Naruhito hat nun offiziell den japanischen Kaiserthron bestiegen.

Foto: Reuters

In seinem Buch Die Themse und ich über seine Zeit in Oxford berichtet Japans neuer Kaiser Naruhito davon, wie der Türsteher einer Diskothek ihn wegen seiner Jeans abwies. Dennoch bezeichnet er diese zwei Studienjahre als die "beste Zeit meines Lebens". Damals habe er gelernt, für sich selbst zu denken.

Seinen Eigensinn bewies der damalige Kronprinz dann, als er unbedingt Masako Owada heiraten wollte. Die im Ausland ausgebildete Karrierediplomatin passte überhaupt nicht in das zu dieser Zeit vorherrschende Bild des konservativen Kaiserhauses. Daher wollten die Hofbeamten die Verbindung nicht, auch Masako lehnte den Antrag zunächst ab. Aber der Kronprinz setzte seinen Willen durch.

So modern wie Naruhito – ein Tenno hat keinen Nachnamen – war jedenfalls noch kein Kaiser: Als Erster wuchs der heute 59-Jährige im Elternhaus statt mit Amme und unter Erziehern auf. Als Erster studierte er im Ausland, machte einen höheren Studienabschluss und ehelichte eine berufstätige Bürgerliche. Er spielt Bratsche, joggt, wandert und geht mit dem normalen Volk ganz entspannt um. Sogar Selfies mit Passanten ließ er zu.

Freuden und Schmerzen teilen

Der frisch gekürte Kaiser will denn auch den volksnahen Stil seines Vaters Akihito fortsetzen, also "Freude und Schmerzen mit dem Volk von Herz zu Herz teilen", wie er es selbst formulierte.

Zu seinen persönlichen Anliegen zählen die Förderung der Toleranz in einer zunehmend diversen Gesellschaft sowie der Wasserschutz, damit beschäftigte er sich schon in Oxford. Als sein Handicap gilt seine Loyalität gegenüber Masako. Ihr Herz gewann er mit dem Versprechen, sie lebenslang zu beschützen. Als sie vor mehr als 15 Jahren an einer Depression erkrankte, weil sie unbedingt einen Thronfolger gebären sollte, kritisierte er "Bestrebungen, Masakos Karriere und Persönlichkeit zu verleugnen". Indem er den Hofkonflikt öffentlich austrug, brach er ein Tabu.

Perfekter Start für Masako

Sein Erfolg als Kaiser dürfte davon abhängen, wie sehr Masako ihn in seiner Arbeit unterstützen kann. Der Start gelang perfekt: Die 55-Jährige blüht seit Mai regelrecht auf, wie sich beim Besuch von US-Präsident Donald Trump und Frau Melania zeigte. Das Volk registrierte begeistert, dass das Kaiserpaar ohne Dolmetscher mit dem Besuch parlierte.

Die zweite Sorge des Kaisers gilt seiner 17-jährigen Tochter Aiko, die wegen der männlichen Thronfolge damit klarkommen muss, dass sie als Frau nur zweite Wahl ist. (Martin Fritz aus Tokio, 22.10.2019)