Der Mordprozess gegen die Ehefrau des Premiers von Lesotho wurde um einen Monat auf 14. April vertagt und könnte sogar platzen. Maesaiah Thabane wird vorgeworfen, am Mordanschlag auf ihre Vorgängerin als First Lady, Lipolelo Thabane, beteiligt gewesen zu sein. Diese wurde im Juni 2017 in ihrem Auto erschossen.

Thomas Thabane, der Regierungschef des kleinen Gebirgskönigsreiches im südlichen Afrika, soll ebenfalls der Prozess gemacht werden. Er lebte von Lipolelo getrennt, diese verweigerte jedoch die Scheidung. Nur zwei Tage nach dem Attentat auf seine Frau wurde Thomas Thabane zu einer neuerlichen Amtszeit als Premier vereidigt. Damit wäre die 58-jährige Lipolelo wieder First Lady gewesen. Thomas Thabane lebte jedoch längst mit Maesaiah, die er auch schon zwei Monate nach dem Mord heiratete.

Unbeeindruckt von den Ermittlungen: Thomas Thabane bei einer Parteikundgebung im März.
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Maesaiah Thabane erschien am Dienstag zwar – schweigend und sichtlich entspannt – zu ihrer Verhandlung vor dem Gericht in Lesothos Hauptstadt Maseru, doch die Staatsanwaltschaft war noch nicht bereit für die Fortführung des Verfahrens. Dafür seien erst weitere Anklageerhebungen gegen vier Tatverdächtige nötig, erklärte die Anklägerin Puseletso Sekoati dem Gericht. Zwar seien die Ermittlungen der Polizei abgeschlossen, doch die Verdächtigen, die sich in Südafrika aufhielten, müssten erst festgenommen werden, sagte Sekoati. Der Anwalt Maesaiah Thabanes, Rethabile Setlojoane, erklärte, er werde den Antrag stellen, dass alle Vorwürfe fallengelassen werden, falls am 14. April die Anklage nicht steht.

Die Thabanes bei der Anhörung des Premiers Ende Februar.
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Bei den gesuchten Verdächtigen handelt es sich um bekannte lesothische Musiker, darunter der als "Mosotho Chakela" auftretende Rethabile Mokete. Dieser ist einer der wichtigsten Vertreter des typisch lesothischen Musikstils "Famo". Darüber hinaus ist er eng mit Thomas Thabanes ABC-Partei (All Basotho Convention) verbunden. Zu den weiteren gesuchten gehören Seabata Sello und Molefi Matima.

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Der 80-jährige Premier und seine 42-jährige Frau streiten jegliche Beteiligung an dem Verbrechen ab. Vor den Anklageerhebungen gegen das Ehepaar im Jänner und im Februar hatten sie sich jedoch jeweils nach Südafrika abgesetzt, um sich schließlich doch der Justiz zu stellen. Maesaiah ging gegen eine minimale Kautionszahlung frei, Thomas Thabane berief sich auf die Immunität seines Amtes.

Maesaiah Thabane bei ihrer Anhörung im Februar.
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Thabane hat seinen Rückzug von der Macht für den Juli angekündigt. Doch sein politischer Abgang könnte nun doch rascher kommen. Zwar haben seine Parteianhänger gedroht, dass sein vorzeitiger Sturz zu einer Auflösung des Parlaments und Neuwahlen führen würde. Das Parlament jedoch hat für eine Änderung der Verfassungsbestimmung gestimmt, die dem Premier für den Fall eines Misstrauensvotums das Recht zur Ausrufung von Neuwahlen einräumt. Nun muss noch der Senat zustimmen, dann bliebe Thabane als einzige Möglichkeit, das Parlament für zwei Monate auszusetzen. (Michael Vosatka, 18.3.2020)