Moderation auf sozialen Medien ist für die Psyche keine leichte Kost – das wissen auch Arbeitgeber. Betreuung gibt es trotzdem selten.

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Der Job als Moderator auf Social-Media-Plattformen ist kein leichter: Schließlich müssen Mitarbeiter sich mit eine Flut von Inhalten befassen, die womöglich illegal und verstörend ist – beispielsweise Fotos von Sodomie, Antisemitismus und Co. Innerhalb kürzester Zeit sieht man menschliche Abgründe, die kaum jemand in so einer Trageweite zu Gesicht bekommt. Nicht überraschend ist demnach, dass das zu psychischen Erkrankungen führen kann. Psychologische Betreuung, die vom Arbeitgeber finanziert wird, gibt es dafür meistens nicht.

Absicherung

Das wissen auch die großen IT-Konzerne – die sich nun rechtlich absichern. Contentmoderatoren auf Youtube müssen nun unterzeichnen, dass ihr Job negative Effekte auf ihre Psyche haben und zu einer Posttraumatische Belastungsstörung führen kann. Das berichtet "The Verge". Wer bei Accenture, einen Auftragnehmer von Google, der unter anderem Moderatoren managt, anfangen möchte, soll im Vorfeld unterschreiben. Eingeführt wurde das Dokument, nachdem das Medium eine Recherche veröffentlichte, dass das Ausmaß dieser Krankheiten bei Mitarbeitern der Konzerne illustriert.

Neuester Vertrag

Gegenüber dem britischen "Guardian" erklärte Accenture, dass schon in der Vergangenheit Mitarbeiter informiert wurden, der neueste Vertrag wird nun an neue und alte Mitarbeiter weitergetragen. Es gebe aber "keine Konsequenzen", wenn man ihn nicht unterzeichnen möchte. Dem Unternehmen sei es wichtig, dass es den Mitarbeitern gut geht, daher wolle man sicherstellen, dass die Moderatoren sich über die Arbeit, die sie machen, bewusst sind.

Hohe Mitarbeiterfluktuation

Die schwierigen Arbeitsbedingungen führen auch zu einer hohen Mitarbeiterfluktuation. Ein längerer Bericht des "Wall Street Journal" über den Job als Facebook-Moderator illustrierte schon Ende 2017 die Situation: In der Bay Area soll der Stundensatz für diese Art von Job zwischen 13 und 28 Dollar liegen. Die Fluktuation ist hoch. Die meisten arbeiten maximal ein paar Monate oder ein Jahr bei der gleichen Firma, ehe sie freiwillig gehen oder ihr Arbeitsauftrag endet.

Manche werfen in den ersten Tagen bereits hin. Andere fühlen sich auch nach Ende ihres Dienstverhältnisses noch lange belastet von den Dingen, die sie gesehen haben und das von ihnen beklagte Fehlen emotionaler Unterstützung. (red, 26.1.2020)