Also, angenommen einmal, du bist der Präsident eines kleineren, aber strategisch nicht unwichtigen europäischen Landes. Sagen wir, Finnland. Und du bist auf Staatsbesuch in den USA, und jetzt sitzt du da im Oval Office neben diesem Koloss mit orangem Gesicht und orangem Haar, und der rastet gerade aus.

US-Präsident Donald Trump
Foto: AP Photo/Pablo Martinez Monsivais

Der Kerl da neben dir lässt vor den Reportern eine Tirade gegen den Abgeordneten Adam Schiff (Demokrat) los: "Er sollte in Schande zurücktreten, und man sollte ihn wegen Verrats vor Gericht stellen!", sagt der Präsident der Vereinigten Staaten. Denn der Abgeordnete Schiff führt die Voruntersuchung wegen eines möglichen Impeachments gegen Donald Trump. Weil der die Ukrainer erpressen wollte, damit sie Material gegen seinen möglichen Gegenkandidaten Joe Biden ausgraben.

Du denkst daran, was du über den Mann neben dir schon gelesen hast: dass er eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hat, dass er ununterbrochen lügt und dass er laufend sein Amt missbraucht. Gerade erst hat er die Chinesen (die Chinesen!) aufgefordert, etwas gegen Joe Biden zu unternehmen.

Es fällt dir schon ein wenig schwer, eine beherrschte Miene zu zeigen. Du fragst dich, ob es anderen ausländischen Besuchern mit diesem Mann auch so geht (die Antwort ist Ja).

Was sagst du dann? "Mr. President, Sie haben eine große Demokratie hier. Halten Sie sie weiter aufrecht." Aber du weißt, dass er dich nicht gehört hat. (Hans Rauscher, 4.10.2019)