Von Van Morrisons Geburtsort bis zu den Orten, an denen The Who und The Specials wegweisende Live-Aufnahmen machten, haben diese Plätze alle eine großartige Hintergrundgeschichte zu erzählen.

The Who
Foto: AP/Harry Harris

Mensa der Universität von Leeds

Das gefeierte Album "Live At Leeds" von The Who wurde am Valentinstag 1970 im Refektorium des Studentenwerks der Universität von Leeds aufgenommen. Die Band hatte sich kurz davor mit der Veröffentlichung der Rockoper "Tommy" diversifiziert, aber dieses Live-Album zeigte sie von ihrer Heavy-Rock-Seite. Darauf zu hören ist zum Beispiel eine 15-minütige Version des Hits von 1965, "My Generation". An die Aufnahme erinnert eine blaue Tafel am Eingang des Gebäudes. Das Refektorium ist immer noch ein gefragter Veranstaltungsort. Tagsüber ist es eine Cafeteria für Studenten, aber musikbegeisterte Gäste können das Auditorium bewundern und sich über die an der Wand befestigten Listen von Acts freuen, die im Lauf der Jahre dort gespielt haben. Allein 1977 gehörten dazu AC/DC, Sly and the Family Stone sowie die Byrds, Roger McGuinn, Chris Hillman und Gene Clark.

Wo: University House, Lifton Place, Veranstaltungen findet man unter leedstickets.com

Van Morrison
Foto: imago/United Archives International

Van Morrisons Haus, Belfast

Unter den Reihenhäusern und loyalistischen Murals im Osten von Belfast befindet sich das Geburtshaus von Van Morrison, ein roter Ziegelsteinbau, an dessen Bedeutung nur eine kleine Messingplatte erinnert, angebracht von der Belfast Blues Appreciation Society. Die umliegenden Straßen finden sich in einem Großteil von Morrisons Werken wieder, nicht zuletzt für in seinem klassischen Album von 1968, "Astral Weeks". Spaziert man, ausgehend von seinem Geburtshaus, bergauf, kommt man zu der von Bäumen gesäumten Cyprus Avenue, die einen seiner berühmtesten Songs inspirierte, genau: "Cyprus Avenue".

Wo: 125 Hyndford Street, Belfast

"Too Much Too Young", The Specials
The Specials

Coventry Central Library, Coventry

Steigt man eine Treppe vom Einkaufsviertel in der Mitte von Coventry hinauf, gelangt man zur Zentralbibliothek. Früher war dort das Locarno, das von The Specials frequentiert wurde und wo einst der Produzent Pete Waterman Resident-DJ war. Er produzierte gemeinsam mit Mike Stock und Matt Aitken unter anderen Rick Astley, Elton John und Judas Priest. Einige der Tracks auf der ersten Nummer-eins-Platte der Band, der Live-EP "Too Much Too Young", wurden im Locarno (damals umbenannt in Tiffany's) aufgenommen. Der Song "Friday Night, Saturday Morning" erzählt von einer versoffenen, tragikomischen Nacht in dem Club. Chuck Berrys einzige britische Nummer-eins-Platte, "My Ding-A-Ling", wurde im Februar 1972 ebenfalls live im Locarno aufgenommen.

Wo: Smithford Way, Coventry

"Caravan of Love", The Housemartins
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Paul Heatons Haus, Hull

In den frühen 1980er-Jahren lebte Paul Heaton von den Housemartins (und später bei Beautiful South) in einem gemieteten Haus in der Grafton Street, ein paar Meilen nördlich des Stadtzentrums, wo viele Songs der Band geschrieben wurden. Eines der bekanntesten Lieder der Housemartins ist "Caravan of Love". Im Juni 1985 unterzeichneten die Housemartins ihren Plattenvertrag mit Go! Discs auf der Bühne während eines Auftritts im zwei Straßen entfernten New Adelphi Club. Ihr Debütalbum "London 0 Hull 4" folgte bald darauf. Der Deal beinhaltete drei Fußballdressen für die lokale Jugendmannschaft Dane Villa, die umgehend ihren Namen in Housemartins AFC änderte.

Wo: 70 Grafton Street, Hull

Lakota Club

Lakota Club, Bristol

In einer alten Brauerei am Rande des Viertels St. Paul in Bristol, nur einen kurzen Spaziergang von den Cafés und Bars von Stokes Croft entfernt, schafft das Lakota eine Verbindung zur musikalischen Vergangenheit der Region. In den 1990er-Jahren wurden hier Drum-'n'-Bass-Abende von lokalen Acts wie Roni Size veranstaltet. Es finden weiterhin Clubabende statt. Es ist auch ein guter Ausgangspunkt für die Erkundung einer Gegend, die für die Entwicklung der Musikszene in Bristol von zentraler Bedeutung war, vom jährlichen Karneval in St. Paul bis zum Bamboo Club, einem Reggae-Veranstaltungsort in der 7 St Paul Street, in dem Desmond Dekker und Bob Marley spielten. Der Bamboo Club brannte im Dezember 1977 nieder – zehn Tage bevor die Sex Pistols hier auftreten sollten.

Wo: 6 Upper York Street, Lakota Club

Strawberry Studios

Strawberry Studios, Stockport

Die Strawberry Studios gehörten Mitgliedern der Rockband 10cc, die oft als Hausband für eine Reihe von Künstlern auftraten, darunter auch für die Fußballklubs von Everton und Manchester City, Neil Sedaka und Ramases, einem Heizungsingenieur aus Sheffield, der sich den Kopf rasierte, ägyptische Roben trug und hier den verlorenen psychedelischen Klassiker "Space Hymns" aufnahm. Mit zunehmendem kommerziellem Erfolg investierten 10cc in neue Technologien, die sie zu weiteren Experimenten anspornten, zu hören beispielsweise bei den geloopten Backing-Vocals von "I'm Not In Love". Das Hightech-Studio wurde zum bevorzugten Aufnahmeort von Martin Hannett, der 1979 in Strawberry das Debütalbum "Unknown Pleasures" von Joy Division produzierte. Obwohl das Gebäude inzwischen in Büros umgewandelt wurde, ist die Fassade noch erhalten, erkennbar an dem Retroschild Strawberry Studios und einer blauen Plakette, die die musikalische Bedeutung des Gebäudes kennzeichnet. Das Stockport Museum (Eintritt frei, montags geschlossen) zeigt eine faszinierende Dauerausstellung über die Studios.

Wo: Waterloo Road, Stockport

Penny Lane
Foto: REUTERS/Phil Noble

Ehemalige Straßenbahnhaltestelle Smithdown Place, Liverpool

Obwohl es sich bei der Penny Lane der Beatles um eine Durchgangsstraße im Süden von Liverpool handelt, wandern die Personen, die das gleichnamige Lied bevölkern – der Bankier, der Friseur, der Feuerwehrmann und die Krankenschwester –, durch ein Straßenbild, das als Smithdown Place erkennbar ist – jene Kreuzung, an der die Penny Lane endet. Auf einer Verkehrsinsel im Zentrum befindet sich ein seltsames Gebäude, ein stillgelegtes Bistro (Sgt Pepper's), das ungeschickt aus dem ursprünglich von Paul McCartney in seinen Texten erwähnten "Wartehäuschen mitten in einem Kreisverkehr" umgebaut wurde. Die Gegend ist reich an Fab-Four-Überlieferungen: John Lennon und George Harrison besuchten die Dovedale-Grundschule um die Ecke, Lennon lebte eine Weile mit seiner Mutter in der Nähe, während McCartney im Chor der St.-Barnabas-Kirche sang, die die Kreuzung überblickt. Von dort führt eine Straße zu Mimis Haus, Lennons Tante, eine andere zum Haus der Familie McCartney. Es ist ein guter Ausgangspunkt für eine Reise durch die Gegend, wo die Beatles ihre Kindheit verbracht haben. Und die sich in einer Reihe autobiografischer Lieder wiederfindet: "In My Life", "Strawberry Fields Forever" und "Penny Lane".

Wo: Penny Lane, Liverpool

TheHumanLeagueVEVO

Crazy Daisy, Sheffield

"You were working as a waitress in a cocktail bar when I met you", singt Phil Oakey auf der 1981er-Hitsingle von The Human League. Ein Jahr zuvor hatte er Susan Ann Sulley und Joanne Catherall auf der Tanzfläche des Crazy-Daisy-Nachtclubs in Sheffield getroffen, in einem Keller unter einem heutigen Sainsbury's-Supermarkt. Er engagierte sie sofort als Tänzerinnen und Backgroundsängerinnen. Daraus wurde die zweite Besetzung von The Human League (die Gründungsmitglieder der Band, Ian Craig Marsh und Martyn Ware, hatten 1980 die Band verlassen, um Heaven 17 zu gründen). Die zufällige Begegnung stellte einen Wendepunkt für die Gruppe dar und führte zu ihrem dritten Album "Dare" – einem Synthpop-Meisterwerk – und zu der Nummer-eins-Single sowohl in den USA als auch in Großbritannien.

Wo: 19–21 High St, Sheffield

Roxy Music
Foto: REUTERS/Mike Segar

Hatton Gallery, Newcastle

Der enorme Einfluss der britischen Art Schools auf Rockbands ist bei Roxy Music vielleicht am offensichtlichsten. Sänger Bryan Ferry studierte Mitte der 1960er-Jahre Bildende Kunst an der Newcastle University, wo er vom Künstler Richard Hamilton unterrichtet wurde, der die Hülle für das "Weiße Album" der Beatles entwarf. Die frühen Bands von Ferry, City Blues und Gas Board, spielten unter anderem R 'n' B, der später von Roxy Music umgestaltet und deformiert wurde. Die Hatton Gallery in der Kunstschule der Universität zeigt regelmäßig Ausstellungen (bis Jänner 2020 eine des amerikanischen Popkünstlers Roy Lichtenstein) und beherbergt die dort dauerhaft ausgestellte "Merz Barn Wall" von Kurt Schwitters.

Wo: Kings Road, Newcastle University, Newcastle upon Tyne, Hatton Gallery

David Bowie
Foto: Getty Images/Michael Ochs Archives

RCA-Schallplatten-Presswerk, Washington, Tyne and Wear

Das RCA-Plattenwerk in Washington, direkt an der Autobahn A1 und unweit des Angel of the North, war einst eine hochmoderne Fabrik, wo feinstes Vinyl gepresst wurde. Das 1970 eröffnete Haus wurde vom jungen David Bowie besucht, kurz nachdem er beim Label RCA unterschrieben hatte. Der Star verteilte Kuchen an die verblüfften Mitarbeiter. Mitte der 1970er-Jahre waren die Bestellungen jedoch geschrumpft, und das Werk schien geschlossen zu werden. Dieses Schicksal wurde 1977 abgewendet, als der größte Star des Labels, Elvis Presley, starb. Die Produktion wurde sofort erhöht, um die Nachfrage nach Neuauflagen der Aufzeichnungen des King zu befriedigen. Das Werk wurde bis 1981 weiterbetrieben. Lokale, unabhängige Labels und Acts ließen ihre Platten bei RCA Washington pressen, einschließlich The Police, die 1977 zu Besuch waren, um ihre erste Single abzuholen, "Fall Out". (red, 4.12.2019)

Wo: Armstrong Industrial Estate, Washington