Washington – Dafür, dass sich die Weltbank grundsätzlich dem Guten verschrieben hat, gerät sie oft ins Kreuzfeuer der Kritik. Sie vergibt beispielsweise zinslose Darlehen zur Armutsbekämpfung an Entwicklungsländer, allerdings werden ihr Ineffizienz, Intransparenz, Maßnahmen, die zu Menschenrechtsverletzungen führen, oder wirtschaftspolitische Manipulation immer wieder zur Last gelegt. Wenn dann zwei Chefökonomen in Folge nach nicht einmal anderthalb Jahren das Handtuch werfen, trägt das nicht zur Imagepolitur bei.

15 Monate: Länger bleiben Chefökonomen in der Weltbank offenbar nicht mehr in ihrer Funktion. Kürzlich gab Pinelopi "Penny" Koujianou Goldberg bekannt, als Chefökonomin zurückzutreten. Besagte 15 Monate hatte sie die Position inne, seit November 2018. Sie tat es ihrem Vorgänger Paul Romer gleich. Auch er verließ die Weltbank nach derselben Zeit.

Penny Goldberg lässt die Hintergründe für ihre Entscheidung offen. Spekulationen gibt es natürlich trotzdem.
Foto: APA/AFP/NICHOLAS KAMM

Zahlungsströme in Steueroasen

Der Rückzug der griechisch-amerikanischen Forscherin kommt zu einem spannenden Zeitpunkt. Eine Studie aus Goldbergs Team zeigt, dass von der Weltbank zur Verfügung gestelltes Geld nicht zwingend im vorgesehenen Land bleibt. Kurz nachdem die Washingtoner Institution Geld an ein Entwicklungsland ausgezahlt hat, fließt oftmals ein Teil davon in Steueroasen. Konkret sind es fünf Prozent, die das Land gleich wieder verlassen. 22-mal ist das zwischen 1990 und 2010 passiert. Veröffentlicht wurde die Studie bisher nicht, die Weltbank-Leitung lässt es nicht zu. Das, obwohl ohnehin auf jeder Studie aus Goldbergs Team steht, dass diese nicht die Meinung des Managements wiedergibt.

Die Optik ist schief. Möglicherweise gibt es aber legitime Gründe für diese Zahlungsströme. Vielleicht werden Unternehmer bezahlt, die ihr Geld ins Ausland überweisen. Verifizieren lässt sich ein kausaler Zusammenhang jedenfalls momentan nicht. Goldberg selbst kommentiert ihre Beweggründe nicht, sie verweist auf ihre Schweigepflicht als Mitarbeiterin. Im britischen Magazin "Economist" wird jedoch über einen Zusammenhang zwischen der Studie und Goldbergs Rücktritt gemutmaßt.

Wertschätzung zum Abschied

Die 57-Jährige war die erste Chefredakteurin des renommierten US-Wirtschaftsmagazins "American Economic Review", ab März wird sie wieder an der Eliteuniversität Yale forschen. In einer E-Mail an ihr dortiges Kollegium schrieb sie: "Es war eine schwierige Entscheidung, aber ich fand, dass jetzt die richtige Zeit für meine Rückkehr ist."

Weltbank-Präsident David Malpass macht jedenfalls gute Miene zu einem Spiel, dessen Natur unklar ist. Mit den Worten "Ich habe Pennys intellektuelle Strenge und Neugier geschätzt. Ich werde sie als Freundin und Kollegin vermissen" verabschiedete er sie.

Same same, but different

Beim vorigen Chefökonomen Paul Romer lief es etwas anders ab. In seiner Amtszeit fiel er vor allem durch Kritik an der Weltbank auf. Er unterstellte seinen Kollegen die Manipulation des wichtigsten Weltbank-Berichts, des "Doing Business Report". Es soll interne Vorgaben zur Bewertung von Ländern gegeben haben. Die Ukraine sollte beispielsweise wegen ihrer politischen Orientierung nach Westen hin besser bewertet werden.

Dem "Wall Street Journal" erzählte Romer, Chile sei in der Amtszeit der Sozialistin Michelle Bachelet tendenziell schlechter bewertet worden. Er setzte sich überdies für klarere Formulierungen und gegen Floskeln in Berichten ein. Daraufhin wurde ihm der Rücktritt nahegelegt, sagte Romer im Gespräch mit dem STANDARD. Nach ebenfalls 15 Monaten war es das dann für ihn.

Mit harscher Kritik an seinen Kollegen machte sich Paul Romer wenige Freunde in der Weltbank.
Foto: Reuters/MIKE SEGAR

Üblicherweise besetzen renommierte Wirtschaftswissenschafter den Posten, der nun international ausgeschrieben werden soll. "Die Integrität der Bank soll durch den Chefökonomen gesichert werden" – so lautet ein Teil der Jobbeschreibung. Das wünscht sich die Weltbank wohl von allen Chefökonomen, egal ob sie nur 15 Monate oder länger bleiben. (Andreas Danzer, 18.2.2020)