Trump verkündete das angeblich bevorstehende Ende des Handelsstreits auf Twitter. Wie üblich.

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Washington – Unterhändler der USA und China befinden sich übereinstimmenden Medienberichten zufolge in den letzten Zügen für ein partielles Handelsabkommen, das neue Strafzölle auf chinesische Konsumgüter vorerst verhindern würde. Die US-Unterhändler hätten der chinesischen Seite zudem angeboten, bereits bestehende Strafzölle zu verringern, berichtete am Donnerstag unter anderem das "Wall Street Journal".

Auch der Sender Fox Business berichtete dies unter Berufung auf mit der Angelegenheit betraute Personen. Das Weiße Haus wollte sich zunächst nicht dazu äußern.

Das "Wall Street Journal" berichtete unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen, die US-Unterhändler hätten angeboten, existierende Zölle auf chinesische Exporte in die USA um 50 Prozent zu senken. Dies betrifft Waren im Wert von 360 Milliarden Dollar. Die US-Unterhändler hätten zudem angeboten, neue Sonderzölle, die am Sonntag in Kraft treten sollen, vom Tisch zu nehmen. Hier geht es um Güter im Wert von fast 160 Milliarden Dollar, beispielsweise Videospielekonsolen, Computerbildschirme und Spielzeug.

Zuletzt widersprüchliche Signale von Trump

Trump hatte bereits im Oktober eine Teileinigung in dem seit rund eineinhalb Jahren andauernden Handelskonflikt verkündet. Zur angedachten Unterzeichnung im November kam es allerdings nicht. Zuletzt hatte Trump mehrfach widersprüchliche Signale gesendet. Anfang Dezember spielte er offen mit dem Gedanken, mit einem Abkommen bis nach der US-Wahl zu warten. Am Donnerstag hatte Trump dann wieder Optimismus verbreitet und auf Twitter geschrieben, dass man einem "großen Deal" mit China sehr nahe sei.

Am Sonntag sollen eigentlich zusätzliche Strafzölle von 15 Prozent auf in China produzierte Konsumgüter wie Laptops und Smartphones im Wert von rund 150 Milliarden Dollar verhängt werden. Sollte es dazu kommen, würden damit auf fast alle Importe aus China – Waren im Wert von rund 500 Milliarden Dollar pro Jahr – zusätzliche Gebühren erhoben werden.

Auge um Auge, Zoll um Zoll

Der Handelsstreit begann mit dem Ärger des US-Präsidenten darüber, dass China weit mehr in die USA exportiert als umgekehrt. Der deswegen im Jänner 2018 von Trump angezettelte Handelskrieg eskalierte immer weiter, und die beiden Nationen überziehen sich seither mit gegenseitigen Sonderzöllen. Das bremst die globale Konjunktur, aber vor allem jene der USA. Trump, der den Handelskrieg eigentlich zu einem seiner wichtigsten Projekte erklärt hat, ist laut Berichten daher zunehmend in Sorge vor sich verschlechternder Stimmung bei seiner Stammwählerschaft. Immerhin wird bereits im November 2020 wieder gewählt. Trump hatte im Handelsstreit schon zuletzt mehrfach unerwartete Schritte gesetzt und Fristen sprunghaft vor- und wieder zurückverschoben. (red, APA, 12.12.2019)