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Es klingt so unwiderstehlich, einfach paradiesisch: Die neue Arbeitswelt ist getragen von zwei Ps (Purpose & Passion), von Sinn und Leidenschaft. Seit Jahren wird das der Elite, den gut Ausgebildeten, eingebläut. Versetzt mit sehr schönen Bildern von Hängematten in tropischen Gefilden und einem – bewusst oder unbewusst – missverstandenen New-Work-Konzept mit den Grundpfeilern Freiheit, Selbstverantwortung und einer Arbeit, die man "wirklich, wirklich" will. Unternehmen tun in ihrer Arbeitgeberwerbung so, als würden sie sich selbst genau um diese Ansprüche herum neu stricken und garnieren das noch mit spannenden Aufgaben und der großen Gestaltungsmacht im Zentrum der Digitalisierung für Software-Leute.

Ein einziger riesiger Wald voller Einhörner für jede und jeden. Und alle suchen sie und strengen sich wirklich an, noch mehr Qualifikationen und Ausbildungen zu machen, um diese Einhörner auch endlich zu finden.

Tatsächlich zerbrechen ganze Kohorten der sogenannten Millennials gerade auf dieser Jagd.

Kein Einhorn in Sicht

"Millennial-Burnout" nennt sich eines der "unerklärlichen" Phänomene. Große Enttäuschung bildet sich in Umfragen (etwa von Deloitte) international in der Generation der rund 30-Jährigen ab, weil das, was versprochen wurde, nicht auffindbar ist. Und gleichzeitig der Druck, permanent Glücksgefühle, Leidenschaft und Sinnerfahrung im Arbeitsleben zu empfinden, übermächtig geworden ist. Umso mehr, je weniger diesem absurden Anspruch an sich selbst entsprochen werden kann.

Mit mir stimmt etwas nicht, weil ich das in meiner Position so nicht empfinde, ist ein oft geäußertes Selbsturteil nach Podiumsdiskussionen beim Buffet, wenn es dann ehrlicher zugeht. Das ist doch nicht wahr.

Was für ein Missverständnis, den höheren Lebenssinn inklusive ununterbrochenem Glücksgefühl tagtäglich über Jahre in der Arbeitswelt finden zu wollen. Die ist oft leider nicht einmal gerecht oder reziprok, entlohnt oft nicht wirklich die Anstrengungen. Zumindest nicht ad hoc.

Alles stimmt, wenn der Job als Auf und Ab empfunden wird, mal eher sinnlos, mal spannend und cool. Solange die Arbeit nicht in Widerspruch zum eigenen Wertekanon steht und Erreichtes auch sichtbar wird, stimmt alles. Das ist ein anderer Sinn. Kein Einhorn. (4.2.2020)