H.-C. Strache beim DAÖ-Neujahrstreffen.
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Wien – Die Schlange vor dem Eingang zu den Wiener Sofiensälen war schon vor dem offiziellen Einlass um 18 Uhr beeindruckend lang. Die Wartezeit tat der Stimmung keinen Abbruch. "Bevor ich den Nepp wähl’, kreuze ich den Strache an", meinte ein Gast. Viele hat nicht nur die angekündigte Rede von Heinz-Christian Strache hergezogen, sondern auch die Wut auf die aktuelle Wiener FPÖ. Einige tragen Buttons mit der Aufschrift: "Die beste Rache ist dein Kreuz bei HC Strache."

Schlussendlich kamen mehrere Hundert Menschen, um dem Ex-FPÖ-Chef, Ex-Vizekanzler, Ex-Freiheitlichen und bekennenden Ibiza-Fan zu lauschen. Die Liste DAÖ (Die Allianz für Österreich), die von FPÖ-Abtrünnigen gegründet wurde, bot Strache am Donnerstagabend bei ihrem ersten Neujahrstreffen die Plattform für das Comeback auf der politischen Bühne.

Auch bei dem DAÖ-Empfang wollte Strache noch nicht verkünden, als Spitzenkandidat der neuen Partei anzutreten.
Foto: Matthias Cremer

"Starkes Comeback ist mit eurer Hilfe möglich"

Und diese erklomm Strache unter euphorischen "HC, HC!"-Rufen seiner Fans zu den Klängen von Queens "Don't Stop Me Now". DAÖ-Klubchef und Strache-Intimus Karl Baron hatte zuvor schon verheißungsvoll verkündet: "Hier und heute wird Geschichte geschrieben."

Schlussendlich war Strache aber nur knapp dran, seine Spitzenkandidatur für die Wien-Wahlen im Herbst 2020 zu verkünden. Zwar seien die "Vorarbeiten geleistet", wie er meinte, aber: "Ein paar Hausaufgaben hat man noch zu tun."

An seine treue Zuhörerschaft gerichtet sagte Strache aber auch deutlich: "Ein starkes Comeback ist mit eurer Hilfe möglich." Wien brauche eine neue Bürgerbewegung. "Es ist Zeit für etwas Neues." Und es gebe bereits 2000 Bürger, die aktiv mitmachen wollen. Seinen endgültigen Entschluss wolle er aber erst etwas später bekanntgeben.

Nur zizerlweise News

Damit bleibt Strache dem Kalkül der DAÖ treu, nur zizerlweise und wohldosiert Neuigkeiten zu verkünden. Dass Strache jetzt noch als Spitzenkandidat für die DAÖ abspringt, ist aber kaum mehr vorstellbar. Diese dürfte vor der Wien-Wahl auch noch zu einer Liste umbenannt werden, die seinen Namen trägt.

Mit seiner Rede hat Strache jedenfalls den Wahlkampf der DAÖ eröffnet. Diese ließ sich auch Straches Ehefrau, die wilde Nationalratsabgeordnete Philippa Strache, nicht entgehen. Gegenüber seiner früheren politischen Heimat zog Strache auf der Bühne dann ordentlich vom Leder. Dominik Nepp, seinen Nachfolger als Chef der Wiener FPÖ, griff er frontal an: Eine "Nepp-FPÖ" liegt laut Strache "unter zehn Prozent und verschwindet in der Bedeutungslosigkeit", wie er sagte. 2015 unter Strache hatte die FPÖ mit fast 31 Prozent ihr bisher bestes freiheitliches Ergebnis erzielt.

Vielleicht-DAÖ-Spitzenkandidat Heinz-Christian Strache mit DAÖ-Gründer Karl Baron.
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Und dann kam Ibiza

Mehrmals erinnerte Strache daran, dass bis vor 251 Tagen – also bis zur Veröffentlichung des Ibiza-Videos – das politische Parkett Alltag für ihn gewesen sei. "Heute ist das etwas ganz Besonderes." Die "Hetzjagd" auf ihn dauere weiter an. Dafür verantwortlich macht er auch die FPÖ: Seine damalige Partei habe ihm die Unterstützung entsagt und "das Geschäft der Linken vollzogen". Zudem sei die aktuelle freiheitliche Spitze mit Norbert Hofer und Herbert Kickl mitverantwortlich, dass es heute eine schwarz-grüne Bundesregierung gebe. Die FPÖ sei "nur noch ein Name" und habe mit Strache "Kopf, Herz und Seele verloren". Die Freiheitlichen würden zudem aus einem "aufgeblähten Partei-Funktionärsapparat" bestehen, "den ich hinterlassen habe".

Während Strache von seinen Fans Standing Ovations erhielt, herrschte auch bei Gegnern vis-à-vis des Veranstaltungszentrums gute Stimmung. Ein Geschäft veranstaltete eine "Soli Party" und projizierte das Computerspiel "Clash of Clans" an die Hausmauer. Strache soll das Spiel auch auf Parteikosten gespielt haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Strache weiterhin in der Casinos- und Spesenaffäre. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Musikgruppe Opus erwägt rechtliche Schritte wegen Strache

Noch am Abend meldete sich die österreichische Musikgruppe Opus auf Facebook zu Wort, weil bei Straches Show auch die Hitsingle "Live is Life" gespielt wurde. "Unser Anwalt wird prüfen, ob wir dagegen rechtliche Schritte einleiten können", hieß es. Man habe kein Einverständnis gegeben, dass der Song abgespielt werden dürfe – "und werden das auch in Zukunft nicht tun!".

Drei FPÖ-Gemeinderäte gründen DAÖ

Ohne den einstigen Spitzenpolitiker als Führungsfigur macht die DAÖ jedenfalls keinen Sinn. Denn die Liste wurde im Dezember von drei ehemaligen FPÖ-Gemeinderäten einzig mit dem Ziel gegründet, Strache eine Plattform für sein Comeback zu bieten. Daraus macht Klubchef Baron auch kein Hehl.

Der Mindestanzahl von drei Mandataren – Baron, Dietrich Kops und Klaus Handler – ist es auch zu verdanken, dass die DAÖ schon jetzt mit Klubstärke im Wiener Gemeinderat vertreten ist. Weitere Wechsel von Freiheitlichen sind auf Landesebene vorerst aber nicht mehr erfolgt.

Heinz-Christian Strache hatte am 1. Oktober 2019 auf einer Pressekonferenz eigentlich erklärt, dass er jegliche politischen Aktivitäten einstellen und auch keine politischen Funktionen mehr anstreben werde. Es kam doch anders. Foto: Imago



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Auf Bezirksebene hat die DAÖ bislang nur sechs freiheitliche Überläufer überzeugen können. Je drei FPÖ-Bezirksräte wechselten in Landstraße, dem politischen Heimatbezirk Straches, und in Favoriten. Kops kündigte zudem an, dass bald weitere FPÖ-Funktionäre aus anderen Bezirken folgen könnten. Die bisherige Ausbeute ist freilich äußerst dürftig: Die Blauen halten in Wien bei mehr als 270 Bezirksräten. Und noch wurden auch keine prominenten Quereinsteiger verkündet.

Für den Außenauftritt der blauen DAÖ ist Werber Gernot Rumpold zuständig, der einst auch für die FPÖ unter Jörg Haider – unter anderem als Bundesgeschäftsführer der Partei – und später für das BZÖ werkte. Als DAÖ-Pressesprecher arbeitet auch Roland Hofbauer, Ex-Chefredakteur des mittlerweile eingestellten rechtsradikalen Magazins "Alles roger?". (David Krutzler, 23.1.2020)