Sie machen den Mund auf, wo andere schweigen. Sie verausgaben sich, obwohl das Leben einer schon genug abverlangt. Sie erklären mal mehr, mal weniger geduldig Selbstverständlichkeiten. Recht auf gleiches Einkommen, gleiche Bildung, gleiche Chancen, bezahlte Care-Arbeit, auf Pension in gleicher Höhe. Sie geben Widerworte im Job, sie legen sich online mit Trollen an. Sie wissen: It's a dirty job, but somebody's got to do it. Womit aber erfreut man nun zu Weihnachten das Herz einer Feministin? Also abgesehen von nichtmateriellen Dingen wie Solidarität, der Bereitschaft zuzuhören sowie lautstark mitzustreiten, statt – "Meld dich, wenn du was brauchst" – konkrete Hilfsangebote zu machen.

Hier also eine wild zusammengewürfelte Liste höchstpersönlicher Favoriten. Mehr Kaschmir. Die Welt ist kalt. Kaschmir wärmt und ist dabei leicht, die Schultern müssen genug Lasten tragen.

Vielleicht ein schicker Rucksack?
Foto: AP/PATRICK GARDIN

Handfeste Jahrhundertparfums, am besten die Sorte, die seit Jahrzehnten die gestandene Frau auch mitten in der Krise senkrecht hält, sie nicht in der Sekunde verlässt, wo das Leben komplex und streitbar wird.

Roter Lippenstift. Blutrot. Ziegelrot. Dunkelrot. Je nach Teint. Gern in matt für Raucherinnen. Damit die Leute wissen, wo sie hinschauen sollen, derweil man sie anschreit. Lauter Nagellack, der schnell trocknet, die Feministin hat wenig Zeit.

Stellen Sie die richtigen Fragen

Kleider mit Taschen, for fuck's sake. Hosen mit Taschen. Mäntel mit tiefen Taschen. Wegen Freiheit, Lebensgefühl, Körperhaltung und Standhaftigkeit. Wie soll man ohne die geballte Faust in der Tasche das Patriarchat besiegen? Merke: Outfits sind eine Rüstung, die wir uns täglich aufs Neue anziehen. Und auch die Modewelt wird ein besserer Ort, wenn taschenlose Albernheiten verschwinden.

Taschen oder Rucksäcke, die erstens richtig gut aussehen und zweitens richtig praktisch sind. Also: Träger zum Quertragen, leichtes Material, damit zum Gewicht der Beschwernisse des Lebens nicht auch noch das der Tasche oder des Rucksacks dazukommt. Je nach gesundheitlicher Glaubensrichtung Rum, Whiskey, Bourbon oder einfach richtig guter Tee aus der Fachhandlung.

Geschenke für alle • Grundsätzlich ist die Geschlechtertrennung beim Schenken natürlich idiotisch. Wie die Journalistin Margarete Stokowski so schön schrieb: "Würde man einem Mann alles aus der Männerkategorie kaufen, könnte er ein halbes Jahr in der Antarktis überleben und dabei die ganze Zeit besoffen sein. Würde eine Frau alles aus der Frauenabteilung bekommen, könnte sie eine Reihe aus Kuscheldecken einmal komplett um die Erde legen und sich professionell manikürt und wohlriechend darauf rekeln." Braucht die Feministin eine Axt? Ein Megafon? Eine Säge? Eine Powerbank von wegen Empowerment? Eine goldene Mistgabel zum Marodierend-durch-die-Straßen-Ziehen? Hören Sie gut zu, und stellen Sie die richtigen Fragen.

Frauen, die lustig sind – und deppert auch

Das naheliegendste Geschenk: Filme, Serien, Bücher von Frauen über Frauen. Leiwande wie nicht so leiwande Frauen. Frauen, die gewinnen, Frauen, vor denen man sich fürchtet, Frauen, die scheitern, Frauen, die lustig sind – und deppert auch. Schriften und Biografien von Frauen, die schon vor Jahrhunderten den Mund aufgemacht haben, damit man sich weniger einsam fühlt.

Und nun geht's ans Eingemachte: Die Sorte Geschenke sollte man allen machen. Nicht nur konsumieren wir mehr Kulturprodukte von Männern, wir verschenken auch mehr. Warum eigentlich? Listen und Empfehlungen gibt es genug. Klar sind Eulen in Athen nicht einsam und offene Türen leichter zu durchschreiten. Aber neue Welten zu eröffnen ist grundsätzlich der schönste Teil beim Schenken, das gilt für Geschenke an sich selbst wie für andere. (Julia Pühringer, 20.12.2019)