Erst wenn es Antworten auf alle Fragen gibt, gehen Frauen den nächsten Schritt und gründen ihr Unternehmen.

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Frauen bereiten sich bei Unternehmensgründungen akribischer vor als Männer. Das zeigt eine aktuelle Studie des Marktforschungsinstituts Imas International im Auftrag der Erste Bank und Sparkassen. Dafür sei die Überlebensdauer länger, und sie sind oft auch profitabler als Gründungen von Männern. "Frauen setzen sich mit möglichen Gefahren viel intensiver auseinander, als Männer das tun", sagt Karin Kiedler, Leiterin der Marktforschung der Erste Bank Oesterreich bei der Präsentation der Studie. Männer würden beispielsweise das Verfassen des Businessplans eher auslagern als Frauen.

Und noch etwas zeigt die Studie: Gründerinnen sind bei der Selbsteinschätzung ihres Know-hows viel kritischer und zweifeln stärker als ihre männlichen Kollegen. "Frauen kennen ihre Stärken und Schwächen sehr genau. Sie holen sich dann auch gezielt Experten für bestimmte Bereiche", sagt Kiedler. Befragt wurden 400 Gründer, die sich in den letzten drei Jahren selbstständig gemacht haben.

Für Erste-Bank-Privatkunden-Vorstand Thomas Schaufler besonders erfreulich sie der hohe Frauenanteil bei den Unternehmen. Dieser habe sich in den vergangenen 15 Jahren um gut 15 Prozent gesteigert und liege jetzt fast gleichauf mit Gründungen von Männern. Ohne Personenbetreuungsunternehmen, die fast ausschließlich von Frauen gegründet werden, lag der Frauenanteil bei Unternehmensgründungen 2019 bei 45 Prozent.

Andere Motive

Auffallend sei aber, dass Frauen später gründen und auch weniger Risiko eingehen als Männer. Laut der aktuellen Studie liegt das Durchschnittsalter beim Gründen bei Männern bei 36 Jahren, Frauen sind durchschnittlich 41 Jahre alt. Auch bei den Motiven für die Unternehmensgründungen gibt es Unterschiede. Während bei Männern Selbstbestimmung und ein höherer Verdienst die treibenden Gründe (45 Prozent) fürs Unternehmertum sind, stehen bei Frauen Flexibilität und die bessere Vereinbarkeit von Betreuungspflichten und Beruf höher im Kurs. Die Motive zeigen sich auch bei der Lebenssituation, in der gegründet wurde. Männer gründen häufiger (45 Prozent, Frauen: 31 Prozent) aus einer beruflichen Notwendigkeit, Frauen nennen häufiger (23 Prozent, bei Männern sind es 15 Prozent) familiäre Gründe für den Schritt in die Selbstständigkeit.

Die meisten Unternehmen von Frauen werden in der Branche Handel und Gewerbe gegründet. Wenige Gründerinnen gibt es noch in den Bereichen Technik, IT oder Life-Sciences. Aber auch hier zeigt sich ein deutlicher Aufwärtstrend. Laut Austrian Startup Monitor 2019 wurden seit 2008 in Österreich 2200 Start-ups gegründet – bereits 18 Prozent davon von Frauen. Und: Ein Drittel der Startups hat mindestens eine Gründerin im Team.

Nicht zuletzt wegen der unterschiedlichen Branchen, in denen Frauen und Männer gründen, planen Gründerinnen nur halb so viele Finanzierungen ein wie ihre männlichen Kollegen. Mit ein Grund dafür sei aber auch die Tatsache, dass von Frauen kleinere Unternehmen gegründet werden.

Finanzierung

Männer sind oft auch optimistischer und planen gleich mehr Finanzierungsvolumen ein. Schaufler: "Interessant ist aber das Faktum, dass letztendlich 29 Prozent der Männer und 30 Prozent der Frauen eine Finanzierung haben. Daran sieht man, dass es nach der Gründung bei diesem Thema kaum einen Unterschied zwischen den Geschlechtern gibt." Deutliche Unterschiede gibt es aber bei der Finanzierungshöhe. Während Frauen im Schnitt nur 29.861 Euro an Fremdkapital benötigen, sind es bei den Männern 53.008 Euro. Gründe für den großen Unterschied sind abermals in den unterschiedlichen Branchen, in denen gegründet wird, zu finden. (10.3.2020)