Da kann man sich schon einmal missverstanden fühlen, wenn man ausgerechnet als Tierschutzbeauftragte auf der Eselsbank des Parlaments Platz nehmen muss.

Philippa Strache im Parlament.
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Der hilfesuchende Blick Philippa Straches lässt nur vermuten, ob ihr die demütigende Situation wirklich bewusst ist oder ob sie sich wundert, warum die am Revers getragenen Kornblumen der vor ihr sitzenden vermeintlichen Parteikollegen rot und nelkenförmig sind. Die direkt vor ihr platzierte Julia Herr wiederum scheint darüber zu sinnieren, wie lange es wohl dauern würde, bis sie, im Fall einer endgültigen Partei-Machtübernahme der Deutsch- und Bures-Seilschaft, zur Sitznachbarin von Strache wird.

Philippas Gatte H.-C. monierte, dass die FPÖ generell "ein Problem mit starken Frauen" hätte. Ein Befund, der, was die mangelnde Anerkennung weiblicher Spitzenleistungen betrifft, prompt bestätigt wurde. Nämlich durch die jüngsten Debatten über das neue Führungspersonal der Oesterreichischen Nationalbank.

Die Österreichische Nationalbank (OeNB).
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Dort hat der von der FPÖ zum Gouverneur intervenierte Robert Holzmann durch von extremer Tollpatschigkeit geprägte parteipolitische Umfärbe-Aktionen für einen Amtsantritt gesorgt, der mit "Fehlstart" nur unzureichend beschrieben ist. Er gemahnt eher an einen Skirennläufer, der noch vor Auslösen der Zeitnehmung im Starthäuschen bei seinen eigenen Skistöcken einfädelt. Angesichts dieser Slapstickeinlage meint ein hochrangiger OeNB-Insider, dass "Holzmann nun erstmals in einer beruflichen Situation ist, in der er wirklich ernst genommen werden muss". Das kann also noch heiter werden.

Inkompetenz und Überforderung

Andere wiederum meinen, dass die Ernennung Eduard Schocks zum Nationalbank-Direktor den Dreistigkeitsgipfel blauen Postenschachers darstellt. Anders als Holzmann besticht der Ex-Kommunalpolitiker durch seine nahezu unbefleckte Qualifikationsbefreitheit, die selbst für Nationalbank-Versorgungsjobs neue Maßstäbe setzt. Doch die Diskussion, wer von den beiden die verheerendste FPÖ-OeNB-Personalie ist, blendet die Leistung einer starken Frau aus.

Barbara Kolm beweist seit über einem Jahr, dass man als Nationalbank-Vizepräsidentin Inkompetenz und Überforderung nicht verschämt kaschieren muss, sondern offensiv ausleben kann. Darüber hinaus dürfte sie eine enorme erzählerische Begabung haben, dank der sie die Korruptionsstaatsanwaltschaft davon überzeugen konnte, dass Spenden ihrer Mutter, ihrer Schwester oder ihres darüber ahnungslosen Mitarbeiters an die nicht in Österreich kandidierende Anti-EU-Parteienallianz Acre nichts mit ihrem Geschäftsverhältnis zu Acre zu tun hätten.

Kolms Hang zu fantastischen Geschichten verdanken wir vermutlich auch die Einladung zweier amerikanischer Kreationisten zu einer von ihr organisierten, in zwei Wochen stattfindenden Konferenz in der Nationalbank. Die Herren Murphy und Woods plädieren für eine wortwörtliche Auslegung der Bibel und verweisen dabei ernsthaft und ausdrücklich auf die Geschichte von Jonas, der von einem Wal geschluckt und nach Tagen wieder unversehrt ausgespuckt wurde. Wer weiß, vielleicht kann das Tier ja auch Parteispenden fressen und anderorts wieder hervorspeien. (Florian Scheuba, 30.10.2019)