Am Ende des Wahlkampfs diskutierten alle über den Gartenzaun von Norbert Hofer. Der wurde erstaunlicherweise auf Kosten der FPÖ errichtet. Damit der Hund nicht ausbüxe, hatte Hofer damals erklärt. Damit der Präsidentschaftskandidat gut geschützt sei, erklärt die FPÖ heute. Und brütet derweil über ganz anderen Spesen: jenen von Heinz-Christian Strache. Details will die FPÖ erst nach der Wahl bekanntgeben. Wie man so hört, sind die blauen Funktionäre nach einer ersten Durchsicht bestürzt. Das werde Konsequenzen haben müssen, ernste.

Sebastian Kurz kann das nur recht sein. Da könnten noch ein paar frustrierte FPÖ-Anhänger im letzten Augenblick zur ÖVP wandern und deren Wahlsieg ausschmücken. Außerdem gingen die für die ÖVP unangenehmen Themen im Spesenskandal verloren: Es wurde nicht mehr über die gestückelten Großspenden und die kreative Buchhaltung geredet. Die Frage, ob in der ÖVP ein Maulwurf sitzt oder die Partei Opfer eines Hackerangriffs wurde, ließ sich nicht mehr klären. Möglich ist ja, dass beides der Fall ist.

Der Gartenzaun von FPÖ-Chef Norbert Hofer wurde auf Kosten der FPÖ errichtet.
Foto: REUTERS/Leonhard Foeger

Die Aufregung um Hofers Gartenzaun wird dem Wahlkampf aber nicht gerecht. Da wurde auch über Inhalte diskutiert. Nicht nur über Steuerkonzepte, sondern auch über Themen, die näher an den Leuten dran sind. "Leistbares" Wohnen etwa – auch wenn die Neos darüber spotten – interessiert die Leute. Über Pensionen wurde viel geredet und einiges sogar gemacht. Die Pflege ist ein Riesenthema, das immerhin gestreift wurde. Aber Wahlkampf ist nicht der Ort für Lösungen, sondern für Versprechungen.

Großes Thema war der Klimaschutz, und das ist das Positivste, was man über den Wahlkampf sagen kann. Die Parteien haben ihre Positionen dargelegt und dargestellt, welche Priorität sie dem Thema einräumen. Auch daran kann man sich orientieren. Auffallend ist, dass die Bildung, die bis vor kurzem noch als das wichtigste Thema überhaupt gegolten hat, im Wahlkampf kaum Platz fand. Die ÖVP – als einzige Partei sicher in der Regierung – hat mit ihren 100 Ideen ein Manifest der Biederkeit abgeliefert. Schule wird darin vorwiegend über Gebote, Pflichten und Verbote abgehandelt. Da vergeht einem jede Lust auf Bildung.

Die Jugend gestaltet sich die Bildung aber ohnedies selber. Die "Zöpferl-Diktatur" führte am Freitag hunderttausend Schüler in Österreich auf die Straße: Sie demonstrierten für ihre Zukunft. Sie haben sich schlaugemacht. Auch das ist Bildung. Keine Diktatur. Eher das Gegenteil davon. (Michael Völker, 27.9.2019)