Milo Yiannopoulos auf der Straight Pride Parade Ende August in Boston.

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Kaum jemand aus der Alt-Right-Bewegung vermochte in den vergangenen Jahren die Gemüter so zu erhitzen wie Milo Yiannopoulos, der fast in jedes Thema mit kontroversen Ansagen reingrätschte. Zuletzt marschierte der bekennende Homosexuelle in führender Position bei der Boston Straight Pride Parade mit. Der Marsch von rund 200 Teilnehmern wurde von einer Gegendemonstration begleitet, die mehr als 1.000 Teilnehmer zählte.

Es könnte allerdings einer seiner letzten größeren Auftritte gewesen sein. Laut eigenen Angaben kann er über soziale Medien seinen Unterhalt nicht mehr finanzieren. Nach jahrelangem Hadern ist Yiaonnopoulos in den vergangenen Monaten aufgrund von "Hassreden" sowohl von Facebook als auch von Twitter gesperrt worden. Das hat nun offenbar Konsequenzen.

Stagnation auf Telegram

Der spanische Jurist Anfons López Tena hat auf Twitter Screenshots von Chatnachrichten des rechtsextremen Influencers veröffentlicht. Auch "Vice" zitiert mehrere Botschaften. Dort redet dieser darüber, dass seine Followerzahl beim Messenger Telegram stagniert und eine solche Anzahl an Leuten auch nicht ausreiche, um seinen Unterhalt zu finanzieren.

Die letzte "Bannrunde" der Social-Media-Plattformen habe ihn vier Millionen Fans gekostet. Seine Postings auf Telegram würden mittlerweile nur noch zwei- bis dreitausendmal angesehen. Er kenne niemanden, dem es gelungen sei, auf Telegram einen wirklich großen Kanal ins Leben zu rufen.

Kaum Reichweite durch Gab und Co

Auch auf anderen alternativen Plattformen sehe es nicht besser aus. Parler sei praktisch tot, und auf Gab würden sich vorrangig "unnachgiebige, ermüdend feindselige" jugendliche Rassisten herumtreiben, die "komplett den Tonfall und die Diskussionen dominieren". Niemand aus dem Publikum helfe ihm dort, mehr Leute zu erreichen, die ihm Merchandise abkaufen oder ihn anderweitig unterstützen.

Auch Crowdfunding ist für Yiannopoulos schwerer geworden. Mehrere Zahlungsdienstleister, darunter auch Paypal, verweigern ihm die Nutzung. Und auch der Crowdfundingdienst Patreon hat ihn Ende 2018 bereits einen Tag nach Start seiner Kampagne verbannt. Man erlaube keine Unterstützung von Hassgruppen, erklärten die Betreiber dazu. Yiannopoulos erwägt mittlerweile, seinen Hut an den Nagel zu hängen. Sein Fall zeigt, dass Plattformen wie Gab nach wie vor kaum Reichweite haben und Sperren durch bekannte Social-Media-Portale sehr wohl deutliche Folgen haben können.

Ins Abseits katapultiert

Mit umstrittenen Aussagen katapultierte Yiannopoulos sich aber auch bei Verbündeten ins Aus. Als er in einem Podcast erklärte, dass er der Meinung sei, dass 13-Jährige emotional reif genug seien, um Sex mit Erwachsenen zuzustimmen, verlor er seinen Posten beim rechtsextremen Medium "Breitbart" und seinen Vertrag für ein neues Buch. In einer Pressekonferenz erklärte er, seine Anmerkungen seien eine Form, mit dem sexuellen Missbrauch umzugehen, der ihm selbst widerfahren sei. Seine Aussagen seien "die übliche Mischung aus britischem Sarkasmus, Provokation und Galgenhumor" gewesen.

Schon vergangenes Jahr machten Yiannopoulos' Geldprobleme die Runde. Als seine damaligen Facebook-Fans seinen luxuriösen Lebensstil kritisierten, beschimpfte er sie als "entitled fucking babies" (sinngemäß: verdammte selbstverliebte Babys). Sein Schuldenstand wurde auf über zwei Millionen Dollar geschätzt. "Die [Fan-]Basis in Amerika ist schwach. Eigentlich verdienen sie es, ihr Land zu verlieren", moniert Yiannopoulos. "Zeit zu handeln war es, als mich Twitter rausgeworfen hat. Niemand hat etwas gemacht." (gpi, 10.9.2019)