hunderte von neuen Feuern ausgebrochen. Die EU will deshalb den Druck aufrechterhalten, auch wenn der G7-Gipfel längst vorbei sein wird.

Rückblickend betrachtet wäre es angezeigt gewesen, auch Bolsonaro zu dem Gipfel einzuladen – allein schon, um ihn vor den TV-Kameras der Welt in die Pflicht zu nehmen. Macron zog es aber vor, das befreundete Chile nach Biarritz einzuladen, dazu französische Exkolonien wie Senegal und das demokratisch fragwürdige Ägypten. Diese diplomatische Willkür klingt nicht nach der Wertegemeinschaft, als die sich der G7 versteht. Eher nach Weltregierung, die Bolsonaro suggeriert.

G7 in der Krise

Das G7-Format steckt seit langem in der Krise, weil die Beteiligten nicht mehr am gleichen Strick ziehen. Der tiefere Grund dafür liegt letztlich im weltweiten Aufkommen der neuen Demagogen und Populisten. Der Fall Bolsonaro geht über die aktuelle Urwaldkatastrophe hinaus und und wirft die grundsätzliche Frage auf, wie der Westen mit diesen neuen Caudillos des 21. Jahrhunderts umgehen soll. Macron hatte an sich vor Jahren schon einen gute Ansatz gefunden und erklärt, es gelte "mit allen zu reden, aber Klartext zu sprechen".

Man stelle sich vor, wie frei sich Trump fühlen und wie unsicher er die Welt machen würde, wenn er nicht mehr in internationale Gremien wie die G7 eingebunden wäre. Umgekehrt lässt sich vermuten, dass Bolsonaro kooperativer wäre, wenn man sein Land in den Kreis der "Großen" aufnähme – und mit ihm nachhaltig Klartext reden würde. Der Brasilianer scheint für handfeste westliche Argumente und Druckmittel empfänglich zu sein. Das sollte ausgenutzt werden. (Stefan Brändle, 25.8.2019)