Die Zahl jener, die den spanischen Ex-Diktator Francisco Franco auf seiner nun wohl endgültig letzten Reise geleiten, ist streng begrenzt. Genau 22 Angehörige dürfen am Donnerstag in der kleinen Kapelle von Mingorrubio nordwestlich von Madrid Platz nehmen, wo der Gewaltherrscher nach langem Hin und Her nun neben seiner Frau Carmen Polo in einer Gruft begraben wird.

Im Gegensatz zu dem monumentalen, von einem 152 Meter hohen Kreuz überstrahlten Mausoleum im Valle de los Caídos, aus dem Franco am Vormittag exhumiert wurde, mutet seine neue letzte Ruhestätte bescheiden an.

Francisco Franco tritt seinen letzten Flug an.
Foto: Reuters Emilio Naranjo

Weder Fotos noch Videos dürfen von der familiären Zeremonie angefertigt werden, ein Metalldetektor und ein Durchleuchtungsgerät am Portal des Gotteshauses sollen verhindern, dass sich die – noch immer zahlreichen – Anhänger des Faschistenführers an den Bildern der Feier ergötzen. Medien sind ohnehin ausgesperrt. Denn genau jener Kult um den 1975 gestorbenen Diktator war der Anlass des Politikums, das sich rund um die am Donnerstag vollzogene Exhumierung in Spanien abgespielt hatte.

Das Valle de los Caídos samt massivem Kreuz.
Foto: JAVIER SORIANO / AFP

Der älteste Enkelsohn des Ex-Diktators, der selbst auch Francisco Franco heißt, hält die laut Schätzungen der Regierung bis zu 70.000 Euro teure Prozedur für ein politisches Komplott der sozialistischen Regierung: "Ich bin sehr zornig, weil sie einen Leichnam als Propagandainstrument missbrauchen, um vor der Wahl ein paar Stimmen zu gewinnen", sagte er der Agentur Reuters am Mittwoch.

Die Kapelle in Mingorrubio wird vorbereitet.
Foto: AP Photo/Bernat Armangue

Tatsächlich ist den iberischen Linken das protzige und unter großen Opfern von Zwangsarbeitern zu Lebzeiten des Gewaltherrschers erbaute Valle de los Caídos, das Tal der Gefallenen, schon lange ein Dorn im Auge.

Vor allem an der Symbolik stören sie sich, liegt der Diktator bisher doch an der Seite jener, die durch sein Regime zu Tode gekommen sind. Allein der von Franco entfesselte spanische Bürgerkrieg kostete zwischen 1936 und 1939 eine halbe Million Menschen das Leben, bis 1975 sollte sein faschistisches Regime an der Macht bleiben. Die 2018 regierenden Sozialisten von Premierminister Pedro Sánchez haben daraufhin in dem über der Frage des Umgang mit Franco gespaltenen Parlament eine Mehrheit für einen Umzug der Grabstätte errungen – ein Höchstgerichtsurteil wies schließlich im Frühling die Klage der Familie Francos ab.

Diktator Franco zu Lebzeiten – neben dem späteren König Juan Carlos.
Foto: REUTERS

Gespaltene Gesellschaft

Auch nach der politischen Entscheidung scheiden sich am Umgang mit Franco in Spanien die Geister. Laut einer jüngsten Umfrage der Zeitung "El Mundo" halten 43 Prozent der Befragten die Umbettung für richtig, 32,5 Prozent waren dagegen. Die Unternehmen, die die Aktion technisch und logistisch bewerkstelligen, erhielten laut der Regierung Drohungen.

Franco-Fans feiern den Diktator.
Foto: REUTERS/Susana Vera

Vor der Kapelle in Mingorrubio nahmen am Donnerstag Rechtsextreme Aufstellung, die gegen die Umbettung protestierten. Am frühen Nachmittag wurde der Leichnam schließlich per Hubschrauber an seine neue Bestimmung gebracht. (flon, 24.10.2019)