Mitarbeiter sehen das Verhalten von Amazon nicht unbedingt als ökologisch an.

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"Wir können die Erde retten", schrieb Jeff Bezos auf Instagram und stellte eine Satellitenaufnahme des blauen Planeten, mit Blick auf die westliche Hemisphäre, neben den Text. "Es wird des kollektiven Handelns großer Unternehmen, kleiner Unternehmen, von Nationalstaaten, globalen Organisationen und Einzelpersonen bedürfen", fügte er salomonisch hinzu. Der Klimawandel, hatte er gleich zu Beginn angemerkt, stelle die größte Gefahr für den Planeten dar.

Bezos-Eintrag auf Instagram: Wir können die Welt retten.

Der Tüftler, der in einer Garage in Seattle anfing, um seine Marke Amazon zu einem global operierenden Handelsriesen auszubauen, will ein Dreizehntel seines Vermögens einsetzen, um die Erderwärmung zu bekämpfen. Demnach sollen Wissenschafter, Aktivisten und Nichtregierungsorganisationen, die zum Klimawandel forschen beziehungsweise sich für den Klimaschutz engagieren, ab dem Sommer mit zehn Milliarden Dollar unterstützt werden. Er wolle, so Bezos, mit anderen zusammenarbeiten, um sowohl auf bekannten Wegen schneller voranzukommen als auch neue Wege zu ergründen im Ringen für den Klimaschutz.

Reicher als Bill Gates

Sein Vermögen wird vom Magazin "Forbes" auf rund 130 Milliarden Dollar geschätzt, womit er vor dem Microsoft-Gründer Bill Gates und dem Investor Warren Buffett in der Tabelle der reichsten Menschen der Welt auf dem ersten Platz liegt. Kritiker werfen ihm seit längerem vor, dass er, gemessen an seinem Reichtum, vergleichsweise wenig spende. In den USA, wo großzügiges Mäzenatentum auch ein Statussymbol ist, für die Imagepflege von enormer Bedeutung, gerät man mit einem solchen Ruf schnell unter sozialen Druck – was Bezos' jetzige Großoffensive teilweise erklären mag.

Jeff Bezos, ganz naturverbunden.
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Deutlich später als Buffett, Gates und der New Yorker Michael Bloomberg, das Trio, das die Liste der großzügigsten Philanthropen des Landes anführt, war er dazu übergegangen, einen nennenswerten Teil seines Vermögens für gemeinnützige Zwecke abzuzweigen. Seine bislang größte Spende, zwei Milliarden Dollar für die Obdachlosenhilfe und ein Netzwerk von Montessori-Kindergärten, hatte er im September 2018 bekanntgegeben, damals noch gemeinsam mit MacKenzie, seiner damaligen Frau, von der er sich kurz darauf trennte.

Die Spenden der Superreichen

Nach der Scheidung unterschrieb MacKenzie Bezos demonstrativ den "Giving Pledge", eine Zusage, mit der sich Superreiche verpflichten, mindestens die Hälfte ihres Besitzes abzugeben. Jeff Bezos hat sich der von Buffett und Gates initiierten Kampagne bis dato nicht angeschlossen. Generell lief er Gefahr, als eine Art knauseriger Dagobert Duck unter Amerikas Reichsten zu gelten. Den Ruf versucht er nun, mithilfe seiner Klimaschutzspende, gleichsam mit einem Ruck zu korrigieren.

Auch Druck aus der eigenen Belegschaft dürfte ein Handlungsmotiv gewesen sein. Seattle, die Stadt in Pazifik-Nähe, in deren Zentrum Amazon ein hochmodernes, mit seinen Glaskugeln an ein futuristisches Gewächshaus erinnerndes Hauptquartier errichtete, gehört zu den Zentren der Klimabewegung der Vereinigten Staaten.

Kritik der Mitarbeiter

Erst im Jänner hatten dort mehrere Hundert Beschäftigte in einem offenen Brief Kritik an ihrem Chef geübt, weil der in ihren Augen nicht energisch genug daran arbeitet, die Emission schädlicher Treibhausgase im operativen Betrieb zu reduzieren. In der Folge drohte die Personalabteilung mit Entlassungen, was eine hitzige Debatte zur Folge hatte.

Von Mitarbeitern wird der Bezos-Konzern Amazon immer wieder wegen unökologischer Praktiken kritisiert.
Foto: Reuters/Katherine Taylor

Noch 2018 hatte die Firma bei Daimler-Benz zwanzigtausend Dieselfahrzeuge geordert, um Kunden ihrer Prime-Klasse schneller beliefern zu können. Microsoft, der zweite Hightech-Riese im Ballungsraum Seattle, gab unterdessen das Ziel aus, schon bis 2030 Klimaneutralität zu erreichen. In einem Satz, in der Klimadebatte drohte Amazon zu einer Art Dinosaurier zu werden. Und der Applaus, mit dem kritische Mitarbeiter den Versuch der Wende begleiten, fällt einstweilen eher verhalten aus.

Amazon und das Öl

Bezos' Großzügigkeit sei zwar durchaus lobenswert, aber eine Hand könne nicht geben, was die andere nehme, meldeten sich die "Amazon Employees for Climate Justice" zu Wort, die Amazon-Beschäftigten für Klimagerechtigkeit. "Die Menschen der Erde wollen wissen: Wann hört Amazon auf, Öl- und Gasunternehmen mit immer neuen Öl- und Gasbohrungen bei der Verwüstung der Erde zu helfen?", schrieb die Gruppe in einem Tweet. Wann höre Amazon auf, Thinktanks zu finanzieren, die den Klimawandel leugneten? Wann stelle man die Flotte der Lieferwagen von Dieselmotoren auf Elektroantrieb um?

Nicht erst seit heute fordern besagte Mitarbeiter, der Öl- und Gasindustrie die Nutzung der (energieintensiven) IT-Infrastruktur des Dienstleistungsgiganten samt Speicherplatz und Rechnerleistung zu verweigern, um ihr die Planung neuer Bohrungen zu erschweren. Ob Bezos' Spendenversprechen nun auch für das eigene Unternehmen eine Kurskorrektur bedeutet, wollen sie genau beobachten. (Frank Herrmann aus Washington, 18.2.2020)