Die Weltgesundheitsorganisation bleibt dabei: Der Corona-Erreger sei kaum ansteckend. China fährt dennoch die Schutzmaßnahmen hoch.

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Peking/Wuhan – Der neuen Lungenkrankheit in China sind weitere Menschen zum Opfer gefallen. Insgesamt sind demnach nun 26 Todesfälle durch Infektionen mit dem Coronavirus nachgewiesen worden, teilte die chinesische Gesundheitsbehörde am Freitag mit. Die Zahl der bekannten Infektionen stieg gegenüber dem Vortag von 644 auf 830 Fälle.

Bei weiteren 1.072 Krankheitsfällen besteht demnach der Verdacht, dass sie durch das Virus ausgelöst worden sind. Diese Fälle werden noch untersucht.

Krankenhaus eigens hochgezogen

Im Kampf gegen die Krankheit, die vermutlich durch Schlangen übertragen wurde, hatte China am Donnerstag kurz vor dem chinesischen Neujahrsfest zu drastischen Maßnahmen gegriffen. Der öffentliche Verkehr wurde in mittlerweile elf Städten unterbrochen. 37 Millionen Menschen sind abgeschottet. Tempelanlagen blieben geschlossen, um die Ausbreitung der Lungenkrankheit einzudämmen. In der am stärksten betroffenen Provinz Hubei wurde ein neues Krankenhaus eigens für Infizierte hochgezogen.

Schon gehört? Gesundheitsredakteurin Karin Pollack erklärt, wie gefährlich das neue Virus ist.

Laut der Zeitung "Changjiang Daily" wird in der Elf-Millionen-Einwohner-Metropole Wuhan aus Fertigbauteilen auf dem Gelände einer Ferienanlage das Spital mit 1.000 Betten errichtet. Es soll ab Montag einsatzbereit sein. Bestehende Krankenhäuser in Wuhan wandten sich mit Hilfsappellen an die Bevölkerung. Benötigt würden unter anderem Atemmasken, Schutzbrillen und medizinische Schutzanzüge. In Schanghai ordneten die Behörden die vorläufige Schließung des dortigen Disney-Freizeitparks an.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sah am Donnerstagabend keinen Grund, eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite auszurufen. "Es ist nicht der richtige Zeitpunkt", sagte der Vorsitzende des Notfallausschusses, Didier Houssin. Er verwies darauf, dass es im Ausland bisher nur wenige Fälle gebe und China bereits selbst weitreichende Vorkehrungen getroffen habe.

Wuhan wurde abgeschottet, der Bahnhof vorübergehend geschlossen.
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WHO nimmt Ausbruch ernst

WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte, China habe diejenigen Maßnahmen getroffen, die es für angemessen halte. "Wir hoffen, dass sie effektiv und von kurzer Dauer sind", sagte er. Die WHO empfehle keinerlei Reise- oder Handelsbeschränkungen, nehme den Ausbruch extrem ernst: "Es ist noch keine Notlage von internationaler Tragweite, aber das kann es noch werden."

Laut Behördenangaben starb in China ein Patient am Mittwoch in der nördlichen Provinz Hebei. Es war der erste Todesfall außerhalb der Provinz Hubei. Jedoch war der 80-jährige Mann zuvor zu Besuch bei Verwandten in Wuhan. Die meisten Todesopfer waren bisher ältere Personen mit Vorerkrankungen. In den meisten chinesischen Provinzen sind mittlerweile Infektionen bekannt.

Fälle außerhalb Chinas

In einzelnen Fällen wurde das Virus auch schon bei Patienten in anderen Ländern wie Thailand und den USA nachgewiesen. Am Donnerstag wurde der erste nachgewiesene Fall in Singapur bekannt. Japan meldete sechs Monate vor Beginn der Olympischen Spiele in Tokio einen zweiten Fall. Der etwa 40-jährige Mann stamme aus Wuhan, teilte das Gesundheitsministerium am Freitag mit. Er sei zu Besuch in Japan. Er werde in einem Krankenhaus in Tokio behandelt, hieß es. Auch in Vietnam wurden zwei Fälle des Coronavirus gemeldet. In Europa ist bisher kein Fall bekannt.

Mit der Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest am Samstag wächst die Gefahr einer Ausbreitung der Krankheit. In Peking wurden aus Angst vor dem Virus alle größeren Veranstaltungen und Tempelfeste anlässlich des Neujahrsfests gestrichen. Zudem wird der Kaiserpalast von Samstag an für Besucher geschlossen.

Die Reisewelle kurz vor dem chinesischen Neujahrsfest begünstigt die Ausbreitung des Coronavirus.
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Kaum ansteckender Erreger

Das Coronavirus ist nach Einschätzung von Experten weiter ein kaum ansteckender Erreger. Die meisten Fälle beträfen nach wie vor Wuhan, das Virus habe sich nicht sehr stark ausgebreitet, sagte der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit. Zudem habe sich kaum Krankenhauspersonal angesteckt, und auch bei den Fällen in anderen Ländern habe es bisher keine Übertragung auf weitere Menschen gegeben. "Vielfach geht das Virus höchstens auf einen weiteren Menschen über, dann läuft sich die Infektion tot", sagte er.

Auch nach WHO-Informationen haben sich Menschen bisher nur bei engem Kontakt mit Infizierten angesteckt, in der Familie oder in Praxen und Gesundheitszentren. Das Virus sei zudem bisher stabil, es seien keine Mutationen beobachtet worden, sagte Michael Ryan, Direktor des WHO-Notfallprogramms. Coronaviren gelten als sehr anpassungsfähig und wandelbar – Veränderungen im Erbgut könnten das neue Virus gefährlicher und ansteckender machen.

Die Entwicklung eines Impfstoffs wird nach Einschätzung der globalen Impfallianz Gavi mindestens ein Jahr dauern. Bisher gebe es keine effektive Behandlungsmöglichkeit von Infizierten, sagte Ryan. Den Menschen könne im Krankenhaus mit Atemhilfen und der Überwachung der Organfunktionen geholfen werden. (APA, dpa, 24.1.2020)