So sollen die Züge 2022 aussehn.

Visualisierung: HO

Dass gegen den täglichen Stau im Zillertal während der Sommer- und Wintermonate doch ein Kraut gewachsen ist, wollen die Verkehrsverantwortlichen im tourismusintensivsten Tal Tirols ab 2023 unter Beweis stellen. Dann sollen die weltweit ersten mit Wasserstoff betriebenen Schmalspurzüge durch das Tal rollen, in verdichtetem Takt, kürzerer Fahrzeit und gratis für alle Gäste im Tal. Um den erwarteten Andrang zu meistern, werden die neuen Züge mehr, nämlich bis zu 450 Fahrgäste fassen.

"Am Ende war es eine wirtschaftliche Entscheidung, die für Wasserstoff gesprochen hat", sagte der Technikvorstand der Zillertaler Verkehrsbetriebe AG, Helmut Schreiner, dem STANDARD. In einer Vergleichsrechnung habe die Wasserstoffvariante um sechs Prozent günstiger abgeschnitten als jene mit Strom-Oberleitung. Dass auf die alten, von Jenbacher und der Wiener Firma Knotz gebauten Dieseltriebwagen keine neuen Diesel folgen würden, sei allen schnell klar gewesen.

Viel Wasserkraft

Für Wasserstoff habe auch gesprochen, dass es im Zillertal viele Wasserkraftwerke gibt und grüner, mit erneuerbarer Energie erzeugter Wasserstoff somit lokal produziert werden kann. Als Partner wurde der Verbund gewonnen, er ist für die Errichtung einer Elektrolyse im Bahnhofsbereich des Zillertaler Hauptorts und Endpunkts der Zillertalbahn, Mayrhofen, verantwortlich. Dort wird künftig Wasser (H2O) in Wasserstoff (H2 ) und Sauerstoff (O) aufgespalten.

Auch bei Autos wird Wasserstoff als Energieträger forciert.
Foto: Dpa/Ole Spata

Die Gesamtkosten für das neue Mobilitätskonzept belaufen sich auf 156 Millionen Euro. Die fünf Triebwägen, die Stadler Rail in Bussnang im Schweizer Kanton Thurgau bauen wird, schlagen mit 68 Millionen Euro zu Buche, für Infrastrukturmaßnahmen sind 88 Millionen Euro kalkuliert.

Betrieb ab 2022

Die Bestellung werde im ersten Quartal 2020 hinausgehen, sagte Schreiner. Im dritten Quartal 2022 soll nach 24 bis 30 Monaten Bauzeit der erste Zug für den Probebetrieb ausgeliefert werden, bis zum Sommer 2023 sukzessive die restlichen vier. Mit dem Winterfahrplan, der traditionell am zweiten Sonntag im Dezember in Kraft tritt, soll Ende 2023 dann endgültig Schluss sein mit den Dieselzügen, diese will man verkaufen.

Der erste Zug auf der knapp 32 Kilometer langen Strecke zwischen Jenbach und Mayrhofen war im fernen Jahr 1902 unterwegs, gezogen von einer Dampflok. Seit 1922 verkehren Dieselloks im Zillertal- wie auf knapp 2000 weiteren Kilometern anderswo in Österreich auch noch.

Weniger Stau

Der Bevölkerung im Zillertal will man den Umstieg vom Auto auf die Bahn nicht nur durch die Aussicht auf null Stau schmackhaft machen, sondern auch durch eine von 55 auf 45 Minuten verkürzte Fahrzeit, halbstündige Intervalle und nicht zuletzt modernstes rollendes Material. Touristen, die in einem Hotel oder einer Pension im Tal absteigen und Ortstaxe zahlen, sollen ab Herbst 2023 sowohl den Zug als auch die Busse der Verkehrsbetriebe gratis nutzen können. Und: "Wir werden die Bahnstrecke nah an die Zillertal-Arena heranführen, damit Skifahrer direkt vom Zug über ein Rollband zur Aufstiegsanlage kommen. Gespräche mit Grundeigentümern sind im Gang", sagte Schreiner.

So sehen die mit Wasserstoff angetriebenen Zuggarnituren aus, die ab 2023 die alten Dieseltriebwagen im Zillertal ablösen sollen. (Günther Strobl, 13.10.2019)