Die Influenza stoppen: Wearables wie diese Fitbits könnten ein Tool sein, um Krankheitsausbrüche besser überwachbar zu machen.

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In Tirol mussten im Dezember zwei Schulen in Innsbruck für mehrere Tage geschlossen werden, weil jeweils mehr als die Hälfte der Schüler und einige Lehrer erkrankt waren. Die Grippewelle startete im Dezember in Tirol, allerdings dauerte es bis zur Kalenderwoche drei, dass ein massiver Anstieg von Influenzavirus-Nachweisen in klinischen Proben aus dem gesamten Bundesgebiet beobachtet werden konnte. "Dies signalisiert den Beginn der Grippewelle in Österreich", heißt es vom Zentrum für Virologie der Med-Uni Wien.

Datentracking könnte ein zusätzliches Werkzeug sein, um Grippewellen vorherzusehen. So gesehen ergibt der Ansatz von Google eigentlich Sinn: Menschen, die krank werden, setzen sich an den Computer und googeln erst einmal, um herauszufinden, was sie haben könnten. Und Google könnte dann aus solchen Anfragen Rückschlüsse ziehen und auf diese Weise erkennen, wo gerade die Influenza besonders häufig weitergegeben wird.

Doch so einfach ist es nicht: Google hat ein entsprechendes Projekt namens Flu-Tracker wieder eingestellt. "Es ist zu früh, um daraus Schlüsse für die Ausbreitung ziehen zu können", ist auf der Website nachzulesen. Was das Problem war: Wenn die Influenza ausbricht, googeln auch Menschen, die gar nicht infiziert sind, einfach aus Interesse, und es ist unmöglich, aus diesen Daten tatsächlich Erkrankte herauszufiltern. Insofern waren auch die Influenza-Prognosen von Google niemals korrekt.

Schlaf und Puls

Eine wesentlich verlässlichere Methode wären tatsächliche Körperdaten. In einer eben im "Lancet Digital Health Journal" publizierten Studie wurde untersucht, inwieweit Daten, die von Wearables wie etwa Fitbit kommen, hier zu verlässlicheren Aussagen führen könnten. Die Studienautorin Jennifer Radin vom Scripps Research Translational Institute in La Jolla in Kalifornien hat eine Studie mit 47.249 Teilnehmenden über zwei Jahre durchgeführt.

Sie alle trugen über gewisse Zeiträume Fitbits, die permanent die Herzraten gemessen haben. Bei Infektionserkrankungen steigt der Ruhepuls in der Nacht an, dazu kommen Schlafstörungen, die jeweils von den Fitbits registriert wurden. Beides wären Zeichen dafür, dass auch tatsächlich eine Infektion vorliegt. Zwar gab es statistisch eine Reihe von Uneindeutigkeiten bei der Auswertung der riesigen Datenmenge, aber insgesamt schätzen Experten, dass Wearables in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Vorhersage von Ausbrüchen haben könnten.

Sie liefern Real-Time-Daten und nicht wie bisher Daten, die rückblickend und im Wochenrhythmus erstellt werden. Bei Ausbrüchen könnten die Behörden also viel schneller Maßnahmen treffen, etwa Schulen schließen, um Epidemien zu stoppen. Insofern wären solche Methoden der Datenerstellung und -auswertung auch neue Werkzeuge für Public Health, also für all jene, die sich mit der öffentlichen Gesundheit befassen. Jedes Jahr sterben weltweit 650.000 Menschen an der Influenza, eine Zahl, die reduziert werden könnte. (Karin Pollack, 17.1.2020)