Sie hätten alles sagen können. Datenanalystin, Influencer, App-Entwickler oder Youtuberin zum Beispiel. Aber die meisten entschieden sich für altbekannte Berufe, in denen sie sich mit 30 Jahren sehen.

Sie, das sind jene 15- und 16-jährigen Schülerinnen und Schüler aus 41 Ländern, die beim Pisa-Test 2018 teilnahmen. Und im Anschluss einen Fragebogen zu ihren Erwartungen ans Berufsleben ausfüllten. Diese Daten und jene aus dem Jahr 2000 hat die OECD für die neue Studie "Dream Jobs? Teenagers Career Aspirations and the Future of Work" ausgewertet.

Obwohl die Arbeitswelt besonders seit der einziehenden Digitalisierung und Automatisierung einem Wandel unterliegt, haben sich die Traumberufe der Jugendlichen in den vergangenen 20 Jahren kaum verändert. Die Bandbreite der Interessen fokussiere sich laut OECD sogar zunehmend auf wenige Berufe und beinhaltet kaum Tätigkeiten, die mit der Digitalisierung entstanden sind.

Weltweit sehen sich 47 Prozent der Burschen und 53 Prozent der Mädchen in einem von zehn besonders oft genannten Berufen. Darunter Ärztin, Lehrer, Managerin, Anwalt, Architektin, Polizist bei beiden Geschlechtern. Bei den Mädchen zählen noch Hebamme oder Krankenpflegerin, Psychologin, Tierärztin und Designerin zu den populären Jobs. Bei den Burschen Ingenieur, IT-Fachmann, Sportler und Mechaniker.

Digitale Jobs schwer vorstellbar

Das lasse auf eine "geringe Vorstellungskraft bezüglich der Vielfalt des Arbeitsmarkts schließen", schreiben die Studienautoren. Auch in Österreich beobachten sie die Tendenz zu Jobs, die "größtenteils aus dem 19. und 20. Jahrhundert stammen", wenngleich etwa vier von zehn Jugendlichen einen der zehn am häufigsten genannten Jobs angaben.

Das ortet auch Wolfgang Bliem vom Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw). "Die neuen Berufe sind für die Jugendlichen nicht sichtbar und vorstellbar. Sie entscheiden sich dann oft für das, was sie kennen oder in der Schule und von den Eltern gehört haben." Und: Viele fänden es attraktiv, als Influencer zu arbeiten, wüssten aber, dass es nur wenige schaffen, davon zu leben.

Arzt oder Ärztin ist als Berufswunsch bei vielen 15- bis 16-Jährigen hoch im Kurs, zeigt eine aktuelle OECD-Studie.
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Laut OECD dürften die Jugendlichen auch wenig Wissen darüber haben, dass manche Berufe in den nächsten Jahren wegfallen könnten. Insgesamt 39 Prozent der Jobs, die sie angaben, könnten in den nächsten zehn bis 15 Jahren automatisiert werden, schreiben die Studienautoren.

Geschlechterunterschiede

In Österreich liegen die Angaben circa im OECD-Schnitt. Insgesamt geben besonders Burschen und sozioökonomisch benachteiligte Jugendliche solche Jobs als Traumberuf an, während sich Mädchen etwa für Pflegeberufe sowie soziale und kulturelle Jobs entscheiden, die der Studie zu folge zukunftsträchtig sind.

Ein weiterer Geschlechterunterschied zeigt sich bei den Jugendlichen, die in Mathematik und Naturwissenschaften gut abschnitten: Jeder fünfte österreichische Schüler in dieser Gruppe interessiert sich für einen Beruf im Bereich Naturwissenschaften oder Ingenieurwesen, aber nicht mal jede zehnte Schülerin. Dafür will rund jede vierte Schülerin, die hier gute Resultate hatte, einen Job im Gesundheitswesen – hingegen nur jeder zehnte Schüler.

Und welche Art von Ausbildung wollen die Jugendlichen nach der Schule einschlagen, um den Traumjob zu erreichen? Hier fällt gerade in den österreichischen Antworten auf, dass besonders viele leistungsstarke Schülerinnen und Schüler trotz ihrer schulischen Erfolge keine tertiäre Ausbildung anstreben.

Background beeinflusst Bildungsweg

Dabei zeigt sich auch: Das Bildungsniveau der Eltern und der finanzielle Background beeinflussen diese Meinung. Rund 21 Prozent der privilegierten, leistungsstarken Jugendlichen streben keinen Abschluss einer Hochschule oder berufsbildenden höheren Schule an.

Unter den benachteiligten High Performern geht rund die Hälfte davon aus – das ist deutlich über dem OECD-Schnitt von 28 Prozent. Das begründen die Autoren damit, dass die Lehrlingsausbildung in Österreich als gute Berufsperspektive gesehen werde. Jugendliche aus bildungsfernem Milieu hätten zudem öfter eine falsche Vorstellung des nötigen Bildungswegs, um im angestrebten Job zu arbeiten. Das wiederum führe oft zu einem schwierigeren Berufseinstieg.

Berufsberatung helfe

Um die Jugendlichen besser auf ihre berufliche Zukunft vorzubereiten, brauche es mehr Berufsberatung an Schulen, raten die Studienautoren. Österreich sei hier im internationalen Vergleich "nicht schlecht aufgestellt", findet Bliem vom IBW. Wichtig sei, dass die Beratung nicht bloß einen Termin umfasst, sondern ein längerer Prozess ist.

Dennoch reichen laut OECD und Bliem bereits kleine Schritte, wie der Besuch einer Jobmesse, ein Gespräch mit Berufsvertretern oder ein Beratungsgespräch, damit Jugendliche weniger geschlechter- und milieuspezifische Jobs anstreben und das mögliche Jobspektrum erweitern. Auch im digitalen Bereich, sagt Bliem: "Wir wissen von Beratern, dass man die Jugendlichen über Jobs wie Blogger oder Influencer abholen kann, um ihnen digitale Jobs mit guten Berufschancen näherzubringen." (set, 31.1.2020)