Es war kein guter Abend für den europäischen Fußball. Während in Sofia bulgarische Fans ihren Arm zum Hitlergruß erhoben, salutierten Teile der türkischen Nationalmannschaft in Paris. Da wie dort sind Wiederholungstäter am Werk. Unbelehrbare, die sich von etwaigen Sanktionen durch die Union Europäischer Fußballverbände (Uefa) nicht abschrecken lassen. Kein Wunder, es gibt erfahrungsgemäß nicht viel zu befürchten.

Türkische Fußballfans bei der EM 2020 Qualifikation in Paris.
Foto: REUTERS/Benoit Tessier

Wenn im Stadion ein prokurdisches Banner aufgehängt wird, eilen wie am Montag sofort Ordner herbei. Wenn das türkische Team anlässlich einer Militäroffensive strammsteht, wartet die Uefa den Spielbericht ab. Das Regelwerk verbietet politische Äußerungen, viel mehr als Geldstrafen oder ein Match vor leeren Rängen hat der Verband aber nicht im Talon. Ein Ausschluss der Türkei, wie er nun von vielen gefordert wird, ist undenkbar. Jugoslawien durfte 1992 nicht zur Europameisterschaft, damals folgte die Uefa aber lediglich einer Resolution der Vereinten Nationen. Der Sport hört auf die Politik, nicht umgekehrt.

Bis die internationale Gemeinschaft auf die Offensive türkischer Streitkräfte reagiert, muss die Mikroebene herhalten. Der deutsche Bundesligist Fortuna Düsseldorf wirkte auf zwei seiner Profis ein, den militanten Jubel zu unterlassen. St. Pauli setzte einen Spieler vor die Tür. Zu viel des Guten? Vielleicht. Aber die Botschaft ist klar: Euer Verhalten ist mit unseren Werten nicht zu vereinen. (Philip Bauer, 15.10.2019)