Symbol-Porsche.
Foto: AP/Manuel Hollenbach

PRO: Ein Porsche, na und?!

von Lisa Nimmervoll

Das ist doch mal eine inhaltssatte "politische" Debatte: Dürfen sozialdemokratische Politiker einen Porsche fahren? In den digitalen Filterblasen auf Twitter, Facebook und in Internetforen, wo Empörung, Wut und Neid hochtourig laufen, ist die Antwort wenig überraschend: Nein, geht gar nicht! Mit maliziöser Lust wird die rote Selbstfindungsphase von außen bereichert durch Vorschriften der selbsternannten Stilpolizei für ein politisch korrektes Leben in Rot.

Diese Nebenschauplatzdebatte ist Ausdruck einer Depolitisierung. Sie stilisiert Fragen der persönlichen Lebensführung zu politischen Grundsatzfragen. Glaubt irgendwer, dass der Oldtimer-Porsche von Ex-Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda oder der gebraucht-geleaste Porsche des Tiroler SP-Chefs Georg Dornauer das eigentliche Problem der SPÖ sind? Mitnichten. Sie sind auch kein bedeutungsvolles Symbol für irgendwas. Sie sind privat.

Im Übrigen: Welches Auto "dürfen" denn SPÖ-Politiker fahren? Muss es kleiner sein als das von ÖVPlern? Sind Fahrräder schon grünes Abweichlertum? Dürfen Grüne überhaupt verbrennungsmotorisiert mobil sein? Wer erteilt die Erlaubnis? Niemand, bitte. Es war gute Tradition, auch Politikern eine geschützte Sphäre der Privatheit zuzugestehen. Ob Autos, Uhren, Anzüge, Wohnung: Privatsache. Gute, glaubwürdige, verantwortungsvolle Politik entscheidet sich nicht im richtigen oder falschen Auto. (Lisa Nimmervoll, 15.10.2019)

KONTRA: Genosse statt Genießer

von Fabian Schmid

Die SPÖ will sich also radikal reformieren. Zurück zur Radix, also zur Wurzel und somit zu Victor Adler. Dem war Karl Marx wohl nicht "zu wenig leistungsfreundlich", wie es Parteichefin Pamela Rendi-Wagner vor einem Jahr formuliert hatte. Vielmehr wachte Adler am Totenbett von Friedrich Engels und musste sein Haus an Sigmund Freud verkaufen, weil er seine Patienten oft ohne Honorar behandelte.

Dorthin zurück ist es im Fall der österreichischen Sozialdemokratie ein langer Weg. Seit Jahrzehnten steht die SPÖ nämlich auch für guten und ebenso kostspieligen Rotwein, für teure Uhren und jetzt auch für Porsche-Fahren. Das ist eine Entfremdung von der Arbeiterinnenschaft: Man ist nicht mehr die Partei derer, die aufsteigen und andere mitnehmen wollen – sondern die der bereits Aufgestiegenen.

Kein wahrhaftiger Sozialdemokrat sollte "Spaß" daran haben können, Unsummen für Luxus auszugeben, solange Kinderarmut grassiert und Pensionisten nicht genug Geld zum Leben haben. Das heißt nicht, dass Sozialdemokraten nur Brot und Wasser essen und zum Urlaub höchstens auf die Donauinsel fahren dürfen. Es sollen ja nicht alle arm sein, sondern alle ein gutes Leben führen können.

Aber wenn man danach strebt, sich mit Statussymbolen als großen Gewinner des Kapitalismus zu inszenieren, dann ist man vielleicht in der falschen Partei. Denn dann denken "die Menschen da draußen" vielleicht, man ist vor allem Politiker, um sich den Porsche leisten zu können. (Fabian Schmid, 15.10.2019)