Auch in Saudi-Arabien blickt man nach dem Drohnenangriff besorgt auf die Entwicklung der Ölpreise.

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Die Preise für Öl sind am Montag in den ersten Handelsminuten um bis zu 20 Prozent gestiegen, bevor sie sich kurz danach wieder etwas beruhigten. Der Preis für ein Barrel wurde auf den höchsten Stand seit sechs Monaten getrieben. Noch am Sonntag hatte US-Präsident Donald Trump nach dem schwerwiegenden Drohnenangriff auf die saudi-arabische Ölproduktion bekanntgegeben, die US-Ölreserven freizugeben, um den Preisanstieg abzufedern.

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Auf Twitter schrieb der US-Präsident, dass er angeordnet habe, Ölmengen "in noch zu bestimmender Menge" freizugeben, um die Märkte versorgt zu halten. Kurz danach schrieb er "reichlich Öl!". Bisher wurden die US-Ölreserven von hunderten Millionen Barrel Rohöl nur dreimal angezapft, zuletzt im Jahr 2011 inmitten der Unruhen in Libyen.

Die Drohnenangriffe auf die größte Ölraffinerie in Saudi-Arabien haben nach offiziellen Angaben aus Riad zu einem drastischen Einbruch der nationalen Produktionsmenge geführt. Die Ölproduktion sei um 5,7 Millionen Barrel auf etwa die Hälfte des üblichen Volumens zurückgegangen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur SPA in der Nacht auf Sonntag unter Berufung auf Energieminister Prinz Abdulaziz bin Salman bin Abdulaziz.

Preisanstieg erwartet

Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent verteuerte sich am Montag um zehn Prozent auf 66,51 Dollar, ein Barrel US-Leitöl um neun Prozent auf 59,96 Dollar. Der Ausfall betrifft rund fünf Prozent des weltweiten Ölangebots. Die steigenden Ölpreise hoben die Aktien asiatischer Energiekonzerne wie Petro China und China Petroleum um bis zu vier Prozent ins Plus.

Russland gab am Montag bekannt, dass es keinen Öl-Engpass befürchten würde. Es gebe weltweit genug Öl in Lagerbeständen, um Lieferausfälle aus Saudi-Arabien auszugleichen, sagte der russische Energieminister Alexander Nowak. Was steigende Ölpreise für Weltwirtschaft und Konsumenten bedeuten, lesen sie hier.

Dieses Bild zeigt Teile der Schäden am saudi-arabischen Ölfeld in Buqyaq.
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USA verdächtigen Iran

Trump drohte den Urhebern des Drohnenangriffs mit einem Vergeltungsschlag. Die USA stünden "Gewehr bei Fuß", warteten aber auf eine Bestätigung und auf Angaben der saudischen Führung, wen sie für den Angriff verantwortlich mache und unter welchen Bedingungen vorgegangen werden solle.

Der US-Energieminister Rick Perry hat sein Urteil schon gefällt und macht den Iran für den Drohnenangriff auf Ölanlagen in Saudi-Arabien verantwortlich. "Das war ein vorsätzlicher Angriff auf die Weltwirtschaft und den globalen Energiemarkt", sagte Perry bei einem Treffen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) in Wien.

Die USA veröffentlichten indes Satellitenaufnahmen, die untermauern sollen, dass zumindest Teile der Angriffe aus dem Irak oder dem Iran stammen. Außerdem sei die Kombination aus Anzahl und Art der Raketen und Drohnen, die bei dem Angriff eingesetzt wurden, den Huthi-Rebellen nicht zuzutrauen. Die Rebellen aus dem Jemen hatten sich direkt nach der Attacke dazu bekannt.

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Ungeachtet dessen kündigten die Huthi-Rebellen weitere Angriffe auf die saudi-arabische Ölindustrie an. Die Anlagen des staatlichen Öl-Konzerns Saudi Aramco seien nach wie vor ein Ziel, erklärte die Miliz am Montag. Sie könnten jederzeit angegriffen werden. Ausländer sollten das Gebiet verlassen.

Zugleich dementierte Trump am Sonntagabend auf Twitter seine eigene Aussage, dass er ohne Vorbedingungen zu einem Treffen mit der iranischen Führung bereit sei. Erst am vergangenen Dienstag hatte auch US-Außenminister Mike Pompeo noch einmal betont, Trump sei zu einem Treffen ohne Vorbedingungen bereit. (APA, reuters, red, 16.9.2019)