Die Aluminiumdose war unter umweltbewussten Konsumenten einst verpönt. Heute setzten Getränkehersteller auf ihren hohen Recyclingwert, um gegen Plastikmüll vorzugehen.

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Wien – Pop-Art-Pionier Andy Warhol stellte die Kunstwelt mit einer Blechdose auf den Kopf. Im Jahr 1962 wählte er eine Suppenkonserve, wie sie im Supermarkt Regale füllt, als Sujet für ein Gemälde. Aluminium wäre zwei Jahrhunderte davor als königliches Geschenk durchgegangen, ist aber derart banal geworden, dass der US-Künstler damit die Fachwelt provozierte. Blechdosen, zunächst aus Eisen und Zinn, später aus Aluminium, sind zum Wegwerfprodukt geworden. Ihre Geschichte illustriert die drei wesentlichen Ansätze, um Ressourcen zu schonen:

Ikone des Banalen: Der US-Künstler Andy Warhol rückte die Blechdose ins Rampenlicht.
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  • Verzicht

Anfang der 1970er-Jahre kam die Expertengruppe Club of Rome in ihrem berühmten Bericht über die Grenzen des Wachstums zu der Einschätzung, dass wesentliche natürliche Ressourcen wie Erdöl und Metalle bald aufgebraucht sein würden. Den Vorräten an Aluminium gaben die Prognostiker 31 bis 55 Jahre. Die logische Antwort auf den drastischen Ausblick war, weniger zu konsumieren. Nur mit Verzicht könne das System vor dem Zusammenbruch bewahrt werden, argumentierten die Autoren. Blechdosen waren bei umweltbewussten Verbrauchern schon bald verpönt.

Diese Prognosen waren großteils falsch. Heute werden über 200 Milliarden Aludosen im Jahr verbraucht – Tendenz steigend, wie Marktanalytiker schätzen. Einer der wichtigsten Märkte ist die Heimat von Coca-Cola und Pepsi. Insgesamt haben die USA ihren Verbrauch von Aluminium vom Erscheinen des Club-of-Rome-Berichts bis zur Jahrtausendwende in etwa verdoppelt, wie aus Daten des US Geological Survey hervorgeht. Keine Kunst, denn durch neue Funde sind die bekannten Vorkommen heute 30-mal größer als in den 70er-Jahren.

  • Recycling

Die pessimistischen Prognosen des Club of Rome waren falsch, aber das ist ein schwacher Trost für Umweltschützer. Selbst wenn die Menschheit von dem Rohstoff genug für tausende Jahre hätte, schadet die Verwertung der Umwelt. Rund zwei Prozent des globalen Energieverbrauchs stammen aus der Aluminiumproduktion – eine Last für das Klima.

Die hohen Stromkosten machen es jedoch attraktiv, alte Aludosen wiederzuverwerten. Benutztes Aluminium wiederaufzubereiten spart rund 95 Prozent der Energiekosten. Heute besteht die typische Dose zu rund 70 Prozent aus recyceltem Material. Getränkehersteller setzen sogar auf Alu, um Konsumenten anzusprechen, die Plastikmüll vermeiden wollen. Hartgesottene Umweltschützer sehen darin die Wahl zwischen Pest und Cholera. Aber die Dose hat noch ein Ass im Ärmel.

  • Effizienz

Ohne die Größe der Getränkedose zu verändern, gelang es den Herstellern binnen 50 Jahren, das Gewicht von über 80 auf rund 13 Gramm zu reduzieren. Aus neugewonnenem Aluminium, das im Jahr 1960 zu einer einzigen Dose gepresst wurde, können heute in Kombination mit Recycling mindestens 25 erzeugt werden. Das spiegelt sich auch in den Zahlen wider: Seit dem Jahr 2000 sinkt der jährliche Aluminiumverbrauch der USA und liegt heute auf dem Niveau der 70er-Jahre – nicht nur, aber auch wegen der banalen Blechdose. (Leopold Stefan, 27.11.2019)