So, der Innenminister hat jetzt verbal anerkannt, dass in Österreich von 8,8 Millionen Einwohnern rund 1,5 Millionen oder rund 17 Prozent nicht Staatsbürger sind: "Österreicherinnen und Österreicher und Menschen, die in unserem Land leben", sagt Nehammer (Kanzler Kurz spricht immer noch nur von "lieben Österreicherinnen und Österreichern").

Damit aber nicht noch mehr Lust kriegen, bei uns sesshaft zu werden, müssen jetzt Asylwerber (derzeit laut Nehammer "maximal zwölf pro Tag") ein Gesundheitszeugnis mitbringen, sonst werden sie gleich abgewiesen. Österreich setzt also bürokratisch-administrativ das Asylrecht aus.

Europäische NGOs haben wegen der Zustände in griechischen Flüchtlingslagern Alarm geschlagen.
Foto: REUTERS/Elias Marcou

Damit verschlechtern sich die Chancen für Insassen der Lager auf Lesbos auf null, in Österreich humanitär aufgenommen zu werden. Obwohl dort eine Corona-Epidemie unter 20.000 dicht gedrängten Menschen fast ohne Waschmöglichkeit nur eine Frage der Zeit ist.

300 europäische NGOs haben gemeinsam Alarm geschlagen, mal sehen, ob das in Europa irgendwen interessiert.

Wobei Ängste vor möglicherweise unentdeckten Infektionen unter den Lagerinsassen verständlich sind. Aber Europa hätte schon längst Griechenland die paar Millionen Euro (mehr) geben können, um neue, kleinere Lager mit festen Unterkünften dezentralisiert zu errichten. Wäre eine Fußnote angesichts der Fantastilliarden, die derzeit als Wirtschaftshilfe aufgebracht werden. (Hans Rauscher, 27.3.2020)