Trotz einer folgenschweren Tigerattacke liebte Roy Horn Großkatzen sein ganzes Leben lang.

Foto: AP / Louie Traub

Las Vegas – Seine Ärzte haben es "ein Wunder" genannt, dass Roy Horn die schweren Verletzungen nach dem Angriff seines weißen Tigers Montecore überhaupt überlebte. Mit einem letzten Zaubertrick hatte sich das Duo "Siegfried & Roy" im März 2009 endgültig vom Showbusiness verabschiedet. Nun starb Horn an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung.

Im Mirage-Hotel in Las Vegas hatte der in Nordenham bei Bremen geborene Dompteur und Magier am 3. Oktober 2003 in seinen 59. Geburtstag hineingefeiert. Wenige Stunden später lag er bei der abendlichen "Siegfried & Roy"-Show lebensgefährlich verletzt auf der Bühne. Nach schwerem Blutverlust, Schlaganfällen und einer Gehirnoperation hatte er sich nie mehr vollständig erholt. Sein langjähriger Partner, der in Rosenheim geborene Siegfried Fischbacher, wurde zum Betreuer.

Nun hat Horn die Lungenkrankheit Covid-19 das Leben gekostet. Er starb am Freitag (Ortszeit) in Las Vegas im 75. Lebensjahr. "Heute hat die Welt einen der Großen der Magie verloren, aber ich habe meinen besten Freund verloren", sagte Fischbacher (80) in einer Mitteilung.

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Abruptes Karriereende

Der tragische Tiger-Unfall hatte die vielfach preisgekrönten "Meister des Unmöglichen" in den vorzeitigen Ruhestand gezwungen, es war das abrupte Aus für das gefeierte Magier-Duo "Siegfried & Roy", das in der amerikanischen Casino-Stadt mit ihren Illusionen und Tier-Tricks über Jahrzehnte Millionen Fans begeistert hatte. Roy Horn war nach dem Unfall halbseitig gelähmt.

Der Entertainer lernte langsam wieder gehen, wenn auch schleppend und auf einen Stock gestützt. Bei seltenen öffentlichen Auftritten war er auch im Rollstuhl zu sehen. Im Mai vorigen Jahres hatte das Duo noch Siegfrieds Münchner Heimat und den Tegernsee besucht. Horn machte dort eine Stammzellentherapie mit Eigenblut. Außerhalb seines Domizils in der Wahlheimat Las Vegas wurde Horn in den letzten Jahren immer seltener gesehen. Auf Facebook postete er gelegentlich Fotos vom Alterssitz "Little Bavaria" am Stadtrand von Las Vegas, einem riesigen Anwesen mit zahlreichen Raubkatzen und anderen Tieren.

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Ungebrochene Liebe zu Großkatzen

Seine Liebe zu exotischen Tieren hatte der am 3. Oktober 1944 geborene Uwe Ludwig Horn schon früh entdeckt. In den Nachkriegsjahren flüchtete er in eine Tier-Traumwelt. Ein Gepard namens "Chico" im Bremer Zoo wurde zu seinem besten Freund. Nach dem Abbruch der Schule heuerte er als Steward auf einem Kreuzfahrtschiff an, wo er Fischbacher traf. Zusammen tingelten sie mit Zauber- und Tiertricks durch kleinere Theater, bis ihnen in den Sechzigerjahren in Monaco der internationale Durchbruch gelang. 1967 kamen sie erstmals nach Las Vegas, 1988 handelten sie mit dem Mirage-Hotel den bis dahin dicksten Millionen-Deal in der Geschichte der Kasinostadt aus.

Roys Liebe zu den Wildkatzen war ungebrochen, auch nach dem Angriff von Mantecore. Er gab dem weißen Tiger keine Schuld – im Gegenteil. Nach dem Tod der Raubkatze im Jahr 2014 schrieb der Dompteur auf Facebook, sein "geliebter 17 Jahre alter weißer Tiger, Freund und Bruder" sei gestorben. "Er war es, der mich in Sicherheit gezogen hat, nachdem mir auf der Bühne wegen schwachen Blutdrucks schwindlig geworden war. Er hat mich da rausgeholt, so dass mir die Notärzte helfen konnten." Montecore habe ihm nur zur Hilfe kommen und ihn wegtragen wollen, beteuerte er in Interviews.

Mit einem letzten Zaubertrick hatte sich das Duo im März 2009 endgültig vom Showbusiness verabschiedet. Nur zehn Minuten dauerte die magische Show bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung im Hotel-Casino Bellagio. (APA, 9.5.2020)