Wenn von großen Einwanderungsländern die Rede ist, denken die meisten Menschen wahrscheinlich an die USA, vielleicht an Kanada. Doch inzwischen erscheinen fast wöchentlich neue Studien und Analysen darüber, dass es Österreich ist, das im internationalen Vergleich in allen Migrationsrankings weit vorn liegt.

Das hat wenig mit Flüchtlingen und viel mit Zuwanderern aus anderen EU-Ländern zu tun, allen voran aus Rumänien, Bulgarien, Ungarn, aber auch Deutschland.

Eine von der Wiener GmbH Synthesis-Forschung für das Arbeitsmarktservice (AMS) erstellte Simulation der künftigen Entwicklungen am heimischen Jobmarkt wirf noch einmal ein interessantes Licht auf dieses Phänomen. Synthesis hat sich für das AMS angesehen, wie sich die Arbeitslosigkeit und die Beschäftigung in den Jahren 2019 und 2020 verändern werden.

Die Punkte sind im Wesentlichen bekannt: Weil die Konjunktur abkühlt, ist es mit dem jahrelangen Rückgang der Arbeitslosigkeit in Österreich vorbei. Die Unternehmen werden heuer etwa 60.000 neue Jobs schaffen, im kommenden Jahr sollen es nur noch 37.400 sein.

Neun von zehn zusätzlichen Jobs gehen an Migranten

Was wächst, ist fast nur die Beschäftigung bei ausländischen Staatsbürgern. Dieser Trend dürfte sich verstärken. "2019 werden rund drei von vier zusätzlichen Beschäftigungsverhältnissen mit Personen besetzt sein, die eine andere als die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen. Im Jahr 2020 trifft dies auf neun von zehn zusätzlichen Arbeitsplätzen zu", heißt es in der Synthesis-Analyse.

Wobei das nicht heißt, dass neun von zehn Jobs, die in Österreich geschaffen werden, an Migranten gehen – die Betrachtung hier berücksichtigt nur die Veränderung unter netto neu geschaffenen Stellen. Laut Helmut Mahringer vom Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) setzt sich damit ein Trend fort: Im Jahr 2015 lagt der Anteil ausländischer Beschäftigten in Österreich bei 17,9 Prozent. Laut Wifo werden es im kommenden Jahr schon 22 Prozent sein.

Vor allem am Bau arbeiten viele ausländische Beschäftigte.
Foto: Reuters

Woher rührt der Anstieg? Die österreichische Bevölkerung altert zunehmend. Dass die Zahl der beschäftigten Österreicher nicht schrumpft, sondern weiter leicht steigt, liegt nur daran, dass die Menschen etwas länger arbeiten. Hinzu kommt, dass infolge des starken Wirtschaftswachstums mehr Frauen auf den Jobmarkt geströmt sind. Laut AMS-Chef Johannes Kopf schwächen sich diese Trends 2020 aufgrund der konjunkturellen Abkühlung jedoch ab.

Die Frauenbeschäftigung wird daher weniger stark steigen, und auch der Trend zum Weiterarbeiten unter Älteren dürfte etwas nachlassen. Die Folge ist eben, dass nicht wie 2019 nur drei von vier, sondern neun von zehn Jobs im kommenden Jahr an ausländische Staatsbürger gehen.

Arbeitslosigkeit steigt

Synthesis rechnet ab Ende 2019 wieder mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit. Betroffen sind vor allem ausländische Staatsbürger: Der Anstieg der Arbeitslosigkeit soll "ausschließlich" in dieser Gruppe stattfinden. Die Rede ist von einem "Substitutionsprozess" zwischen gut ausgebildeten jüngeren Migranten aus anderen EU-Ländern und älteren, geringer qualifizierten Migranten aus Ex-Jugoslawien und der Türkei.

Als Folge der Entwicklung plädiert der Wifo-Ökonom Mahringer dafür, mehr Geld darauf zu verwenden, bereits arbeitslos Gemeldete in Jobs zu bringen – etwa über Wiedereingliederungsbeihilfen. (András Szigetvari, 12.10.2019)