Personalmangel gab es in der Altenpflege schon bisher. Doch die Corona-Krise könnte nun zum Notstand führen.

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Richard S. wartete vergeblich. Zwei neue Praktikantinnen hätten vergangene Woche ihren Dienst antreten sollen, sagt der Pflegedienstleiter eines Seniorenheims in der Steiermark, doch keine der beiden sei aufgetaucht. Eine dritte, bereits tätige Praktikantin habe ihre Arbeit abrupt niedergelegt.

Grund ist die Corona-Krise. Um das Virus einzudämmen, hat das Gesundheitsministerium verfügt, dass so wie der allgemeine Schulbetrieb auch die Ausbildung in Gesundheitsberufen ausgesetzt wird. Zwar ist die Ausnahme festgeschrieben, dass Auszubildende, insbesondere in Pflegeberufen, "zur medizinischen und pflegerischen Versorgung" herangezogen werden können, allerdings nur auf freiwilliger Basis. Die oder der Betroffene kann also auch Nein sagen.

"Brauchen jede helfende Hand"

"Verantwortungslos" nennt S. diese Regelung, schließlich brauche das Pflege- und Gesundheitssystem wegen der Pandemie "jede helfende Hand". Es sei widersinnig, dass die Regierung einerseits in letzter Konsequenz ehemalige Zivildiener für den Einsatz in der Pflege zwangsweise rekrutieren wolle, anderseits aber Praktikantinnen den Einsatz freistelle: "Die können nach einem Jahr in Ausbildung zehnmal mehr als ein Zivildiener, der in der Regel nichts von Pflege versteht."

Im Büro der steirischen Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP) hält man die die auf Freiwilligkeit basierende Regelung hingegen für angemessen: Man werde sich exakt an den Erlass aus der Bundesregierung, der allerdings nicht für an Fachhochschulen ausgebildete Kräfte gilt, halten. Es gehe dabei um rechtliche Fragen, sagt Gesundheits- und Sozialminister Rudolf Anschober (Grüne): Weil etliche Bundesländer den Wunsch geäußert hätten, in Ausbildung befindliche Kräfte jedenfalls einsetzen zu wollen, werde an einer Lösung gearbeitet.

Derzeit zeichnet sich vor allem im Bereich der 24-Stunden-Betreuung ein Personalnotstand ab: Wegen der geschlossenen ungarischen Grenzen können rumänische Kräfte nicht nach Österreich reisen, Slowakinnen dürfen nur in einem Radius von 30 Kilometern einpendeln.

Im seinem Heim in der Steiermark gebe es das Problem noch nicht, erzählt der Pflegedienstleiter S.. Doch er plädiert dafür, die mehr als ein Jahr in Ausbildung befindlichen Kräfte – zu rechnen sei mit 5.000 bis 6.000 – eben in der 24-Stunden-Betreuung einzusetzen: "Das sind Menschen, die sich bewusst für den Pflegeberuf entschieden haben. Und die lassen wir daheim?" (Gerald John, 24.3.2020)