Wo sind die anderen? Noch im Homeoffice oder im anderen Team. Die neue Normalität heißt "in Etappen, mit Stufenplan" und schön langsam.

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Google und Facebook lassen ihre Mitarbeiter bis Jahresende fix im Homeoffice. Nur wer dringend in die stylische Betriebsstätte muss, darf das auch – nach einem Parcours an Sicherheitsmaßnahmen. Der Autohersteller Tesla lässt hingegen wissen, dass er nach speziellen Trainings ("Our Return to Work Playbook") auch in Kalifornien jetzt wieder Fabriken und Büros füllt.

Österreichs Unternehmen gehen den Mittelweg und arbeiten derzeit an Kompromisslösungen. "Die österreichische Variante, so wie es zum Unternehmen passt", formuliert es Armand Kaáli-Nagy, Generalsekretär des Forums Personal mit rund 500 Unternehmensmitgliedern aus dem Personalbereich.

Überwiegend sind es Stufenpläne für die kommenden drei, vier Wochen, die ein Stück weit zurückführen in die Zeit vor der Pandemie. Allerdings immer gestaffelt. Basis dafür sind die Regeln des Arbeitnehmerschutzgesetzes. Dazu kommt ein Bündel an Sicherheits- und Hygienemaßnahmen – damit ja kein Infektionsfall in der Firma auftritt.

Wer will zurück?

Aber, so berichten fast alle Personalchefs, es wird auch geschaut, wer überhaupt möglichst bald ins Büro zurückwill. Bei einem großen Finanzdienstleister haben sich das jetzt nur knapp 25 Prozent der Belegschaft gewünscht. Also: Der große Run zurück ins gute, alte Großraumbüro hält sich in Grenzen. Homeoffice behält einen wichtigen Platz im Arbeitsalltag.

"Bei Semperit haben wir zwei Teams gebildet, und wir trennen diese so weit wie möglich, damit wollen wir handlungsfähig bleiben, auch wenn es zu einer Infektion kommen sollte", sagt etwa Martin Kragenings vom heimischen börsennotierten Kautschukverarbeiter Semperit. Und formuliert damit die Grundstruktur der meisten Betriebe: Bereiche in zwei Teams teilen, die einander im Büro nicht begegnen.

Verpflichtendes Fiebermessen beim Eintritt in das Firmengebäude oder permanentes Tragen einer Gesichtsmaske scheint nach Rundrufen nur für die allerwenigsten Arbeitenden hierzulande Teil der neuen Bürowirklichkeit zu sein. Bereichsübergreifende Meetings oder physische Zusammenkünfte versuchen aber alle Unternehmen zu unterbinden. Sozialräume sind jetzt gesperrt. Für Lifte und Stiegenhäuser gibt es Warteregeln. Kantinen laufen nur teilweise.

Überwiegend sehen die neuen Office-Anweisungen vor, was beispielsweise der Wirtschaftsprüfer BDO in sein "Playbook" geschrieben hat: ins Büro nur, wenn es zwingend erforderlich ist. Desinfektionsmittel stehen bereit, Masken liegen zur freien Entnahme auf. Maximal ein Drittel des Teams darf anwesend sein, die Teamleitung ist verantwortlich, dass Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. Außerhalb der Zimmer ist Mund-Nasenschutz zu tragen, im Zimmer nicht zwingend, wenn Mindestabstand und diagonale Sitzordnung eingehalten werden. Face-to-face-Kundentermine sind nur zulässig, wenn "unbedingt erforderlich".

Angst vor der Anreise

Was BDO-Partner Sören Buschmann noch empfiehlt, tun offenbar auch viele Unternehmen: jenen Mitarbeitern, die in Teams arbeiten (welche einander weder begegnen noch durchmischt werden sollen), raten, ins Büro nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln, sondern möglichst vereinzelt mit "Rad, Moped, Roller, Auto" zu kommen. In Wien ist dies bereits messbar: gestiegener Individualverkehr, eher leere Öffis. Viele Firmenvertreter berichten auch aus internen Umfragen, dass in ihren Belegschaften eher Angst vor der Anreise ins Büro denn vor dem Büro bestehe.

Aber auch vor Ort wird jetzt psychologisch vorgegangen. So werde nicht nur mehr und häufiger gereinigt, sondern auch sichtbar, also zu Bürozeiten, sagt Kaáli-Nagy. Eine Demonstration der Hygiene quasi.

Dass für möglichst viel Abstand und Schutz insgesamt heftig umgerüstet wird, bestätigt Bene-Geschäftsführer Michael Fried. Er stellt bei Waidhofen jetzt Plexiglas-Schutzwände für Büroschreibtische her – und kommt kaum mit der Produktion nach. (Karin Bauer, 13.5.2020)