Am Samstag, an dem sie üblicherweise geschlossen hat, habe sie ihr Friseurgeschäft in der Stadt noch einmal aufgesperrt, "danach habe ich meine Angestellten nach Hause geschickt", erzählt die Friseurin Elena M. Sie beschäftigt fünf Mitarbeiterinnen und einen Lehrling, im Einvernehmen mit ihnen hat sie nun einmal alle drei Wochen in den Urlaub geschickt. Als Nächstes werde sie für die Friseurinnen für die Zeit nach dem Urlaub Kurzarbeit anmelden.

So oder so ähnlich sieht die Situation gerade bei unzähligen Klein- und Einpersonenunternehmen aus. Die rasante Verbreitung des Coronavirus setzt ihnen extrem zu. Während die Friseurin mit den aktuellen, schriftlichen Informationen der Wirtschaftskammer zufrieden ist, sei sie mit ihren Anrufen bei den Hotlines des Arbeitsmarktservice und der Wiener Wirtschaftskammer gescheitert. "Da kommt man nicht durch", erzählt sie, allerdings habe man sich dann zwei Tage nach dem Anruf schriftlich für die Verzögerungen entschuldigt.

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WKO versucht, alles abzuarbeiten

Bei der WKO beteuert man, so viele Mails, Anrufe und Anfragen wie möglich abzuarbeiten: "Unser Online-Infopoint hat mittlerweile rund 100 Zugriffe pro Minute und wurde zur Hauptachse der Kommunikation mit heimischen Betrieben", sagt die stellvertretende WKO-Generalsekretärin Mariana Kühnel. Man erhalte dafür gutes Feedback von den Unternehmern. Einen starken Fokus legt die WKO momentan auf die Vernetzung von Firmen, die Schutzkleidung und Desinfektionsmittel produzieren, mit potenziellen Kunden.

Etwas alleingelassen hingegen fühlte sich Silke T., eine selbstständige Floristin aus dem Mostviertel: "Ich habe bis heute keine wirklichen Informationen von der Wirtschaftskammer oder sonst jemandem bekommen." Sie habe sich mit Branchenkollegen abgesprochen und aufgrund der medialen Informationen Anfang der Woche zugesperrt. Sie meint, sie hatte Glück, weil sie alle lagernden Schnittblumen noch verkaufen oder verschenken konnte. Neue Ware bestelle sie momentan nicht.

Wie alle anderen hadert T. mit der Ungewissheit, wann sie wieder aufsperren kann – auch in Hinblick auf die Vorlaufzeit bei der Warenbestellung. Ihre Mitarbeiter bleiben aktuell zu Hause, sie möchte die weitere Entwicklung noch ein bisschen beobachten und nicht überhastet handeln. Währenddessen betreut die Floristin ihre im Geschäftslokal verbliebenen Topfpflanzen. Allein.

Zwar hat die Unternehmerin aus dem Mostviertel es geschafft, alle ihre Schnittblumen
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Existenzängste machen sich breit

Existenzängste ziehen sich mittlerweile wie ein roter Faden durch die heimische Wirtschaft. Für viele besteht akuter Liquiditätsbedarf. Aus diesem Grund laufen bei der staatlichen Förderbank AWS die Telefonleitungen heiß. "Wir haben diese Woche Tausende Anrufe abgewickelt", sagt AWS-Sprecher Matthias Bischof. Die Förderbank, deren Rahmen deutlich erhöht wird, bietet spezielle Überbrückungsgarantien für die Corona-Krise an. Banken werden somit für den Fall, dass die Kreditzahlungen schleppend oder gar nicht erfolgen, abgesichert. Tendenz, wer am meisten Bedarf hat, gibt es Bischof zufolge noch keine. "Es melden sich die ganz Kleinen, aber auch die Großen." Es sei überdies nicht mehr notwendig – wie sonst üblich – Businesspläne oder vorzulegen, so Bischof.

Auf die Frage, wie es ihr gehe, hat Romana L. eine klare Antwort: "Nicht so gut", sagt die Unternehmerin. L. betreibt im 15. Wiener Gemeindebezirk einen kleinen Buchladen mit angeschlossenem Café – Angestellte hat sie keine. Seit Montag ist ihr Geschäft geschlossen. Ob Bücher nach wie vor geliefert werden oder ab wann Unternehmer mit Unterstützung der Regierung rechnen können, wusste sie zu dem Zeitpunkt nicht. In einem Punkt hat sie mittlerweile zumindest Sicherheit: Bücher werden weiter zugestellt, und sie kann den Verkauf fortsetzen – allerdings nur online. Die meisten Informationen erhielt sie von anderen Betrieben im Grätzel, wie L. erzählt. Nicht nur Unternehmen tauschen sich online untereinander aus, viele Kunden würden sich melden und vermehrt Bücher online bestellen. "Wir schauen aufeinander, das ist gerade jetzt besonders schön."

Sozialversicherung bezahlen

Nicht zu vergessen sind das heikle Thema der Sozialversicherung und die fristgerechte Zahlung der Beiträge. Auch hier gibt es Entgegenkommen. "Unternehmer nehmen das Angebot der Stundung oder Ratenzahlung der Beiträge stark an", sagt der Obmann der Sozialversicherung der Selbstständigen (SVS), Peter Lehner. Täglich gingen rund 90.000 Anrufe ein. Kundencenter sind geschlossen, Beratungen abgesagt.

Besonders starke Auswirkungen hat das Virus auf die Gastrobranche. Sowohl bei Restaurants als auch bei Produzenten bricht das Geschäft ein. Beim Wiener Start-up Rebel Meat, das seit vorigem August Gastronomen mit Bio-Burger-Laibchen aus Zutaten beliefert, die ausschließlich aus Österreich stammen und in denen neben Rindfleisch auch Hirse und Pilze verarbeitet werden, übt man sich noch in Zuversicht. "Die Krise trifft uns sehr. Jetzt denken wir im Homeoffice eben über neue Produktentwicklungen und Strategien nach", erzählt Geschäftsführerin Cornelia Habacher.

Die Bestellungen seien schon vor zwei Wochen ausgeblieben, als sich die Lokalschließungen angekündigt hätten. Ein paar wenige Aufträge gebe es noch, von jenen Gastronomen, die auf Hauszustellung umgestellt haben.

Egal ob Leute Haare schneiden, Blumen verkaufen, Kaffee servieren oder Lebensmittel produzieren – eines eint momentan alle: der Wunsch, dass die Krise bald vorbei ist. (Andreas Danzer, Renate Graber, Nora Laufer, 21.3.2020)