Als Manchester United wenig euphorisch und staubtrocken seine Fans über die Achtelfinalauslosung in der Europa League informierte, warfen viele auf der Insel erst einmal die Online-Suchmaschine an. Die Tristesse angesichts der wenigen zu vergebenden Auswärtstickets auf der Linzer Gugl wandelte sich nach Bekanntgabe eines Geisterspiels vor leeren Rängen bei einigen in Ärger über gebuchte Flüge und Hotels, bei den allermeisten aber in Verständnis und noch mehr Hohn für den verhassten Stadt-Rivalen.

"Dieselbe Stimmung wie im Etihad also", so der Tenor unzähliger Fans, die sich Seitenhiebe auf Manchester Citys schwächere Zuschauerzahlen nie verkneifen können. Auch wenn die Stimmung im Old Trafford, wie in vielen Stadien anderer englischer Top-Klubs, oft unter sogenannten Fußballtouristen leidet: Uniteds Red Army gilt als der reise- und trinkfreudigste sowie lautstärkste Auswärtssupport der Insel, was LASK-Fans und -Spieler um ein großes Karrierehighlight bringt.

Tatsächlich scheint das Europa-League-Spiel heute, Donnerstag, gegen den LASK (18:55 Uhr, live auf Puls 4) bei den Social-Media-Beauftragten des Vereins aber (noch) nicht oberste Priorität zu haben. "Manchester is red", tönt es dort seit dem 2:0-Derbysieg vom vergangenen Sonntag in Dauerschleife. Es war das erste League-Double, der erste doppelte Erfolg in der Premier League gegen die in nunmehr so erfolgreichen "noisy neighbours" seit der erfolgsverwöhnten Ägide der Trainerlegende Alex Ferguson – ein Kunststück, das weder David Moyes oder Louis van Gaal noch José Mourinho im Trainerkarussell der vergangenen Jahre gelang.

So etwas wie Kontinuität

Nach einem schwachen Saisonabschluss 2019 und einem mehr als holprigen Start in die aktuelle Saison scheint der norwegische Manager Ole Gunnar Solskjær aktuell wieder bombenfest in seinem Sessel zu sitzen. Der Ex-Stürmer und legendäre Superjoker genießt etwas, das einst auch Sir Alex und dem legendären Matt Busby zuteilwurde: Vertrauen durch die Klubführung in ein längerfristig angelegtes Projekt. Der aktuelle Erfolgslauf mit zehn ungeschlagenen Partien in Folge verleitet manch United-Fan auch deshalb zum Träumen, weil die zahlreichen jungen Eigenbauspieler im Solskjær-Team wie McTominay, Williams, Rashford oder Greenwood Erinnerungen an die "Busby Babes" oder Fergusons "Class of 92" hochkommen lassen.

Wer Manchester United verstehen will, muss die Geschichte der Busby Babes rund um die Tragödie von München 1958 kennen. Die Bedeutung des Europacups für die Red Devils rührt vor allem auch daher.
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Neben 18 von 20 nationalen Meistertiteln verteilen sich auch die größten europäischen Erfolge auf die Ären Busby und Ferguson. Es sind Fußstapfen, die Solskjær nie wird füllen können und an denen die Trainer der Red Devils dennoch stets gemessen werden.

Auch wenn in Manchester wegen eines potenziellen Europa-League-Titels niemand so recht in Ekstase verfallen würde – schon gar nicht wenn Erzrivale Liverpool eine Rekordmeisterschaft feiert –, so könnte es für Solskjær und United wie schon 2017 zumindest der Plan B zur Champions-League-Qualifikation sein, sollte man diese trotz Aufholjagd in der Liga verpassen. Ein Zwischenschritt zurück auf dem Weg zur großen Bühne – einer Bühne, die besser zum Selbstverständnis des Vereins als einer der größten und besten der Welt passt.

Teil der Seele

Denn Europa ist spätestens seit dem Desaster von 1958, als in München sieben "Busby Babes" bei einem Flugzeugunglück auf der Heimreise vom Auswärtsmatch gegen Roter Stern Belgrad verunglückten, ein Teil von Uniteds Seele. Ein Jahr zuvor nahm man trotz Protesten des nationalen Fußballverbands als erste englische Mannschaft überhaupt am Wettkampf gegen die Kontinentaleuropäer teil. Spätestens der erste Europacup-Triumph zehn Jahre nach München entfachte ein Herz für Europa und den Ruhm, der damit einhergeht. Die charakterstarken Spieler, die es für diese Rückkehr an die Spitze braucht, fehlten in den vergangenen Jahren oft, hatte man das Gefühl.

Neuzugang Bruno Fernandes will mit United-Coach Ole Gunnar Solskjær die Hürde LASK überwinden. Mit österreichischen Teams hatte man bisher wenig Probleme. Sieben Siegen gegen Sturm Graz und Rapid steht ein torloses Remis durch die Hütteldorfer entgegen. Bei einem Gesamtscore von 17:1.
Foto: Reuters/Carl Recine

Ein 55 Millionen Euro teurer 25-jähriger Portugiese schickt sich dieser Tage jedoch an, ebendiese Führerrolle einzunehmen, so wie es einst Bobby Charlton, Roy Keane oder Wayne Rooney taten und wie sie sonst momentan nur Abwehrchef und Neo-Kapitän Harry Maguire verkörpert. Der Wintertransferkracher Bruno Fernandes übernahm bereits bei seinem ersten Spiel Verantwortung und verwandelte einen Elfmeter. Nach einem respektablen 1:1-Unentschieden gegen Everton FC soll er vor Unzufriedenheit gewütet haben, während Teamkollegen sich mit dem Punkt zufriedengaben.

Am vergangenen Wochenende begeisterte er United-Fans durch Geniestreiche wie den Freistoß-Heber-Assist zum 1:0 und sammelte Sympathiepunkte, als er City-Coach Pep Guardiola per Finger vor dem Mund zu verstehen gab, dass dieser sich ob des Spielstands besser ruhig zu verhalten habe. Viele sehen im 18er Fernandes eine künftige Nummer 7. Die momentan vakante Rückennummer ist bei United für potenzielle Vereinslegenden reserviert – wie sie ein gewisser Cristiano Ronaldo aus Portugal ist. (Fabian Sommavilla, 12.3.2020)