Eltern sollten ihre Kinder nicht unbegleitet auf das Web loslassen.

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Nach dem Attentat von Halle wurde einmal mehr das Portal 8Chan als Ort genannt, wo sich Menschen online radikalisieren können. 8Chan ist seit August offline. Bis dahin galt es als Hort für Neonazis und Frauenhasser, die ihre Ansichten ungefiltert und unmoderiert posten konnten. Die Betreiber arbeiten am Comeback des Diskussionsforums. Besonders für Eltern ist es eine große Herausforderung, wenn ihre Kinder mit solchen Inhalten im Netz in Berührung kommen. Aber wie geht man damit um, ohne den Nachwuchs erst recht neugierig auf solche Seiten zu machen?

Elterliche Zensurversuche bringen nichts

Gleich vorweg: Kinder und Jugendliche von Seiten wie 8Chan fernzuhalten, ist praktisch unmöglich. "Technischer Kinderschutz für Smartphones wie zum Beispiel Googles Family Link oder Apples Bildschirmzeit ist vor allem für die Allerjüngsten geeignet. Wenn die Kinder dann älter werden, gibt es jedoch wenige Möglichkeiten, Inhalte zu verbieten, wenn nach diesen bewusst gesucht wird", erklärt Matthias Jax, Projektleiter von Saferinternet.at, dem STANDARD.

Eltern sollten ihre Kinder daher nicht unbegleitet auf das Web loslassen. Jax betont, dass es wichtig sei, von Anfang an gemeinsam mit Kindern über ihren Internetkonsum zu sprechen und im Idealfall auch gemeinsame Regeln aufzustellen. In Bezug auf Seiten wie 8Chan ist es vor allem wichtig, dass Kinder wissen, wie sie sich verhalten, wenn sie an Inhalte geraten, die sie verstören oder die ihnen Angst machen.

Kinder im Netz begleiten

In Österreich ist beispielsweise die Weitergabe pornografischer, nationalsozialistischer oder gewaltverherrlichender Inhalte an Jugendliche verboten. Sollten Eltern solche Inhalte auf den Computern oder Handys ihrer Kinder entdecken, müssen sie diese löschen, andernfalls drohen Strafen. Eine ständige proaktive Kontrolle seitens der Eltern ist jedoch nicht gesetzlich vorgeschrieben. Für Kinder mag es komplett unbedenklich sein, gewisse Inhalte im Netz zu teilen. Es ist daher wichtig, dass Eltern mit ihren Kindern offen darüber sprechen und erklären, wieso gewisse Inhalte bedenklich sind.

Sofern Eltern auf Computern oder Smartphones Apps und Filter einsetzen, die den Zugang zu bestimmten Anwendungen und Seiten einschränken, empfiehlt der Experte, die Kinder dabei einzubeziehen. Die Maßnahmen sollten gemeinsam mit dem Kind eingerichtet und die Nutzung sollte transparent gehalten werden. Damit könne man Frustration und Konfliktpotenzial vorbeugen. Nicht vergessen dürfe man dabei auch, die Regeln und Sperren stets an die Entwicklungsstufe der Kinder anzupassen.

Diskussionsboards nicht grundsätzlich verbieten

Wie geht man nun mit 8Chan (sollte es wieder online gehen) oder ähnlichen Gruppen und Diskussionsforen um? "Wenn Eltern vermuten oder bemerken, dass Jugendliche auf solchen Boards unterwegs sind, soll dies auf jeden Fall angesprochen werden. Wichtig ist es, diese Boards nicht grundsätzlich als etwas 'Verbotenes' darzustellen, sondern gemeinsam zu reflektieren, was an diesen so interessant ist und welche Inhalte auf diesen konsumiert werden", rät Matthias Jax.

Dabei müssen sich Eltern aber auch klarmachen, dass solche Seiten nicht grundsätzlich illegal sind und allein der Besuch einer solchen Seite aus einem Jugendlichen noch keinen Neonazi macht. Im Zweifelsfall kann man sich aber auch Hilfe auch bei der Beratungsstelle Extremismus holen.

Gemeinsam Games spielen

Speziell nach dem Attentat von Halle sind auch Games wieder in den medialen Fokus gerückt, denn der mutmaßliche Attentäter bediente sich mehrerer Anspielungen aus der Gamerszene. Hier rät der Experte von Saferinternet.at, dass Eltern sich von ihren Kindern einmal zeigen lassen sollten, welche Spiele sie gerne spielen. Kinder und Jugendliche könnten erklären, was sie an einem bestimmten Game fasziniert und wie es funktioniert.

"Spiele sind mehr als nur nutzloser Zeitvertreib, sondern fördern die Fähigkeiten und Kompetenzen von Kindern auf vielfältige Weise", so Jax. "Unsere aktuelle Erfahrung zeigt, dass in dem richtigen Umfeld die positiven Seiten von Computerspielen überwiegen."

Wenn Eltern nicht wollen, dass ihre Kinder heimlich oder unwissend mit bedenklichen Inhalten im Netz konfrontiert werden, bedeutet das jedenfalls, dass sie sich selbst mit diesen Themen auseinandersetzen müssen. (Birgit Riegler, 13.11.2019)