Tiktok steht – erneut – in der Kritik.

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Immer populärer wird die chinesische Social-Media-App Tiktok – und immer mehr steht die Plattform in der Kritik. Nun gibt es erneut Vorwürfe, die von jemanden erhoben werden, der "Einblick in die Moderationsstrukturen und die Policy hat", wie die Plattform "netzpolitik.org" berichtet.

Tiktok wolle nämlich aus Sicht der Plattform "verwundbare" User schützen, indem Postings von Nutzern, die als solche eingestuft werden, schlicht versteckt werden. So hätten Moderatoren die Anweisung, Videos von Personen, die eine Behinderung haben, User aus der LGBTQ+-Community und übergewichtige Menschen, als "Risk 4" zu markieren. Dadurch wird die Reichweite ihrer Beiträge massiv eingeschränkt: So werden Postings dann nur mehr bei Nutzern aus demselben Land angezeigt.

Keine Beiträge im Feed

Bei Personen, die aus Sicht der Plattform besonders gefährdet sind, wurde das noch weiter ausgeweitet – bei 6.000 bis 10.000 Ansichten wurden sie als "Auto R" markiert – das wiederum bedeute, dass ihre Inhalte als nicht empfohlen gelten. Somit landen sie gar nicht erst in dem algorithmisch erstellten Newsfeed ("Your Feed", den Nutzer einsehen können, wenn sie die App verwenden.

Eine gänzliche Entfernung ist das somit nicht – jedoch effektiv eine ähnliche Vorgehensweise wie sogenanntes "Shadow Banning", die populäre Plattformen wie Instagram und Co anwenden. Dabei werden Postings von Personen zwar nicht gelöscht, aber versteckt. Beispielsweise handelt es sich dabei um Beiträge mit sexuellen Inhalten, die aber nicht eindeutig eine Sperre zur Folge hätten.

Tiktok: Nicht als "langfristige Lösung" gedacht

Tiktoks Feed ist ein essentieller Weg für Nutzer der Plattform, um dort Bekanntheit zu erlangen. Auf diese Weise kann das große Publikum des sozialen Mediums erreicht werden – nicht aber für Menschen mit Behinderung. Als Beispiele genannt werden in den Richtlinien "Autismus", "Downsyndrom" und "entstelltes Gesicht", schreibt "netzpolitik.org" , Moderatoren sollen aber auch selbst Urteile fällen und Nutzer markieren.

Mitarbeiter hätten immer wieder Kritik an die Vorgehensweise ausgeübt, jedoch sei diese ignoriert werden. Die Anweisungen seien direkt aus der Unternehmenszentrale in China gekommen. Mittlerweile hat die Firma aber ihre Meinung geändert – der Plattform zufolge habe man die Methodik anfangs gewählt, um Mobbing entgegenzuwirken, als "langfristige Lösung" sei sie aber nicht gedacht gewesen. Dem sei man sich auch klar geworden, weswegen Tiktok nicht mehr so vorgehe. (red, 3.12.2019)