Bill Gates

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Sein Name reicht aus, um Impfgegner binnen Minuten auf die Palme zu bringen. In Wien werden Denkmäler und Wände beschmiert, um vor ihm zu warnen: Bill Gates. Er ist das Feindbild jener, die hinter der Corona-Pandemie eine Verschwörung wittern.

"Ich fühle mich schrecklich"

Gates setzt sich für die Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus ein und wird damit verstärkt zur Zielscheibe von Impfgegnern und Verschwörungstheoretikern. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, die Pandemie bewusst ausgelöst zu haben, um die Menschheit zu kontrollieren. In einem Interview mit dem "Wall Street Journal" verteidigte sich Gates gegen die Unterstellung, er würde mit seiner Stiftung entscheiden, welche Krankheiten Vorrang haben und wie sie bekämpft werden müssen: "Wir geben nur unser Geld aus und teilen unsere Meinung. Am Ende des Tages treffen wir aber nicht die Entscheidungen." Zudem betont er, dass das Virus das Dramatischste sei, was er je in seinem Leben gesehen habe.

Gates warnt bereits seit Jahren vor den gravierenden Folgen einer Pandemie – und macht sich dennoch Vorwürfe, nicht genug dagegen getan zu haben. "Ich fühle mich schrecklich", so der Microsoft-Gründer.

"Digitale Zertifikate"

Seit Jahren kämpft die Bill & Melinda Gates Stiftung für eine bessere Gesundheitsversorgung weltweit. Dieser Kampf wird nun gegen die Stiftung und ihren Gründer verwendet. So wird behauptet, Gates wolle im Kampf gegen den Erreger den Menschen Mikrochips einpflanzen lassen – und so die totale Kontrolle erlangen. Tatsächlich schrieb Gates, dass irgendwann "digitale Zertifikate" Auskunft darüber geben könnten, wer eine Infektion mit dem Coronavirus bereits durchgestanden hat oder – sobald das möglich ist – dagegen geimpft ist. Diese Aussage wurde mit vollkommen anderen Projekten verrührt, die von der Gates-Stiftung unterstützt werden – etwa Forschungen zur digitalen Identifizierung, zu einer Technik, die Impfungen im Infrarotlicht auf der Haut anzeigt, sowie zu Verhütungsmethoden via Mikrochips. Mit dem Coronavirus haben sie nichts zu tun.

Entwicklung des neuen Coronavirus finanziert?

Weit verbreitet ist auch die Gesichte, die Gates-Stiftung soll die Entwicklung des neuen Coronavirus finanziert haben – inklusive Patent.

In Wien wurde das Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz beschmiert.
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Der vermeintliche Beweis: das Patent eines von der Stiftung unterstützten Instituts von 2015 mit dem Titel "Coronavirus". Dabei geht es aber nicht um Sars-CoV-2, sondern um die Impfstoffentwicklung gegen ein Geflügelvirus aus der Gruppe der Coronaviren. In der Immunologie ist es üblich, dass Forscher das Erbgut von Erregern verändern, um sie weniger gefährlich zu machen. Diese eignen sich dann zur Herstellung von Impfstoffen. Zudem halten Wissenschafter eine Entwicklung des neuen Coronavirus im Labor für nicht plausibel. (red, 15.5.2020)