Bewaffnete Mitglieder des Drogenkartells neben einem brennenden Lkw während des Schusswechsels in der Stadt Culiacán.

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Rauchwolken über Culiacán.

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Bewaffnete in Culiacan.

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Culiacán – Der Versuch der mexikanischen Nationalgarde, den Sohn des in den USA inhaftierten Drogenbosses Joaquín "El Chapo" Guzmán zu verhaften, hat in der Nacht auf Freitag gewaltsame Auseinandersetzungen in der Stadt Culiacán (Bundesstaat Sinaloa) ausgelöst. Eine 30-köpfige Patrouille war aus einem Wohnhaus beschossen worden. Als sich die Soldaten Zugang zu dem Gebäude verschafften, trafen sie dort den mutmaßlichen Kokaindealer Ovidio Guzmán López alias "El Ratón" (Die Maus) an.

Ovidio Guzmán wurde festgenommen, später aber wieder freigelassen.

In sozialen Medien veröffentlichte Bilder zeigen, wie dutzende Autos und Kleinlastwagen zu dem Haus fahren, Maskierte eröffnen aus großkalibrigen Maschinengewehren das Feuer auf die Sicherheitskräfte. Auch in anderen Stadtteilen wurden brennende Barrikaden errichtet und Sicherheitskräfte angegriffen.

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Offenbar haben die Drogenbanden Zugang zum Polizeifunk. Ein Video zeigt, wie Sicherheitsbeamte über das behördeninterne Funknetz beschimpft und bedroht werden. "Lasst ihn frei und zieht ab, dann passiert euch nichts", ist auf der Aufnahme zu hören. Eine Tankstelle wurde angezündet, schwarze Rauchwolken waren über weiten Teilen der Stadt zu sehen. Auf Anordnung der örtlichen Behörden sollten Schulen und Universitäten am Freitag geschlossen bleiben.

Sicherheitsminister verteidigt Rückzug

Die Soldaten, die Ovidio Guzmán festgenommen hatten, entschlossen sich schließlich angesichts der Übermacht, den Rückzug anzutreten, ohne ihren Gefangenen mitzunehmen. Sicherheitsminister Alfonso Durazo verteidigte die Entscheidung seiner Truppe: Nur so sei es möglich gewesen, die Ruhe in der Stadt wiederherzustellen.

Gleichzeitig gelang dutzenden Gefangenen der Ausbruch aus der nahe gelegenen Haftanstalt Aguaruto. Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador berief sein Sicherheitskabinett ein. Laut Angaben ARmeechef Crescencio Sandovals gab es acht Todesopfer, 21 Menschen wurden bei den Gefechten verletzt, darunter vier Soldaten und zwei Polizisten.

Keine Flüge ab Culiacán.

Söhne vertreten inhaftierten Vater

Ovidio und sein Bruder Alfredo Guzman sollen die Führung über einen Teil des jahrelang von "El Chapo" geführten Sinaloa-Kartells übernommen haben, nachdem ihr Vater 2017 an die USA ausgeliefert worden war. "El Chapo" wurde im Juli in New York zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Der langjährige Anführer des berüchtigten Sinaloa-Kartells galt einst als der mächtigste Drogenbaron der Welt. Trotz seiner Inhaftierung schmuggelt sein Kartell weiterhin die meisten Drogen in die USA.

Mexikos linksgerichteter Staatschef Lopez Obrador hat seit seinem Amtsantritt Ende vergangenen Jahres immer wieder zugesagt, die Kriminalität im Land wirksam zu bekämpfen. Bisher kann er aber keine großen Erfolge vorweisen. Seit dem Beginn des Armeeeinsatzes gegen die Drogenbanden 2006 starben bereits mehr als 250.000 Menschen im mexikanischen Drogenkrieg.

Am Montag kamen 14 Polizisten ums Leben, als sie im Bundesstaats Michoacán in einen Hinterhalt gerieten. (red, APA, 18.10.2019)