Österreicher geben immer noch hunderttausende Euro für Klingeltöne aus

Ihre große Zeit hatten die Ruftöne in den 2000ern. Heute machen die Einnahmen nur mehr einen Bruchteil von damals aus

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Crazy Frog vom Onlinedienst Jamba war in den 2000ern Inbegriff des nervigen Handy-Klingeltons.

Foto: Lukas Friesenbichler

Erinnern Sie sich noch an den kleinen Nils oder Crazy Frog? Es waren die 2000er-Jahre, Werbung für das Jamba-Spar-Abo lief im Fernsehen rauf und runter – ausgefallene (sprich nervende) Klingeltöne waren der letzte Schrei. Portale wie SMS.at oder eben Jamba sorgten dafür, dass Nutzer den Rufton ihrer Prä-Smartphone-Handys quasi wie Kleidung nach Laune, Tagesverfassung und den aktuellen Musikcharts ändern konnten. Und sie taten es auch. Das Geschäft mit den Klingeltönen brachte Millionenumsätze.

Heute machen die Einnahmen nur noch einen Bruchteil von damals aus. Es gibt sie aber noch – die Nutzer, die Klingeltöne für ihr Smartphone kaufen. Anfang der 2000er war es die Entwicklung polyphoner, also mehrstimmiger Klingeltöne, die den Boom auslöste und es ermöglichte, dass auch Musikstücke verwendet werden konnten. Später unterstützten Handys die Wiedergabe von MP3-Klingeltönen.

400.000 in Österreich

Der Musikwirtschaft bringt das auch heute noch ein Sümmchen ein, das man nicht so einfach ignorieren kann, auch wenn es weniger wird. "2018 wurde mit Klingeltönen ein Umsatz von 500.000 Euro erzielt, 2019 werden es voraussichtlich rund 400.000 Euro sein", sagt Thomas Böhm vom Verband der österreichischen Musikwirtschaft IFPI Austria zum STANDARD. Dabei handelt es sich lediglich um den österreichischen Markt. Und das, obwohl man im Prinzip jedes Musikstück am Computer oder per App selbst zum Klingelton machen kann – mit etwas Aufwand allerdings.

Drei Euro

Die Preisentwicklung von Klingeltönen kann dabei nur als "interessant" bezeichnet werden. 2003 zahlte man bei Jamba bis zu 1,99 Euro für einen einzelnen Klingelton. Wer glaubt, dass das damals schon viel war, hat sich die aktuellen Preise noch nicht angesehen. Im iTunes Store sind es zwischen 99 Cent und 1,29 Euro, die Apple für Hinweis- und Klingeltöne verlangt. Auf SMS.at muss man stattliche drei Euro hinlegen. Jährlich gibt es dort noch immer etwa 17.000 Downloads aller Art – beim Großteil handelt es sich um Klingeltöne.

Bei Jamba gibt es Klingeltöne, Games, Bildschirmhintergründe und Videos, mit denen man sich in Whatsapp-Gruppen unbeliebt machen kann, noch immer im Abo. Zum Preis von 4,99 Euro pro Woche. Nein, das ist kein Fehler. (Birgit Riegler, 6.11.2019)

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