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Wenn sich um 19 Uhr Ortszeit am Donnerstag zehn Damen und Herren in der Texas Southern University ihren insgesamt dritten Redewettbewerb um die demokratische Präsidentschaftskandidatur liefern, tun sie das auf historischem Boden. Die Hochschule in Houston ist offiziell eine "Historically Black University", die TV-Debatte gerade dort auszutragen ein Symbol. Soziales, Gerechtigkeit, Inklusion: Diese Themen könnten diesmal im Mittelpunkt stehen, schätzen Experten. Und auch sonst ist das Schlachtfeld mit Bedacht gewählt.

Um 2 Uhr Früh (MESZ) beginnt die Debatte.
ABC News

Von Texas, wo bei der Midterm Election im vergangenen Jahr der linke Demokrat Beto O'Rourke nur knapp dem republikanischen Platzhirschen Ted Cruz unterlegen ist, versprechen sich viele Demokraten bei der Präsidentschaftswahl 2020 einen entscheidenden Impuls, vor allem von dessen wachsender afroamerikanischer Bevölkerung.

Das Teilnehmerfeld, mittlerweile statt 20 wie in den beiden ersten Debatten auf zehn zusammengerückt, erhofft sich ebenfalls viel von der Debatte: Spitzenreiter Joe Biden, unter Barack Obama acht Jahre lang Vize, muss sich immer steifer wehenden Gegenwinds erwehren, die Debatte dürfte ihm eine Möglichkeit bieten, seinen zuletzt durch seinen zweifelhaften Umgang mit Frauen angekratzten Ruf aufzupolieren. Die anderen neun werden an ihrer mehr oder weniger elaborierten Botschaft an eine immer diversere Wählerschaft feilen.

Höhere Hürde

Dass es nur mehr zehn sind, liegt an einem komplizierten Schlüssel, den das Democratic National Committee zur Auswahl erarbeitet hat: Reichte für die ersten beiden TV-Debatten noch ein Prozent Zustimmung, das in mindestens drei Umfragen erzielt werden musste, oder das Vorweisen von mindestens 65.000 Einzelspendern, liegt die Hürde diesmal weit höher. Teilnehmen darf, wer in mindestens vier Umfragen USA-weit auf mehr als zwei Prozent kommt und gleichzeitig mindestens 130.000 Spender gesammelt hat.

Bernie Sanders, Held der US-Linken, versteht sich als demokratischer Sozialist. In den Umfragen reicht dies für Platz zwei.
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Neben Biden sind dies der Altlinke Bernie Sanders, Kopf an Kopf mit ihm die ebenfalls linksliberale Senatorin Elizabeth Warren, Senatorin Kamala Harris aus Kalifornien, der Bürgermeister der Kleinstadt Bend, Pete Buttigieg, New Jerseys Senator Cory Booker, der Unternehmer Andrew Yang, die Senatorin Amy Klobuchar, der Lokalfavorit Beto O'Rourke sowie Julián Castro, Minister unter Obama und ebenfalls Texaner.

Die zweite Debatte brachte heftige Kontroversen mit sich.
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Die ersten beiden Debatten hatten weniger Einfluss auf die Umfragen gehabt, als vorher erwartet worden war. Biden, der an beiden Abenden in Bedrängnis geriet, führt die Liste der Favoriten weiterhin klar an, Sanders und Warren folgen fast ex aequo auf den Plätzen, dahinter Buttigieg, Booker und Yang, für die es langsam, aber sicher Zeit wird, ihr Profil zu schärfen. Es ist das erste Aufeinandertreffen von Biden und Warren, die bisher nicht auf einer Bühne miteinander debattiert haben. Die echte Nagelprobe folgt denn auch schon im Februar bei den Vorwahlen in Iowa, wo bei dem Caucus genannten Urnengang traditionell Karrieren enden – oder aber erst so richtig beginnen. (flon, 12.9.2019)