Rolex, ein Zugpferd der Messe, hielt der Baselworld bisher die Treue.

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Selbiges galt für die hochangesehene Luxusuhrenmarke Patek Philippe. Nun haben sich die beiden Genfer Hersteller neben Tudor (Schwesternmarke von Rolex), Chopard und Chanel entschlossen, in Genf ihr eigenes Ding im Rahmen der Watches & Wonders durchzuziehen.

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Durchaus emotional reagierten beide Seiten, darunter Thierry Stern, Präsident von Patek Philippe, dessen Familie seit vier Generationen auf der Uhrenmesse vertreten war.

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Ob und wie es mit der Baselworld, deren Anfänge sich auf das Jahr 1917 zurückführen lassen, weitergeht, ist vollkommen offen.

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2020 ist auch in der Uhrenbranche das Jahr des Konjunktivs: Ende April, Anfang Mai hätten nacheinander die großen Messen Watches & Wonders (Genf) und Baselworld (Basel) stattfinden sollen. Gespannt war man vor allem auf die versprochenen Neuerungen vonseiten des Veranstalters der Basler Messe, der MCH Group. Immerhin galt die Baselworld bis dato noch als die größte Uhren- und Schmuckmesse der Welt, war aber vor allem durch den Abgang der Swatch Group (mit prestigereichen Marken wie Omega, Breguet, Glashütte Original, etc.) 2019 bereits erheblich angeschlagen.

Heuer wären der Messe auch noch Breitling, Bulgari, Seiko oder Citizen fern geblieben. Und da tauchte das Coronavirus erst am Horizont auf. Als schließlich klar war, dass dieses eine Pandemie mit sich bringt, wurden beide Messen auf kommendes Jahr verschoben. Watches & Wonders (bis 2019 noch: Salon International de la Haute Horlogerie) sollte nun im April 2021 stattfinden, die Baselworld im Jänner. Doch seit dem 14. April ist vor allem letzterer Termin mehr als fraglich.

Übersiedelung nach Genf

An diesem Tag teilten die Marken Rolex, Patek Philippe, Chopard, Chanel und Tudor gemeinsam in einer Presseaussendung mit, dass sie sich von der Baselworld trennen. Ein Schlag, der sitzt: Denn die genannten Luxusuhrenhersteller standen bisher voll hinter der Messe und waren für den Veranstalter eine sichere Bank, sozusagen eine Lebensversicherung. Stattdessen wollen die Firmen nun gemeinsam mit dem Branchenverband Fondation de la Haute Horlogerie (FHH), quasi Organisator von Watches & Wonders, eine neue Messe ins Leben rufen. Sie soll im April 2021 in der Palexpo in Genf stattfinden.

"Wir nehmen seit 1939 an der Baselworld teil", erklärte Rolex in der gemeinsamen Stellungnahme der Firmen. Man meint ein bisschen Wehmut zwischen den Zeilen herauslesen zu können: "Leider haben wir angesichts der Entwicklung der Veranstaltung und der jüngsten Entscheidungen der MCH Group und trotz der großen Verbundenheit mit dieser Uhrenmesse beschlossen, uns zurückzuziehen."

Emotionen

Thierry Stern, Präsident von Patek Philippe, meint dazu: "Die Entscheidung, die Baselworld zu verlassen, fiel nicht leicht. Die Familie Stern hat seit vier Generationen an dieser traditionsreichen Veranstaltung teilgenommen." Doch es gebe zu viele offene Fragen und Diskussionen mit dem Management der Baselworld, um an eine weitere Zusammenarbeit zu denken, führt Stern weiter aus. Das lässt darauf schließen, dass es hinter den Kulissen schon ordentlich gekracht haben muss.

Natürlich geht es letztendlich um Geld. Denn der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, dürfte eine Pressemitteilung der MCH Group vom 3. April gewesen sein. Darin bat die Messeleitung die Aussteller um Verständnis, dass die Baselworld 85 Prozent der von ihnen bereits berappten Beiträge auf die Veranstaltung 2021 übertragen würde, die übrigen 15 Prozent jedoch für bereits erbrachte Leistungen zur abgesagten Ausgabe 2020 einbehalten wolle, wie die NZZ berichtet. Wer das Geld zurückerstattet haben wolle, bekäme lediglich 30 Prozent davon zurück, während 40 Prozent bereits als Anzahlung für die Baselworld 2021 gelten sollten. Das sorgte vor allem bei den genannten Marken für Unmut, ebenso wie der neue Termin der Messe im Jänner, der angeblich nicht mit den Ausstellern abgesprochen worden war.

Überraschung und Unverständnis

Die MCH Group, die heuer mit Millionenverlusten in dreistelliger Höhe zu kämpfen hat, reagierte auf die öffentliche Erklärung der fünf Marken mit einer eigenen Aussendung und drückte "große Überraschung und ebenso großes Bedauern" über die Absagen aus. "Das Ziel", heißt es in der Erklärung, "war es, den frühesten und bestmöglichen Termin für die Branche nach den Maßnahmen im Zusammenhang mit Covid-19 zu finden." Die jetzt "migrierenden" Unternehmen – einschließlich Rolex – hätten sich selbst für eine Verschiebung auf Jänner 2021 ausgesprochen. Sie seien auch im Ausstellerkomitee vertreten, wo die Zukunftsvision der Baselworld mehrfach diskutiert worden sei und auch positive Resonanz fand, wie es vonseiten des Veranstalters heißt.

Die MCH Group vermutet daher, dass es schon länger Pläne gegeben haben müsse, eine eigene Veranstaltung aufzuziehen, und dass das Thema Kosten nur ein Vorwand für den Ausstieg darstelle.

Wie es nun mit der Baselworld – sie feierte 2017 ihr hundertjähriges Bestehen – weitergeht, dazu äußerte man sich sehr kryptisch: In den nächsten Wochen wolle man eine Entscheidung über die Fortsetzung der Uhren- und Schmuckmesse treffen. Einzig die Uhrenmarken des größten Luxuskonzerns der Welt, LVMH, darunter Hublot, TAG Heuer, Zenith, bleiben der Baselworld – noch. (Markus Böhm, 15.4.2020)