Steppenadler kommen weit herum.

Foto: AP Photo/Eckehard Schulz

Wenn die Adler kommen, freuen sich nicht nur die Helden aus der Buchreihe "Der Herr der Ringe". Auch Forscher beschäftigen sich regelmäßig mit den berühmten Greifvögeln. Für russische Wissenschafter vom "Russian Raptor Research and Conversation Network" (RRRCN) haben sich die Tiere aber unlängst als Kostenfalle entpuppt, wie "Die Welt" berichtet.

Um das Migrationsverhalten und die Bewegungsmuster mancher Tiere besser nachvollziehen zu können, ist es in der Forschung nämlich üblich, diese mit Peilsendern auszustatten. Dies geschah auch im Fall der 13 Steppenadler. Deren Peilsender sollten den russischen Vogelbeobachtern in regelmäßigen Zeitabständen ihre Position per SMS durchgeben.

Ungeplanter Zwischenstopp

Im Sommer flogen die Tiere nach Kasachstan, wo sie allerdings außer Reichweite waren und keine SMS senden konnten. Dann flogen sie jedoch wider Erwarten in den Iran und nach Pakistan. Hier hatten die Sender wieder eine aufrechte Mobilfunkverbindung und sendeten nicht nur die aktuellen Positionsdaten, sondern auch die zuvor hängengebliebenen aus der Zeit in Kasachstan. Das Problem: In diesen Ländern fallen teure Roaming-Gebühren an.

Die SMS aus dem Iran seien weitaus teurer als jene aus den geplanten Destinationen. In Russland wären sie fünf Mal so billig gewesen, in Kasachstan koste eine SMS 0,21 Eurocent, im Iran gleich 0,69 Cent. Ein einziger Adler namens Min habe demnach das gesamte Tracking-Budget verbraucht, berichtet die "BBC". Teilweise fielen Kosten von rund 100 Euro pro Tag an.

Spendenaktion

Diese zusätzlichen Kosten hatten die Forscher nicht einkalkuliert. Die Russen haben deshalb auf dem russischen sozialen Netzwerk "Vkontakte" um Spenden gebeten, um das Forschungsprojekt zu stemmen. "Wir waren völlig pleite und mussten einen Kredit aufnehmen, um das Projekt weiter zu finanzieren", sagte Projektleiter Igor Karjakin am Freitag.

Die gute Nachricht zum Schluss: Der Spendenaufruf lief erfolgreich, über 1.400 Euro wurden gesammelt. Demnach sei das Projekt bis zumindest Jahresende nunmehr finanziell abgesichert. Im Frühsommer würden die Adler dann ohnehin nach Russland zurückkehren, so Karjakin.

Zudem gaben die Forscher laut "The Verge" auch auf Facebook an, dass ihr russischer Mobilfunkanbieter MegaFon Ihnen die Kosten aus dem Iran zurückerstatten wird und ihnen fortan auch einen besonders günstigen Tarif für das Projekt verrechen wird. (red, 28.10.2019)