Je internationaler ein Unternehmen oder seine Investoren, umso mehr Frauen stellt es ein.

Foto: Valentina Barreto / Westend61 / picturedesk.com

Wien – International tätige Unternehmen stellen laut einer Studie der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien mehr Frauen ein als solche, die ausschließlich national agieren. Allerdings gibt es auch da Wermutstropfen: Spitzenjobs im Management bleiben vorwiegend Männern vorbehalten.

"Der Anteil von Frauen steigt dabei nur für die unteren und mittleren Ebenen der Organisationsstruktur. Top-Management-Positionen bleiben von der ,Internationalität’ ihrer Unternehmen unbeeinflusst", erklärte die Autorin der Studie, Alyssa Schneebaum, am Dienstag via Aussendung. Bei Firmen, die exportieren, ist die Wahrscheinlichkeit, eine Frau als Topmanagerin zu haben, sogar um 3,9 Prozentpunkte geringer, geht aus der Studie hervor.

30.000 Firmen untersucht

Grundsätzlich stellen Firmen, deren Mutterkonzern in einem anderen Staat domiziliert ist bzw. die in andere Länder exportieren, anteilsmäßig mehr Frauen ein als Unternehmen, die nur auf ihrem Heimatmarkt tätig sind, so die WU-Wissenschafterinnen, die die Studie erstellt haben.

Schneebaum, Assistenzprofessorin und Vizevorständin des Instituts für Heterodoxe Ökonomie an der WU sowie Wissenschafterin am Forschungsinstitut Economics of Inequality, nahm mit ihrer Kollegin Carolina Lennon mehr als 30.0000 Unternehmen in rund hundert Entwicklungsländern und Ländern mit mittlerem Einkommen unter die Lupe. Die Untersuchung lief 2006 bis 2014.

Gerechtigkeit steckt an

Die Verteilung in den Firmen gleicht laut Studie jener in den Ländern, in denen sie tätig sind. Sind Unternehmen in Staaten mit hoher Geschlechtergleichheit aktiv, wirke sich das "generell positiv" auf die Verteilung von weiblichen und männlichen Mitarbeitern aus. Konkret stellen Unternehmen, deren Investoren oder Kunden in solchen Ländern aktiv sind, sechs bis sieben Prozentpunkte mehr Frauen an als nur im Land tätige. Geschlechtsspezifische Ungleichheit wird nicht aus anderen Ländern importiert.

Die Vereinten Nationen stufen zahlreiche europäische Staaten als Länder mit hoher Geschlechtergleichheit ein. Am besten schnitten 2018 laut Gender Inequality Index die Schweiz, Dänemark und Schweden ab. Österreich lag auf Platz 14. Die größte Ungleichheit gab es in etlichen afrikanischen Ländern.

Maßnahmen setzen

Eine Rolle spielen auch die Eigentümer. "Unternehmen mit nationalen Eigentümern stellen 17 bis 18 Prozentpunkte weniger Frauen ein als jene mit Eigentümern in Ländern mit hoher Geschlechtergleichheit, auch wenn beide auf dem gleichen Markt mit gleichen lokalen Geschlechternormen tätig sind", fand Schneebaum heraus.

Ihr Fazit: Internationalität könne Ungleichheit reduzieren, es brauche aber auch andere Maßnahmen, um Diversität in Managementpositionen zu erreichen und die Geschlechterungleichheit zu reduzieren. (APA, red, 8.1.2020)