Ärzte, die die Software einsetzten und die elektronische Gesundheitsakte öffneten, konnten in einem Pop-up-Menü auswählen, wie groß die empfundenen Schmerzen sind.

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Ein Großteil der US-Bevölkerung, die von der Opioidkrise in den Vereinigten Staaten betroffen ist, wurde durch legale Mittel abhängig. Ein Start-up aus San Francisco hat wohl in der jüngeren Vergangenheit eine Rolle dabei gespielt, hat es doch mutmaßlich eine Software entwickelt, die dabei helfen soll, die Zahl der Rezepte für Schmerzmittel zu erhöhen – so zumindest der Vorwurf des US-Justizministeriums.

Das Unternehmen Practice Fusion hat, wie "The Verge" berichtet, zehntausende Arztpraxen in den USA beliefert. Es gibt die Vorwürfe im Rahmen einer Einigung zu und muss der Regierung 145 Millionen Dollar zahlen.

Empfehlungen mitverfasst

Ärzte, die die Software einsetzten und die elektronische Gesundheitsakte öffneten, konnten in einem Pop-up-Menü auswählen, wie groß die empfundenen Schmerzen sind. In einem Drop-down-Menü wurden dann mehrere Behandlungsmethoden angegeben – darunter auch das Verschreiben von opioidhaltigen Schmerzmitteln. Das Start-up habe dabei Geld von Pharmaunternehmen angenommen, um bei der Verfassung der Empfehlungen mitzuwirken. Ärzte wurden darauf hingewiesen, dass die Firmen beim Design eine Rolle gespielt haben.

Staatsanwältin: "Abscheulich"

Etwa 230 Millionen Empfehlungen habe es zwischen 2016 und 2019 durch die Software gegeben. Die US-Staatsanwältin des Bezirks Vermont, Christina E. Nolan, bezeichnete die Praktiken von Practice Fusion als abscheulich. So habe die Firma ein Schmiergeld in Millionenhöhe durch ein "Opioid-Unternehmen" angenommen, um sich in die Arzt-Patienten-Beziehung einzumischen. (red, 3.2.2020)