Das Pixel 4 XL: Die wichtigsten Eckpunkte des Tests im Video.
DER STANDARD

Zum Start von Android war die Aufgabenverteilung noch klar definiert: Google entwickelt die Software, andere Firmen sind für die Hardware zuständig. Zwar gab es immer wieder eigene Smartphones von Google, diese waren aber eine Art Nebenprodukt der Android-Entwicklung. Die Geräte der Nexus-Reihe wurden genutzt, um neue Softwaregenerationen auszuprobieren, der öffentliche Verkauf war nur ein Nebenprodukt. Dies hat sich mittlerweile grundlegend gewandelt: Mit den Pixel-Smartphones will das Unternehmen ein neues Standbein für sein Geschäft aufbauen. Anstrengungen, die langsam Früchte tragen – zumindest in den USA. Dort hat es Google mittlerweile in die Liste der meistverkauften Hersteller geschafft – auch wenn man von Samsung und Apple noch ein ganzes Stück entfernt ist. Mit einer neuen Hardwaregeneration will Google dies nun ändern.

Pixel 4 und Pixel 4 XL heißen die zwei Neulinge in Googles Smartphone-Palette. DER STANDARD hat das größere der beiden Modelle unter die Lupe genommen. Prinzipiell gelten aber fast alle Angaben auch für die kleinere Ausführung, da die Hardwareausstattung bis auf die Abmessungen und einige wenige – direkt daraus resultierende – Unterschiede praktisch deckungsgleich ist. Und wenn nicht, dann wird es im Artikel extra vermerkt.

Ersteindruck

Im Vergleich zur Vorgängergeneration fällt sofort eine Änderung auf: Den vielkritisierten, sehr hohen Bildschirmausschnitt an der Oberseite – auch Notch genannt – hat Google wieder gestrichen. Der Ersatz wird aber zweifellos erst recht wieder neue Kritiker auf den Plan rufen, gibt es doch stattdessen nun einen deutlich größeren Rand oberhalb des Displays, als man es von anderen aktuellen Smartphones gewohnt ist. Dies aber zumindest aus gutem Grund: Google hat hier hier viel Technik verbaut, die das Pixel 4 erst zu dem macht, was es ist. So sind an dieser Stelle gleich mehrere neue Sensoren platziert, die gemeinsam praktisch die gesamte Breite des Geräts einnehmen, insofern wäre ein Notch keine taugliche Option gewesen.

Das Pixel 4 XL ist das größere der beiden neuen Smartphones von Google.
Foto: Proschofsky / STANDARD

Das neue Design mag nicht allen gefallen, aus einer funktionellen Perspektive ist dieser Wandel aber durchaus zu begrüßen. Immerhin beschränkt ein Display-Ausschnitt die Nützlichkeit des unter Android sehr wichtigen Benachrichtigungsbereichs. Anders sieht es übrigens am unteren Rand des Geräts aus, wo der Rahmen im Vergleich zum Pixel 3 deutlich geschrumpft ist. Dem ist allerdings einer der beiden Frontlautsprecher zum Opfer gefallen. Es gibt zwar weiterhin Stereosound, der zweite Speaker befindet sich nun aber eben neben dem USB-C-Anschluss.

Look

Wurde das Aussehen der Pixel-Smartphones in den ersten drei Hardwaregenerationen immer nur leicht angepasst, präsentiert sich das Pixel 4 nun in einem neuen Look. Vorbei sind die Zeiten der zweistufigen Rückplatte, jetzt ist diese durchgängig. Durchbrochen wird sie lediglich von dem auffälligen Kameramodul, das in seiner Form an das Design des Mate 20 Pro von Huawei erinnert – oder wie eingeschworene Apple-Fans sagen: das des iPhone 11.

Das Kameramodul ist übrigens bei sämtlichen Ausführungen in Schwarz gehalten, dasselbe gilt für den Rahmen des Geräts. Dies ergibt vor allem bei den Varianten "Clearly White" und "Oh So Orange" einen Look mit hohem Wiedererkennungswert. Die schwarze Ausgabe schaut hingegen relativ unspektakulär aus, vielleicht ist das auch der Grund dafür, warum sich diese Variante noch durch einen anderen Umstand abhebt: Während die Rückseite der orangen und weißen Ausführungen matt ist, probiert es Google bei "Just Black" mit dem glänzenden Klavierlack-Style. Damit ist das Gerät aber natürlich auch ein echter Fingerabdruckmagnet. Einen Kritikpunkt hat man hingegen ausgeräumt: Die matten Oberflächen des Pixel 4 lassen sich nicht mehr so leicht zerkratzen, wie es noch beim Vorjahresmodell der Fall war.

Das Pixel 4 gibt es in drei Farben, darunter auch das abgebildete "Oh so Orange". Dabei handelt sich aber um eine limitierte Ausgabe, die im deutschsprachigen Raum auch nur für das kleinere Modell erhältlich ist.
Foto: Proschofsky / STANDARD

Haptik

Das für die Rückseite verwendete Material – Glas – ist dabei übrigens gleich geblieben, es besteht also wie bei so vielen aktuellen Smartphones hohe Bruchgefahr, wenn das Gerät einmal aus der Hand rutscht. Positiv fällt dafür auf, dass der seitliche Rahmen des Geräts mit einer matten Hybridbeschichtung überzogen wurde, wodurch sich ein deutlich besserer Griff als bei vielen anderen aktuellen Smartphones ergibt. Ganz generell gibt es an der Verarbeitung wenig auszusetzen, auch die Knöpfe bieten einen guten Druckpunkt. Google lernt hier von Jahr zu Jahr immer weiter dazu, auch wenn Samsung- und Apple-Geräte noch etwas mehr wie aus einem Guss wirken.

Die Vorderseite ist flach gehalten, auf seitliche Abrundungen, wie sie derzeit so viele andere Hersteller favorisieren, verzichtet Google also. Sehr prononciert ist die Abrundung der Display-Ecken ausgefallen. Das hat Vor- und Nachteile. Einerseits stimmt der Radius so mit jenem des Gehäuses überein, gleichzeitig ist die Biegung aber so stark, dass die Statuszeile etwas nach innen verschoben wird – und somit Platz verloren geht. Insofern ist es eher zweifelhaft, ob das eine gute Design-Entscheidung war. Amüsanterweise verstärkt sich dieser Effekt ausgerechnet dadurch, dass die Statuszeile des Pixel 4 wieder die "richtige" Höhe aufweist. Für das Pixel 3 XL und seinen großen Notch hatte man sie ja etwas gedehnt.

Eckdaten

Kommen wir zu den zentralen Eckdaten: Das Pixel 4 ist 68,8 mm x 147,1 mm x 8,2 mm groß, beim Pixel 4 XL betragen die betreffenden Werte 75,1 mm x 160,4 mm x 8,2 mm. Von der Größe her sind sie also im Vergleich zu ihren Vorgängern praktisch unverändert, allerdings fallen beide eine Spur dicker aus. Das Gewicht liegt bei 162 beziehungsweise 193 Gramm.

Die Rückseite des schwarze Modells ist glänzend, bei den anderen ist sie matt. Auch gut zu sehen ist die Beschichtung des Rahmens, die den Griff deutlich verbessert.
Foto: Proschofsky / STANDARD

Display

In diesem Gehäuse geht sich beim Pixel 4 dann ein Bildschirm mit 5,7 Zoll Größe aus, das XL-Modell schafft es auf 6,3 Zoll. Die Auflösung beträgt 2.280 x 1.080 Pixel (Full HD+ / 444 PPI) für die kleinere Variante und 3.040 x 1.440 Pixel (QHD+ / 537 PPI) für die größere. Das Seitenverhältnis beträgt 19:9, geschützt ist das Display durch Gorilla Glass 5.

Google betont, dass man heuer besonderen Wert auf die Qualität der Bildschirmdarstellung gelegt hat, und man muss sagen: Das merkt man. Nun mag man von den Bewertungen von Display Mate halten, was man will, aber wie andere aktuelle Smartphone-Bildschirme bei Samsung oder Apple gibt es dort auch für Pixel 4 und Pixel 4 XL Bestnoten. Im direkten Vergleich zeigt sich denn auch noch mal ein deutlicher Qualitätssprung gegenüber dem Pixel 3 XL, das ganze Geschehen wirkt "knackiger" – und zwar ohne die Farben endlos zu übertreiben.

Einen Teil des Unterschieds machen aber auch Softwareverbesserungen aus: Dank "Ambient EQ" passt sich die Farbdarstellung automatisch an das Umgebungslicht an. Wem das bekannt vorkommt, der hat recht: Beim iPhone gibt es ein solches Feature schon länger. Das macht diese Änderung für Pixel-Käufer aber nicht weniger erfreulich. Ebenfalls schon von anderen Herstellern bekannt ist das, was Google "Screen Attention" nennt. Ist dieses Feature aktiviert, bleibt der Bildschirm aktiv, solange man die Augen darauf gerichtet hat – das übliche Display-Timeout wird also ausgesetzt.

In den Display-Einstellungen sind gleich mehrere Punkte hinzugekommen. Allesamt neue Features des Pixel 4: "Ambient EQ", "Smooth Display" und "Screen Attention".
Screenshot: Proschofsky / STANDARD

So gut das alles klingt – ganz ohne Kritik kommt das Pixel 4 nicht durch diese Prüfung. Zwar wurde die maximale Helligkeit des Displays leicht erhöht (um zehn Prozent laut Display Mate), aktuelle Geräte von Samsung liefern hier trotzdem wesentlich bessere Werte – wodurch sie sich im Freien bei starkem Tageslicht besser lesen lassen. Erfreulicher ist, dass der neue Screen stromsparender als jener des Vorgängers ist.

90-Hz-Bildschirm

Ein erstes echtes Highlight gibt es dann mit dem "Smooth Display": Wie bei aktuellen Smartphones von Oneplus gibt es auch beim Pixel 4 einen 90-Hz-Modus. Die Bildwiederholrate ist also um 50 Prozent höher, als es sonst der Fall ist. Und das macht sich in mehrerlei Hinsicht positiv bemerkbar. Einerseits wirken Scroll-Vorgänge dadurch weicher, andererseits ist die Touch-Interaktion "direkter". Das heißt, dass die Verzögerung zwischen Fingerbewegung und der Reaktion des User Interfaces reduziert wird. Wie stark man all das wahrnimmt, ist nicht zuletzt subjektiv. Hat man sich aber einmal daran gewöhnt, ist es relativ schwierig, sich wieder an langsamere Displays zu gewöhnen.

Das Ganze hat allerdings auch eine Kehrseite: 90 statt 60 Bilder pro Sekunden zu zeichnen braucht logischerweise auch mehr Rechenkraft. Es steigt dadurch also der Akkuverbrauch. Das weiß natürlich auch Google – und hat gezielte Optimierungen an Android vorgenommen, um diesen Effekt zu minimieren. So wird der 90-Hz-Modus nur dort genutzt, wo er wirklich Sinn ergibt. Ein Beispiel hierfür sind die erwähnten Scrollvorgänge. Bei einem Video, das ohnehin weniger Bilder pro Sekunde liefert, wird das "Smooth Display" hingegen deaktiviert.

Wie stark sich all das auf die Akkuleistung auswirkt, lässt sich insofern auch nicht generell sagen, weil es eben stark vom eigenen Nutzungsverhalten abhängt. Wer den Unterschied ohnehin nicht bemerkt, der kann das "Smooth Display" in den Einstellungen auch generell deaktivieren und so etwas zusätzliche Akkulaufzeit gewinnen. Umgekehrt ist es über die Entwicklereinstellungen auch möglich, den 90-Hz-Modus durchgängig zu erzwingen.

Der erste Radar in einem Smartphone

Während all das bisher Genannte durchaus sinnvolle Verbesserungen für die Pixel-Reihe darstellt, erfunden hat sie Google natürlich nicht. Das ist beim Folgenden anders: Das Pixel 4 ist das erste Smartphone, das mit einem Radar ausgestattet ist. Unter dem Namen "Project Soli" hatte Google diese Entwicklung schon vor einigen Jahren vorgezeigt – und damals für einiges Aufsehen gesorgt. Nun konnte man das Ganze so weit schrumpfen, dass der betreffende Chip problemlos in einem Smartphone untergebracht werden kann. Soli ist eine jener neuen Komponenten, die – wie erwähnt – im Rahmen oberhalb des Displays Unterschlupf gefunden haben.

Mit seitlichen Wischbewegungen kann von einem Lied zum nächsten gewechselt werden – und zurück. Der weiße Lichtbalken oben symbolisiert, dass Soli gerade aktiv ist, und folgt auch der Handbewegung, er soll also Feedback liefern.
Foto: Proschofsky / STANDARD

Wer einst die ersten Präsentationen zu Soli gesehen hat, der weiß, dass der Miniradar Bewegungen im Sub-Millimeter-Bereich erfassen kann. Angesichts dessen sind die bisher gebotenen Nutzungsszenarien dieses "Motion Sense" genannten Features reichlich ernüchternd. Über diverse, recht grobe Gesten können einige wenige Smartphone-Aufgaben erledigt werden. So kann etwa mit seitlichen Handbewegungen vor dem Gerät auf das vorherige oder das nächste Lied in einer Playlist gewechselt werden. Der notwendige Software-Support ist mittlerweile in eine Fülle von Musik-Apps eingeflossen – von Googles eigenem Youtube Music bis zu Spotify oder sogar Apple Music. Dabei ist auch nicht notwendig, dass die betreffende App im Vordergrund ist. Läuft die Musikwiedergabe, klappt das ganze auch am Home und Lock Screen oder wenn gerade andere Apps geöffnet sind.

Im Test funktionierte das nicht nur flott, sondern auch sehr zuverlässig. Von früheren Versuchen in diese Richtung wie LGs "Air Motion"-Gesten beim G8 ist das also meilenweit entfernt. Diese waren extrem fehleranfällig, was wohl auch an der verwendeten Technologie lag – LG nutzte einfach die Frontkamera als Sensor. Bei all dem muss allerdings auch angemerkt werden, dass es Tester gibt, die komplett konträre Erfahrungen mit Soli gemacht haben, nämlich dass es bei ihnen kaum klappt. Wie es zu diesem starken Unterschied kommt, ließ sich zunächst nicht klären. Denkbar wären sowohl Hardwareprobleme bei einzelnen Geräten als auch Softwarefehler. Bei unserem Testgerät klappte die Erkennung jedenfalls tadellos, man muss die Handbewegung schon bewusst langsam ausführen, damit sie nicht erkannt wird. Und in solch einem Fall ist dieses Ergebnis durchaus beabsichtigt, um Fehlerkennungen zu vermeiden.

Von links nach rechts: Die Einstellungen zu Motion Sense. Das Pokémon Live Wallpaper freut sich über Zuneigung via Geste und ein erstes Soli-Spiel namens "Headed South".
Screenshot: Proschofsky / STANDARD

Gestendetails

Noch ein paar Details zu diesem Feature: Die Gesten funktionieren selbst dann, wenn die Musik-App gerade nicht im Vordergrund aktiv ist. Allerdings gibt es ein gewisses Timeout, nach dem der Soli-Sensor nicht mehr auf Gesten wartet. Nähert sich die Hand dem Gerät an, wird die Gestenerkennung aber wieder aktiviert. Visualisiert wird der Status über einen hellen Lichtstreifen am oberen Ende des Statusbereichs. Dieser folgt auch den Handbewegungen der Nutzer, um auf diese Weise Feedback zu geben.

Neben der Musiksteuerung kann "Motion Sense" noch zwei weitere Aufgaben übernehmen. Das wären das Stummschalten von Anrufen sowie das Verschieben eines Alarms. Beides klappt mit einer Wischbewegung über dem Bildschirm. Auch das irgendwie "nett", aber auch nicht gerade weltbewegend. Zudem kann das Gerät, wenn es auf dem Tisch liegt, über eine solche Geste kurz aufgeweckt werden, um etwa Benachrichtigungen lesen zu können. Über das derzeit wohl beste Feature von Soli spricht Google hingegen in seinen Präsentationen nicht groß: Das Smartphone merkt über den Miniradar nämlich, wenn sich die Nutzer vom Gerät entfernen. Ist dies der Fall, wird das Always-on-Display deaktiviert, um Strom zu sparen. Eine wirklich smarte und sinnvolle Lösung.

Gimmick oder sinnvolles Feature?

So nett es auch ist, dass das Ganze funktioniert, für die Gesamtbeurteilung ist das aber natürlich nur ein Punkt. Die zweite – wohl noch wichtigere – Frage ist eine ganz andere: nämlich ob das überhaupt Sinn ergibt oder bloß ein weiteres aus der schier endlosen Reihe an Smartphone-Gimmicks ist. Das Urteil fällt hier gemischt aus. Braucht man das wirklich? Nein. Gleichzeitig erweist es sich aber in gewissen Szenarien als durchaus nützlich, etwa beim Autofahren oder auch in der Küche, wenn man schmutzige Hände hat. Und wer das Smartphone mit der drahtlosen Ladestation Pixel Stand benutzt, für den ist das neben dem Arbeiten auch eine durchaus flinke Art, schnell mal ein Lied zu überspringen. Umso unverständlicher ist, dass man nicht auch gleich eine zweite Geste für das Pausieren von Liedern eingeführt hat – die wäre oft nämlich noch sinnvoller.

Eine interne Google-App, die die Sensordaten von Soli auswertet, dabei werden X-, Y-, und Z-Achse sowie ein kombinierter Wert dargestellt.
Foto: Proschofsky / STANDARD

Trotzdem verbleibt nach außen der Eindruck, dass "Motion Sense" derzeit nicht viel mehr als ein Gimmick mit zweifelhaftem Nutzen ist. Das liegt aber schlicht daran, dass Google zum Start bewusst nur sehr einfache Features aktiviert hat, um erste Erfahrungen sammeln zu können. Langfristig soll hier wesentlich mehr möglich sein, versichert man. Und dazu gehört auch, dass Schnittstellen zur Ansteuerung des Miniradars für Drittentwickler freigegeben werden sollen. Dann können diese mit Soli experimentieren, und es wird sich zeigen, wozu die Hardware wirklich in der Lage ist. Derzeit beschränkt sich Google aber noch auf ausgewählte Partnerschaften. So gibt es ein sehr simples Pokémon-Spiel, bei dem mit einzelnen Monstern via Gesten interagiert werden kann. Dieses ist auch als Live-Wallpaper zu haben – aber Achtung: Das frisst angesichts der vielen Animationen aber gehörig Strom. Übrigens reagieren auch die anderen neuen Live Wallpaper des Pixel 4 auf die "Motion Sense"-Gesten, in dem die Elemente leicht bewegt werden. "Monument Valley"-Entwickler Us Two hat zudem mit "Headed South" bereits ein erstes Spiel mit Soli-Steuerung veröffentlicht – aber auch dieses ist sehr simpel gehalten.

Am Rande noch ein nicht ganz unwichtiges Detail: Die Nutzung des Radars unterliegt in vielen Ländern regulatorischen Vorschriften, insofern lässt sich das Ganze derzeit auch noch nicht weltweit nutzen. Die gute Nachricht: Österreich, Deutschland und die Schweiz zählen zu den unterstützten Ländern. In Ländern, wo keine Genehmigung erteilt wurde – etwa in Indien –, wird Soli automatisch deaktiviert.

Kein Fingerabdruck mehr

Wer Fotos des Pixel 4 betrachtet, dem wird schnell auffallen, dass da etwas fehlt: nämlich der gewohnte Fingerabdrucksensor an der Rückseite. Doch während andere Hersteller mittlerweile auf Sensoren im Display umgestiegen sind, entfernt Google diese Komponente komplett und schlägt andere Wege ein – hin zur Gesichtserkennung.

All die neuen Sensoren, die oberhalb des Bildschirms des Pixel 4 untergebracht sind.
Grafik: Google

Auf der technischen Seite erinnert Googles Lösung stark an Apples Face ID, kommen hierfür doch zwei Infrarotkameras zum Einsatz, ein "Dot Projector" projiziert Punkte auf das Gesicht, die dann mittels des "Flood Illuminators" wieder erfasst werden. Die eigentliche Erkennung erfolgt dann mithilfe von Maschinenlernmodellen, die zuvor auf menschliche Gesichter trainiert wurden. All das soll sicherstellen, dass die Erkennung auch dann noch zuverlässig funktioniert, wenn man eine Brille trägt oder Bartwuchs und Frisur sich verändert haben. Auch Hauben oder andere Kopfbedeckungen stellen kein Problem für das Google-System dar. Die Erkennung funktioniert sogar, wenn man in der Früh noch das Gesicht teilweise unter der Decke hat – und zwar auch bei kompletter Dunkelheit, Infrarotkameras sei Dank.

Stärken und Schwächen des Face Unlock

Was die Google-Lösung von jener der Konkurrenz abhebt, ist vor allem die Geschwindigkeit: Der Entsperrvorgang geht so schnell, dass es zunächst fast schon verstörend ist, denn oft bekommt man den Lock Screen gar nicht mehr zu Gesicht. Das Smartphone ist bereits entsperrt, wenn man einmal die Augen auf das Display fokussiert hat. Möglich wird dies durch die Nutzung des Soli-Sensors. Dieser registriert nämlich, wenn die Nutzer das Gerät hochheben wollen, und aktiviert die Gesichtserkennung. So kann diese den Abgleich direkt in der Bewegung durchführen. All das stellt allerdings nur den Optimalfall dar, immer wieder musste im Testverlauf das Gerät dann doch manuell aufgeweckt werden. Nicht dauernd, aber doch oft genug, sodass es negativ auffällt. Nach einem Druck auf den Power-Button wurde dann das Gerät aber sofort entsperrt.

Generelle Probleme damit, dass das Gesicht nicht erkannt wurde, kamen hingegen nur äußerst selten vor, etwa wenn der Winkel zwischen Gesicht und Smartphone zu steil war. Apropos: Wer sich Hoffnungen gemacht hat, dass ein Smartphone, das neben einem auf dem Tisch liegt, durch dieses Feature dauernd entsperrt bleibt, der muss enttäuscht werden. So ein großes Sichtfeld wird von den Kameras nämlich nicht abgedeckt. Zudem ist es fraglich, ob das aus einer Sicherheitsperspektive eine sonderlich schlaue Idee wäre. Das heißt aber natürlich auch, dass man das Pixel 4 kurz zur Authentifizierung hochheben muss, um etwa schnell eine Nachricht zu lesen. Hier hat ein Fingerprint an der Vorderseite des Geräts sicherlich einen Vorteil.

Das Einrichten des Face Unlock ist etwas mühsam.
Foto: Proschofsky / STANDARD

Sicherheitsfragen

Die beste Gesichtserkennung bringt aber natürlich wenig, wenn sie nicht sicher ist. Google ist von der Zuverlässigkeit der eigenen Lösung jedenfalls dermaßen überzeugt, dass sie sogar zur Autorisierung von Einkäufen verwendet werden kann. Trotzdem: Perfekt kann so etwas natürlich nie sein. So verweist auch Google selbst darauf, dass das eigene "Face Unlock" eineiige Zwillinge nicht auseinanderhalten kann – ein bekanntes Defizit solcher Systeme. Aus einer Privatsphärenperspektive ebenfalls wichtig: Die für die Gesichtserkennung erfassten Daten werden ausschließlich lokal am Smartphone abgespeichert – und zwar in einem speziell gesicherten Bereich, auf Googles eigenem Sicherheitschip Titan. Das heißt auch, dass sie nie hochgeladen werden, die Daten bleiben komplett lokal, versichert zumindest Google.

Im Vergleich zu Face ID weist Googles Lösung derzeit aber noch ein unerfreuliches Sicherheitsdefizit auf: Die Gesichtserkennung funktioniert nämlich auch mit geschlossenen Augen. So könnte dann etwa ein neugieriger Mitbewohner das Gerät entsperren, während dessen Besitzer schläft. Zumindest ist Besserung in Sicht: Google hat bereits angekündigt, dass dieses Defizit mit einem Folge-Update bereinigt werden soll. Die Formulierung "in den kommenden Monaten" stimmt allerdings wenig zuversichtlich, dass das bald passieren wird.

Apps machen Probleme

Die Einstellungen zu Face Unlock erlauben etwa, das Überspringen des Lock Screens zu deaktivieren. Eine in Entwicklerversionen noch zu sehende Option, um sicherzustellen, dass die Person die Augen offen hatte, fehlt in der aktuellen Version allerdings noch.
Screenshot: Proschofsky / STANDARD

Leider gibt es mit der Gesichtserkennung derzeit noch ein sehr Android-typisches Problem, nämlich eines mit veralteten Apps. So manche Banking-App oder auch der eine oder andere Passwortmanager verwenden nicht mehr aktuelle biometrische Schnittstellen von Android. Das führt dazu, dass die Gesichtserkennung nicht automatisch unterstützt wird. So stehen dann die Nutzer plötzlich vor der Situation, dass sie für Käufe wieder einen PIN oder ein Passwort eingeben müssen. Das ist nervig, zumindest gibt es aber Grund zur Hoffnung: Ab 1. November verschärft Google nämlich die Regeln für den Play Store. Das heißt, dass dann Updates für bestehende Apps nur mehr hochgeladen werden können, wenn sie mindestens Android 9 als Zielversion definieren. Und hier werden die Entwickler dann zum Umstieg auf die neueren Schnittstellen gedrängt. So hat denn auch etwa Last Pass bereits angekündigt, seine App bald anzupassen. Bei Apps, die nicht mehr gewartet werden, sieht es hingegen schlecht aus.

Einschätzung

Neben der Frage nach der Funktionstüchtigkeit stellen sich hier aber auch Fragen allgemeiner Natur. War es von Google wirklich eine gute Entscheidung, auf Gesichtserkennung zu wechseln – und noch dazu gleich exklusiv? Generell gibt es an der Google-Lösung wenig auszusetzen, sie ist sauber interpretiert und bis auf die erwähnten Schwächen auch sicher. Damit hat sie zum Beispiel schon einen großen Vorteil gegenüber Fingerprintscannern im Display, die meist leicht auszutricksen sind. Und auch sonst hat jede dieser Lösungen spezifische Vor- und Nachteile. So haben Fingerprintscanner oft Probleme mit nassen Händen oder Handschuhen, dafür arbeiten sie sonst zuverlässiger als die Gesichtserkennung, einfach auch weil die Nutzung mit einem fest definierten – und zumindest an der Rückseite ertastbaren – Bereich einfacher perfekt durchzuführen ist. In Summe kann man sich, auch mit dem Blick auf die erwähnten App-Probleme zum Start, nicht des Eindrucks erwehren, dass es besser gewesen wäre, den Wechsel graduell durchzuführen und zumindest für das Pixel 4 beide Technologien parallel anzubieten.

Die Kamera

Es war in den vergangenen Jahren das Kaufargument für die Pixel-Reihe schlechthin: Googles Kamera liefert vor allem dank smarter Algorithmen – Computational Photography nennt sich diese Feld – hervorragende Bilder. Im vergangenen Jahr ist diese Vormacht aber ordentlich unter Beschuss gekommen. Andere Android-Hersteller haben bei der Hardware gehörig aufgerüstet, und Apple hat mit dem iPhone 11 viele der Google-Konzepte kopiert – und einige eigene hinzugefügt. Googles Antwort darauf liegt beim Pixel 4 auch in zusätzlicher Hardware – vor allem aber natürlich wieder bei Softwareverbesserungen.

Das Kameramodul beim Pixel 4 fällt deutlich größer aus.
Foto: Proschofsky / STANDARD

Doch zunächst zu den Eckdaten: Die Hauptkamera hat einen Sensor mit 12,2 Megapixel mit einer Blende von f/1.7 und einer Pixelgröße von 1,4 µm sowie Dual-Pixel-Support. Wer das Pixel 3 kennt, dem wird das bekannt vorkommen, handelt es sich dabei doch tatsächlich um den exakt gleichen Chip. Der einzige wirklich belegbare Unterschied ist die etwas größere Blende, wodurch mehr Licht auf den Sensor kommt. Dazu gibt es beim Pixel 4 jetzt auch noch eine Telefotokamera. Deren Sensor bietet 16 Megapixel sowie eine Blende von f/2.4 bei 1,0 µm Pixelgröße. Und für das Folgende ebenfalls wichtig: Beide Kameras sind mit optischer Bildstabilisierung versehen, die Google wie üblich mit seiner elektronischen Stabilisierung kombiniert.

Kein Weitwinkel

Was hingegen fehlt, ist eine Weitwinkelkamera, wie sie sonst mittlerweile bei praktisch allen High-End-Smartphones – und nicht nur dort – zu finden ist. Bei der Vorstellung des Pixel 4 betonte Google, dass man sich bewusst für eine Telefoto- statt einer Weitwinkelkamera entschieden habe. Die Begründung: Der Blick auf den Profikamerabereich zeige, dass Zoom viel öfter benutzt werde als Weitwinkel. Aber bei aller Liebe für Googles ambitionierte Vergleiche übersieht man dabei zweierlei. Zunächst einmal, dass Smartphone-Kameras anders genutzt werden und insofern Fun-Features wie der Weitwinkel eine andere Relevanz haben – selbst wenn diese Aufnahmen meist von eher bescheidener Bildqualität sind. Vor allem aber ist das keine Entweder-oder-Frage. Google hätte ruhige wie andere Hersteller auch beides integrieren können. Das Fehlen einer Weitwinkelkamera ist jedenfalls gleich zum Anfang ein großer Minuspunkt für das Pixel 4.

Der Zoom des Pixel 4 liefert hervorragende Ergebnisse. Hier aus der gleichen Position fotografiert mit den Faktoren 1, 2, 4 und 8. Hinweis: Bitte Foto anklicken oder noch besser direkt im Google Photos Album betrachten, um die Details besser erkennen zu können.
Foto: Proschofsky / STANDARD

Was man Google allerdings lassen muss, ist, dass sie neue Kamerasensoren nicht einfach irgendwie dazupacken, sondern wirklich gut integrieren. Und das zeigt sich auch hier anhand der Zoom-Funktion. Denn um es gleich vorweg zu verraten, diese liefert wirklich beeindruckende Ergebnisse. Die Hardware selbst ist dabei relativ unaufregend, sie liefert einen zweifachen optischen Zoom, so etwas hat man bei anderen Herstellern schon vor einiger Zeit gesehen. Doch Google kombiniert dies nun mit der nächsten Evolutionsstufe seines "Super Res Zoom". Für alle, die sich nicht mehr erinnern können: Dabei wird das leichte Wackeln der Hand beim Fotografieren genutzt, um zusätzliche Bilddetails zu sammeln. Am Pixel 4 kombiniert jetzt Google beide Kameras mit dieser Technologie. Das Ergebnis: Selbst Bilder mit Achtfachzoom sehen noch immer verblüffend gut aus. Betont sei dabei, dass es in diesem Fall wichtig ist, schon bei der Aufnahme heranzuzoomen, da nur so die zusätzlichen Daten generiert werden, mit einem nachträglichen Zuschnitt eines 1x- oder 2x-Bildes bekommt man nicht annähernd dieselbe Qualität. Explizites Lob gebührt Google übrigens auch dafür, dass die Farbgebung bei sämtlichen Zoomstufen konsistent bleibt. Das ist nämlich bei weitem keine Selbstverständlichkeit, wie zahlreiche andere Hersteller belegen.

Echte Vorschau

Dank Live HDR+ ist die Vorschau im Viewfinder der Kamera des Pixel 4 XL nun wesentlich näher am resultierenden Bild als bei anderen Smartphones (zum Vergleich rechts das Pixel 3)
Foto: Proschofsky / STANDARD

Die nächste große Neuerung nennt sich Live HDR+: Damit stimmt die Vorschau in der Kamera nun auch – weitgehend – mit dem resultierenden Bild überein. Grund für die bisherige Divergenz in diesem Bereich war, dass die Erstellung eines Bildes auf einem modernen Smartphones ziemlich aufwendig ist. Im Viewfinder bekommt man aber quasi nur die Rohinformationen des Sensors. Hier jetzt eine sehr nahe an das Ergebnis herankommende Vorschau zu haben ist insofern ein großer Fortschritt.

Neben neuen Features arbeitet Google auch weiter an der Verbesserung der Kern-Bildqualität. Dazu zählt, dass nun ein KI-basierter Weißabgleich zum Einsatz kommt, der bessere Ergebnisse als der klassische Weißabgleich mittels Sensor liefern soll. Wer ein Pixel 3 nutzt, weiß, dass das auch stimmt: Dort kam der KI-basierte Weißabgleich nämlich bereits bei der "Nachtsicht" zum Einsatz – was dazu führte, dass viele diese auch am Tag einsetzen. Apropos Nachtsicht: Diese ist am Pixel 4 eine Spur schneller, allzu groß ist der Gewinn aber nicht. In Hinblick auf die Qualität gibt es ebenfalls ein dezentes Upgrade, was wohl aus der größeren Blende der Hauptkamera resultiert. Mit dem Huawei P30 Pro und dessen riesigem Sensor kann man bei sehr schwachen Lichtverhältnissen aber nicht mithalten. Dafür ist die Farbgebung der Low-Light-Aufnahmen der Google-Kamera meist besser. Abendaufnahmen mit dem Pixel 4 geraten hingegen einmal mehr durchgängig hervorragend.

Dual Exposure Controls

An sich scheut Google vor Profi-Einstellungen zurück. Beim Pixel 4 macht man nun eine Ausnahme: Es gibt nun nämlich die Möglichkeit, bei Bildern getrennt die generelle Helligkeit sowie die Schatten-Highlights manuell zu regeln "Dual Exposure Controls" nennt Google das. Damit lassen sich interessante Ergebnisse erzielen, etwa wenn man eine Silhouette vor einem hellen Hintergrund erfassen will.

Mit den "Dual Exposure Controls" lässt sich starker Einfluss auf die HDR-Berechnung nehmen – und somit sehr unterschiedliche Ergebnisse bei gleichem Motiv erzielen.
Foto: Proschofsky / STANDARD

Sterne fotografieren

Ein spannender Neuzugang ist der "Astrofotografiemodus", mit dem der Sternenhimmel fotografiert werden kann. Die erzielbaren Ergebnisse sind beeindruckend, setzen aber auch ein Stativ voraus. Immerhin werden dabei bis zu 4:30 Minuten lang mehrere lange belichtete Aufnahmen getätigt, die dann von den Google-Algorithmen zusammengesetzt werden. Im Test waren diese Segmente dann jeweils rund 16 Sekunden lang. Dass man dabei nicht einfach eine einzelne lange Belichtung vornimmt, hat übrigens einen sehr guten Grund. Diese wäre in der Länge schon nicht mehr scharf, da sich die Sterne dafür zu schnell bewegen. Wer sich wundert, wo dieser neue Modus zu finden ist: Er aktiviert sich nur in stabiler Lage bei sehr wenig Licht – und zwar in der "Nachtsicht".

Ein Demofoto von Google zum Astrofotografiemodus. Vernünftig ausprobieren werden konnte er für den Test leider aufgrund der konstanten Wolkendecke und der hohen Lichtverschmutzung in Wien nicht.
Foto: Proschofsky / STANDARD

An dieser Stelle ein kleiner Tipp: Auch wenn er so heißt, ist der Astrofotografiemodus natürlich nicht auf Aufnahmen des Sternenhimmels beschränkt. Wer ein Stativ benutzt kann damit auch andere Szenarien in der Nacht mit sehr langer Belichtung fotografieren und ziemlich verblüffende Ergebnisse erzielen, die weit über die Qualität der normalen "Nachtsicht" hinausgehen.

Besserer Porträtmodus

Deutliche Verbesserungen gab es am Porträtmodus. Er kann nun wesentlich besser mit größeren Objekten umgehen, zudem zeigen sich im Test erheblich weniger Fehler bei der Tiefeneinschätzung. Auch die Randbereiche rund um Haare und Fell werden nun besser abgehandelt, wobei das natürlich immer ein Bereich sein wird, wo es mit solchen Lösungen Probleme geben wird. Möglich wird dies, da Google beide Kameras zum Sammeln von Tiefeninformationen verwendet – und zwar zusätzlich zu den Informationen des Dual-Pixel-Sensors.

Einer Überarbeitung wurde zudem die Kamera-App unterzogen, die ihr durchaus gutgetan hat, sie präsentiert sich schlanker und übersichtlicher. Neu ist dabei die Möglichkeit, aktuelle Aufnahmen direkt aus der Kameraansicht heraus mit sozialen Medien oder auch Messengern zu teilen. Zudem wird beim Langdruck auf den Auslöser jetzt ein kleines Video aufgenommen. Die Auflösung ist mit 1.024 x 768 Pixel aber eher bescheiden. Gedacht ist das Ganze insofern wohl für schnelle Clips für Social Media. Was man hingegen weiter vergeblich sucht, ist ein Makro-Modus, um näher an Objekte herangehen zu können. Dieser würde der Pixel-Kamera sehr gut tun.

Der Porträtmodus funktioniert beim Pixel 4 deutlich besser als beim Vorgänger.
Foto: Proschofsky / STANDARD

Videos

Geradezu schmerzhaft ist die chronische Vernachlässigung der Videofähigkeiten. Im Vergleich zum Pixel 3 hat sich hier nichts wirklich Relevantes getan – wenn man einmal von der besseren Tonqualität absieht. Und das ist eine schlechte Nachricht, weil in dieser Kategorie sind andere Hersteller wie Apple oder Samsung erheblich besser. Nichts könnte Googles Desinteresse an diesem Bereich besser symbolisieren als der Umstand, dass der 4K-Modus noch immer keine 60 Bilder pro Sekunde unterstützt. Hier zeigt sich die Kehrseite von Googles Fokus auf die "Computational Photography". Da die Chips einfach noch nicht schnell genug sind, um solche Methoden auch auf Videos anzuwenden, interessiert sich bei dem Unternehmen offenbar niemand so wirklich für diesen Bereich.

Hat das Pixel 4 also wieder die beste Kamera? Im Gegensatz zu den Vorjahren lässt sich diese Frage nicht mehr so einfach beantworten. Bei der reinen Bildqualität ist Google weiterhin top, hier bewegt sich maximal noch das neue iPhone auf Augenhöhe. Auch die Zuverlässigkeit, mit der man praktisch immer ausgezeichnete Aufnahmen bekommt, ist eine nicht zu unterschätzende Stärke. Und der neue Zoom ist einfach nur großartig. Wer aber etwa – auch – eine Weitwinkelkamera haben will, für den mag die Beurteilung schon wieder ganz anders aussehen. Und zum Thema Video wurde eigentlich ohnehin schon alles gesagt: Für angehende Youtuber ist das neue Pixel eher nichts.

Ein kurzes Testvideo mit dem Pixel 4.
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Prozessor

Kommen wir zu einem ganz anderen Bereich: Beim SoC (System on a Chip) hat sich Google für einen Snapdragon 855 entschieden – und damit für den gleichen Chip, den fast alle aktuellen Top-Smartphones im Android-Bereich einsetzen. Darin enthalten ist eine CPU mit acht Kernen und einem durchaus interessanten Aufbau. Um bei der Single-Core-Leistung zumindest etwas näher an die Konkurrenz von Apple heranzukommen, gibt es nun einen High-Speed-Kern, der bis zu 2,84 GHz getaktet ist. Dem folgen drei weitere Kerne, die die gleiche grundsätzliche Architektur aufweisen (Cortex A76-basiert), aber mit maximal 2,4 GHz etwas niedriger getaktet sind. Die restlichen vier Kerne sind vor allem für weniger anspruchsvolle Aufgaben gedacht (Cortex A55-basiert mit maximal 1,8 GHz). Als Grafikeinheit kommt ein Adreno 640 mit 600 MHz zum Einsatz. Erfreulich ist zudem, dass der Chip in 7nm gefertigt ist, wodurch er nicht zuletzt weniger Strom verbraucht als sein direkter Vorgänger.

Wer sich gerne in Benchmarks verliert, den kann nun durchaus ärgern, dass Google nicht den Snapdragon 855+ verwendet hat, eine leicht aktualisierte Variante desselben Chips, die mittlerweile verfügbar ist. Freilich muss man dazusagen, dass der reale Unterschied hier verschwindend gering ist. Bei der CPU-Geschwindigkeit lässt sich selbst in künstlichen Tests kaum ein Unterschied messen. Anders ist das bei der Grafik, wo ein höherer Takt 15 Prozent mehr Speed bringt – aber aufgrund der unveränderten Architektur auch den Stromverbrauch und die Hitzeentwicklung erhöht.

Realität vs. Benchmark

Wenn man also schon über den gewählten Chip klagen will, dann eher mit dem Blick darauf, dass schon in ein paar Monaten der Snapdragon 865 folgen wird. Freilich hat gerade Google in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt, dass die reale Performance eines Geräts dank Softwareoptimierungen nur zu einem Teil von der puren Rechenkraft abhängt. Und das ist auch beim Pixel 4 wieder so. Dieses liefert im subjektiven Eindruck einen Leistungslevel, bei dem maximal noch die aktuellen Geräte von Oneplus mithalten können. In Benchmarks schlägt sich dieser Effekt vor allem bei PCMark Work 2.0 durch, der auf realistische Arbeitslasten ausgelegt ist. Hier kommt das Pixel 4 XL auf 9.998 Punkte. Zum Vergleich: Das Galaxy S10 muss sich hier mit 7.913 Punkten zufriedengeben, selbst das Pixel 3 ist hier mit 8.964 Punkten noch besser.

Auch bei näherer Betrachtung gibt es an der Performance des Pixel 4 wenig auszusetzen.
Foto: Proschofsky / STANDARD

Viel Kritik gab es für Google im Vorjahr – und zwar durchaus zu Recht –, weil man seinen Topgeräten gerade einmal 4 GB RAM spendierte. Die daraus resultierenden Probleme hat man zwar mit folgenden Softwareupdates weitgehend ausgeräumt, trotzdem ist es erfreulich, dass das Pixel 4 mit seinen 6 GB RAM (LPDDR4X) nun etwas mehr Luft nach oben hat. Trotzdem: Im Vergleich zu anderen Topgeräten ist das noch immer wenig, 8 GB hätten es ruhig sein können – und sei es nur, um der Kritik den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Die Akkulaufzeit

Ein Punkt, der im Vorfeld auf besonders viel Interesse gestoßen ist, ist die Akkulaufzeit des Pixel 4 und Pixel 4 XL, fällt doch gerade der Akku des kleineren Modells mit 2.800 mAh reichlich klein (und sogar kleiner als beim Pixel 3) aus – vor allem wenn man das 90-Hz-Display und all die neuen Sensoren und smarten Features in Betracht zieht. Leider kann der Test zum Pixel 4 keine entsprechenden Daten liefern, da wir bisher nur das XL-Modell erhalten haben. Dessen Akku ist mit 3.700 mAh jetzt zwar auch nicht gerade ein Riese, aber zumindest halbwegs angemessen. Und die gute Nachricht dabei: Im Alltag schlägt er sich besser als erwartet, bei einer bunt gemischten Nutzung lag die Screen-On-Time im Schnitt bei circa fünf Stunden. Im Akkubenchmark von PCMark ergab sich ein Wert von 11:13 Stunden – eine gute Stunde länger als beim Pixel 3 XL. Andere aktuelle Smartphones schlagen sich hier noch – zum Teil deutlich – besser. Durch einen Tag sollten die meisten Nutzer beim Pixel 4 XL aber trotzdem locker kommen.

Zum Aufladen wird USB-C-Fast-Charging unterstützt, im Lieferumfang ist ein 18-Watt-Charger enthalten. Alternativ wird auch wieder Wireless Charging unterstützt, Google empfiehlt hierzu weiterhin seinen eigenen Pixel Stand.

Spezialhardware von Google

Nicht zu übersehen ist der Trend, dass Google in seinen Geräten immer mehr Hardware aus eigener Fertigung verbaut. Beim Pixel 4 ist das neben dem Soli-Radar und dem Sicherheitschip Titan M auch der Pixel Neural Core, ein eigener KI-Chip, der deutlich leistungsfähiger als seine Vorgänger sein soll. Und dieser kommt für eine ganze Reihe von Aufgaben zum Einsatz. Allen voran: die Offline-Spracherkennung, die bei Googles neuem Smartphone die Grundlage für gleich mehrere Neuerungen bildet.

Neuer Google Assistant

Da wäre zunächst eine neue Generation des Google Assistant. Die sieht nicht nur anders aus – es wird nun ein Balken in den vier Google-Farben angezeigt und der Rest semitransparent über den unteren Rand des Bildschirms eingeblendet –, ein Teil der Funktionalität klappt nun eben ohne Netzverbindung. Das reicht vom Starten einzelner Apps über die Aktivierung der Taschenlampe bis zum Aufnehmen eines Selfies. Die lokale Spracherkennung hat aber noch einen zweiten Vorteil: All das ist erheblich flotter als bei bisherigen Google-Assistant-Versionen, da der Netzwerktransfer für die Spracherkennung entfällt.

Live Captions

Die "Live Captions" liefern Untertitel zu beliebigen Apps – so diese das Feature nicht blockieren.
Screenshot: Proschofsky / STANDARD

Das zweite große neue Feature auf dieser Basis nennt sich "Live Captions". Dieses war eigentlich schon für Android 10 angekündigt, gibt nun aber erst auf dem Pixel 4 sein Debüt. Dabei können beliebige Audio- und Video-Dateien automatisch untertitelt werden. Aktiviert wird dieses Feature über das Lautstärkemenü, in dem ein zusätzliches Icon hinzugekommen ist. Anschließend wird ein zweizeiliges Overlay über das restliche Smartphone-Geschehen geblendet, in dem die Untertitelung mitverfolgt werden kann. Dieses Fenster lässt sich in seiner Position frei verschieben. Im Test funktionierte dies etwa mit Podcasts oder auch Video-Streams mit einer verblüffenden Genauigkeit – vor allem. wenn man eben bedenkt, dass das alles in Echtzeit direkt am Gerät passiert.

Google Recorder

Und dann gibt es noch eine neue App, die ebenfalls von der lokalen Spracherkennung profitiert: den Google Recorder. Dieser wurde an anderer Stelle bereits vorgestellt, darum hier nur kurz: Es handelt sich um eine App zur Tonaufnahme, die automatisch alle Spracheingaben transkribiert und den Text mit der Sprachspur verknüpft, sodass etwa eine Volltextsuche durch alle Aufnahmen möglich ist.

Vieles nur auf Englisch

All das hat allerdings ein entscheidendes Problem: Ob neuer Google Assistant, Live Captions oder die Transkribierung im Recorder – es funktioniert derzeit nur auf (US)-Englisch. Grund dafür ist, dass dafür ein englisches Sprachmodell auf 80 MB reduziert wurde, und derzeit hat man diesen Schritt für andere Sprachen einfach noch nicht fertig. Generell betont Google aber, dass man so schnell wie möglich weitere Sprachen hinzufügen will – ein konkretes Datum, auf das man sich verlassen kann, ist das aber natürlich nicht.

Der neue Google Assistant ist nicht nur hübscher und flotter, er ist leider derzeit auch nur auf Englisch verfügbar.
Screenshot: Proschofsky / STANDARD

Der Klang

Zu dem Thema passt gut, dass Google endlich die Mikrofone in seinem Smartphone verbessert hat. Bei Tonaufnahmen zeigt sich jedenfalls deutlich weniger Hintergrundrauschen als bisher. Und für die Erkennung bei Google Assistant und Co wird das sicher auch hilfreich sein. Und noch zur anderen Sound-Richtung. Wie bereits erwähnt, ist nur mehr einer der beiden Lautsprecher auf der Vorderseite zu finden. Das mag manche stören, im Test erwies sich der Klang aber in Summe als besser – und ironischerweise ausgeglichener – als beim Pixel 3 XL. Angesichts der aktuellen Design-Trends in der Smartphone-Branche erscheint es auch unwahrscheinlich, dass noch einmal die große Rückkehr der Stereo-Front-Lautsprecher kommt. Ein weiteres Detail, das zu diesem Bereich passt: Auch an der Klangqualität bei Telefongesprächen gab es nichts auszusetzen.

Unnötige Fehlentscheidungen

Für ungläubiges Kopfschütteln sorgt Google dann wieder beim lokalen Speicherplatz. Gerade in dieser Preisregion sollte mittlerweile mehr drinnen sein als jene 64 oder 128 GB, mit denen es Pixel 4 und 4 XL gibt. Klar: Viele Nutzer benötigen auch gar nicht mehr. Trotzdem ist es irgendwie seltsam, dass sich Google mit solchen Sparmaßnahmen komplett sinnbefreit zusätzlicher Kritik ausliefert – ähnlich wie bei der RAM-Ausstattung. Zudem stößt sauer auf, dass hier nur UFS-2.1-Storage verwendet wird. So manch anderes aktuelles Smartphone nutzt bereits UFS 3.0, das in Benchmarks zum Teil fast doppelt so hohe Geschwindigkeiten erzielt. Klar schlägt sich das in der realen Nutzung nur sehr begrenzt nieder, trotzdem nährt dies weiter – zu Recht – das Narrativ, dass Google veraltete Hardware verbaut. Im Vergleich zum Pixel 3 sind die Lesezugriffe übrigens trotzdem um rund 25 Prozent flotter.

Kommen wir noch zu einigen vermischten Hardwaredetails: Das Pixel 4 unterstützt Bluetooth 5.0 sowie Dual-Band-WLAN 802.11ac, WLAN 6 sucht man hier hingegen noch vergebens. Dafür gibt es sowohl eine eSIM als auch einen Nano-SIM-Slot, die dieses Mal auch im Dual-SIM-Dual-Standby-Modus (DSDS) parallel genutzt werden können. LTE wird bis zu Cat. 18 unterstützt. 5G-Support gibt es hingegen nicht, und es ist auch keine solche Variante geplant, wie Google betont. Derzeit sei es einfach noch nicht sinnvoll, ein 5G-Smartphone auf den Markt zu bringen.

Active Edge gibt es heuer ebenfalls wieder, wer das noch nicht kennt: Dabei kann das Gehäuse seitlich leicht gedrückt werden, um den Google Assistant aufzurufen. Zur Standortbestimmung werden GPS, Glonass, Beidou und Galileo unterstützt. Eine Kopfhörerbuchse gab es schon beim Pixel 3 nicht mehr, und das ändert sich betrüblicherweise auch beim Pixel 4 nicht. Umso unerfreulicher ist, dass Google heuer nicht einmal mehr USB-C-Kopfhörer mitliefert, auch einen passenden Adapter sucht man vergeblich.

Android 10

Zeit, sich die Software anzusehen. Auf dem Pixel 4 läuft, wie zu erwarten, Android 10 in seiner aktuellsten Version. Dieses Jahr sogar mit einem aktuellen Sicherheits-Patch, zudem wurde ein Fehlerbereinigungs-Update für den Marktstart geschnürt. Im Vorjahr hatte Google in dieser Hinsicht ja grob gepatzt. Das Unternehmen verspricht drei Jahre lang sowohl monatliche Sicherheitsaktualisierungen als auch große Updates. Die Hoffnungen darauf, dass Google diesen Support-Zeitraum endlich ausdehnt, erfüllen sich also einmal mehr nicht. Traurigerweise bleibt Google damit noch immer der Android-Hersteller mit dem besten Update-Support.

Einige Screenshots (von links nach rechts): Der Home Screen mit einem der neuen Live-Wallpaper. Der App Launcher zeigt die vorinstallierten Apps. Die neue Theming-App. Und die Einstellungen zur Gestensteuerung.
Screenshot: Proschofsky / STANDARD

Bei der Softwareausstattung fallen einige interessante Details auf: So ersetzt in der Vorinstallation Youtube Music das bisherige Play Music. All die Virtual-Reality-Sachen, die man vor nicht allzu lange Zeit noch unter dem Namen Daydream beworben hatte, sind mittlerweile Geschichte – sie laufen auf dem Pixel 4 gar nicht mehr. Neu hinzugekommen ist eine eigene Theming-App, mit der der Look des Systems leicht angepasst werden kann. Neben Farb-Highlights können die User dabei auch zwischen vier verschiedenen Schriftstilen, Icon-Sets und mehreren Symbol-Formen wählen. Alles nicht weltbewegend, aber gut, dass Google in dieser Hinsicht gegenüber anderen Herstellern nachzieht. Leider wieder nur in den USA funktionstüchtig ist die neue "Crash Detection", die Autounfälle erkennen und automatisch den Notruf rufen und Daten weitergeben kann.

Beim Pixel 4 ist erstmals auch die neue Gestensteuerung von Android 10 von Haus aus aktiviert. Allerdings gibt es weiterhin auch die klassische Systemnavigation mit drei Knöpfen als Alternative. Die Gestensteuerung des Pixel 3 – mit einer Mischung aus Knöpfen und Gesten – wurde hingegen komplett gestrichen.

Und dann gibt es noch eine reichlich unerfreuliche Entwicklung im Vergleich zu den Vorgängern: Das Angebot, dass mit dem Pixel aufgenommene Fotos auf Google Photos unbegrenzt in Originalqualität abgespeichert werden, gibt es nämlich nicht mehr. Stattdessen müssen sich also nun auch Pixel-4-Nutzer mit der "hohen Qualität" zufrieden geben, die ohnehin allen Google-Photos-Nutzern zur Verfügung steht. Dabei optimiert Google die Fotos mit dem Ziel, bei möglichst geringem Qualitätsverlust die Dateigröße zu verringern.

Preis und Verfügbarkeit

Was kostet all das? Das Pixel 4 XL ist ab 899 Euro zu haben, das kleinere Modell kostet 749 Euro. Das sind die aus diesem Segment gewohnten, saftigen Preise. Gleichzeitig ist das aber zumindest günstiger als die jeweiligen Vorgänger – und zwar um 50 (beim XL-Modell) beziehungsweise 100 Euro. Wer im Google Store vorbestellt, bekommt das smarte Display Nest Hub im Wert von 129 Euro kostenlos dazu. Oder aber man wartet – so Interesse an dem Gerät besteht – noch ein paar Wochen zu. Üblicherweise gibt es rund um den Black Friday Ende November auch in Europa Aktionen, in deren Rahmen das Gerät günstiger zu haben ist. Wer nicht so lange warten will, kann das neue Smartphone schon jetzt vorbestellen, der offizielle Marktstart ist dann der 24. Oktober.

Leider gibt es aber auch die schon fast gewohnte Beschränkung: In Österreich bringt Google selbst das Gerät vorerst nicht auf den Markt. Wer Interesse hat, kann sich das Gerät aber relativ einfach aus Deutschland bestellen und weiterschicken lassen. Oder man wartet darauf, dass ein heimischer Händler den Import übernimmt. Eine allzu große Hürde ist das also nicht, und der Google-Support macht mittlerweile auch bei Garantiefragen keine großen Probleme mehr. Trotzdem ist das eine nervige Beschränkung, die außerhalb von Google niemand so richtig versteht. Immerhin erscheint es logisch, dass man ein Gerät auch anbietet, wenn man es verkaufen will.

Zugreifen oder nicht? Das ist hier die Frage.
Foto: Proschofsky / STANDARD

Fazit

Was macht ein High-End-Smartphone aus? Bei vielen Herstellern ist die Antwort darauf recht einfach: die absolut beste Hardware in jedem Bereich. Google verfolgt eine andere Philosophie, hier setzt man lieber auf die eigenen Softwarestärken, um sich von der Konkurrenz abzusetzen. Das ist an sich auch eine weise Entscheidung, immerhin wird man im Spezifikationslistenwettlauf nicht so schnell mit Firmen wie Samsung oder Huawei mithalten können. Garniert wird dies mit eigener Hardwareentwicklung, in so einem Pixel-Smartphone finden sich mittlerweile zahlreiche Spezialchips von Google selbst.

Geht diese Rechnung beim Pixel 4 auf? Sagen wir einmal: so halb. Die neue Gesichtserkennung und "Motion Sense" funktionieren im Test sehr gut, gleichzeitig lässt sich aber auch nicht übersehen, dass der Radar derzeit nur für wenige Funktionen eingesetzt wird – und das meiste davon ist Spielerei. Andere neue Features wie die nächste Generation des Google Assistant oder auch die "Live Captions" oder generell die Offline-Spracherkennung sind wirklich herausragend, haben aber ein entscheidendes Problem: Sie funktionieren vorerst nur auf US-Englisch – wann das Ganze auch auf Deutsch geht, bleibt vorerst unklar. Das führt dazu, dass das Pixel 4 gerade in den USA ein wesentlich interessanteres Paket darstellt als in Europa. Zudem werden viele dieser smarten Features in den kommenden Monaten auch bei älteren Pixel-Smartphones landen – und manche auch bei anderen Geräten.

Plus-Minus

Und wenn wir schon bei den Kritikpunkten sind: Der Akku ist zwar nicht das riesige Problem, das viele im Vorfeld befürchtet haben – zumindest nicht beim XL-Modell –, aber er ist durchschnittlich. Und bei einem High-End-Smartphone des Jahres 2019 sollte man mehr verlangen können. Dass Google die Video-Fähigkeiten vernachlässigt, ist ebenfalls betrüblich.

Viele bunte Pixel.
Foto: Proschofsky / STANDARD

Umgekehrt kann das Pixel 4 (XL) auch mit vielen Pluspunkten aufwarten. Die ohnehin schon tolle Fotoqualität der Pixel-Reihe ist sogar noch eine Spur besser geworden. Der Zoom liefert für ein Smartphone verblüffend gute Ergebnisse. Die Performance ist überall top, das 90-Hz-Display ist ein echter Gewinn – überhaupt ist der Bildschirm sehr gut. Und natürlich ist nicht zu unterschätzen, dass Google weiterhin die beste Update-Versorgung aller Android-Hersteller bietet. (Andreas Proschofsky, Video: Andreas Müller, 20.10.2019)