Andy Gill ist nach kurzer Krankheit verstorben.

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Während in großen Teilen Englands noch Punk wütete, hatte ihn die Band Gang of Four bereits weiter gedacht. Chef der 1976 in Leeds gegründeten Band war Andy Gill. Der bis zuletzt als Gitarrist und Produzent tätige Musiker ist nun nach kurzer Krankheit gestorben. Gang of Four nannten sich nach der chinesischen Viererbande.

1978 erschien ihre erste Single, 1979 ihr zynisch "Entertainment" genanntes Debüt. Es sorgte für Furore dies- und jenseits des Atlantiks. Der Post-Punk der Gang war tanzbar, das Wort vom kalten Funk beschrieb ihre Musik treffend, zumal Gill und Co sich ihre Zutaten bei Disco, Dub, linker Ideologie und eben Funk borgten. Damit schufen sie eine Ästhetik, die sich als nachhaltig und einflussreich erweisen sollte.

Bandauflösung 1984

Der am Neujahrstag 1956 als Andrew James Dalrymple Gill geborene Chef der Band wurde berühmt für sein gleißendes Gitarrenspiel, das kantig und unwirsch klang. So entstanden Songs wie To Hell With Poverty, I Love A Man In A Uniform oder Paralyzed – allesamt Synonyme für die Post-Punk-Ära. Nach vier Studio- und einem Live-Album war 1984 Schluss mit der GOF, die die britische Radiolegende John Peel eine der innovativsten ihrer Zeit nannte.

Gang Of Four

Andy Gill verlegte sich aufs Produzieren und legte Hand an Alben von Bands wie Red Hot Chili Peppers, The Jesus Lizard, die Stranglers oder Killing Joke. Manchmal mit bescheidenem Einfluss.

Über seine Arbeit mit The Jesus Lizard sagte er zum STANDARD einmal, er habe nicht wirklich viel für das Album "Blue" getan, aber er verbuche für sich, dass es das erste der Band gewesen sei, bei dem man die Texte halbwegs verstanden hätte. Dann grinste er.

Der Einfluss der in den Nullerjahren reformierten Gang Of Four ist in der Musik von LCD Soundsystem, Franz Ferdinand oder Rapture allgegenwärtig. Am Samstag ist Andy Gill an einer Atemwegserkrankung gestorben, er wurde 64 Jahre alt. (Karl Fluch, 2.2.2020)